Drama im Waschraum: Zweiter Akt

Er sieht sich als Opfer und nicht als Täter – doch auch die zweite Instanz hat einen 37-jährigen Serben am Freitag des Raufhandels und der Rassendiskriminierung schuldig gesprochen.

Ein Streit um die Waschmaschine eskalierte derart, dass die beiden Kontrahenten vor Gericht landeten. (Symbolbild)

Ein Streit um die Waschmaschine eskalierte derart, dass die beiden Kontrahenten vor Gericht landeten. (Symbolbild)

(Bild: Keystone)

«Ein Waschmaschinendrama in mehreren Akten», nannte Gerichtspräsident Samuel Schmid den Fall, den er im November 2015 am Regionalgericht Emmental-Oberaargau zu beurteilen hatte. In einer Vorortgemeinde von Burgdorf war es – wie so oft in diesem Wohnblock – im September 2012 zu Streitereien in der Waschküche gekommen.

Das Gezeter zwischen den Frauen eskalierte, Familienmitglieder eilten herbei, es wurde dreingeschlagen. Am Schluss lag ein Mann aus Montenegro mit einem gebrochenen Nasenbein und einer Hirnerschütterung im Spital. Seither sieht er sich als ­Opfer und will dies von einem ­Gericht bestätigt haben.

Zeugen: Widersprüche

Doch das Urteil vom Regional­gericht wurde gestern in seinen Grundzügen auch in zweiter Instanz bestätigt. «Sie haben sich nach unserer Ansicht aktiv an den verbalen Streitereien und am anschliessenden Raufhandel beteiligt», liess Christine Schaer, Suppleantin am Obergericht, den Beschuldigten wissen. Sie sah es als erwiesen an, dass der Mann zumindest die Hand zum Dreinschlagen erhoben hatte. Ob er auch traf, ist rechtlich laut Schaer nicht massgebend.

Bei der Urteilsbegründung ging Schaer nochmals auf die ­widersprüchlichen Zeugenaussagen ein. Offenbar hatte sich ein Teil der Zuschauer bei den Einvernahmen eher in der Rolle der Parteivertreter gesehen. Zwei ­Familienclans trafen aufeinander: auf der einen Seite Serben aus Montenegro, auf der anderen Seite Albaner aus Mazedonien.

Als erwiesen gilt, dass der herbeieilende Hauswart zuerst zu einem Schlag gegen den Serben ansetzte, der später ins Spital musste. Dann kam es, wie es nicht hätte kommen dürfen. Als die vier beteiligten Streithähne voneinander liessen, fuhr der 37-jährige Serbe verbal übles Geschütz auf. Er liess sich zu Sprüchen über ethnische Säuberungen im Krieg hinreissen.

Das Obergericht beurteilte dies als Tatbestand der Rassendiskriminierung. Der Verteidiger hatte zuvor geltend gemacht, dass man nicht von einer Äusserung im öffentlichen Raum ausgehen könne. Der Mann habe dies nur ihm bekannten Personen gesagt. Dem sei nicht so, konterte Schaer in der Urteilsbegründung. Der Beschuldigte habe nicht gewusst, wer mithört.

Leichte Reduktion

Bei der Strafzumessung blieb das Obergericht leicht unter dem erstinstanzlichen Urteil. Es sah den Serben nicht als Auslöser des Raufhandels, sondern als Mitverantwortlichen. Zudem müsse bei der Rassendiskriminierung der Kontext berücksichtigt werden. Statt einer Geldstrafe von 64 Tagesansätzen zu 60 Franken wurde nun eine Geldstrafe von 40 Tagesansätzen zu 70 Franken ausgesprochen, dies bei einer Probezeit von zwei Jahren. Dazu kommen eine Verbindungsbusse von 700 Franken sowie Verfahrenskosten von über 12 000 Franken.

Die drei anderen am Raufhandel beteiligten Männer haben ­ihre Bussen bereits vor längerer Zeit akzeptiert.

Berner Zeitung

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