Langnau

Doch keine Begegnungszone in Langnau

LangnauDer Langnauer Gemeinderat hat den Verkehrsrichtplan überarbeitet. Er verzichtet auf die umstrittene Flanierzone im Dorfzentrum und will auch sonst das Tempo nicht so stark drosseln wie zuerst geplant.

In der engen Passage sollen die Autos künftig nur noch Richtung Viehmarktplatz fahren dürfen. Aber die Begegnungszone ist kein Thema mehr.

In der engen Passage sollen die Autos künftig nur noch Richtung Viehmarktplatz fahren dürfen. Aber die Begegnungszone ist kein Thema mehr. Bild: Andreas Marbot

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Es ging nicht so schnell, wie Bernhard Gerber sich das vorgestellt hatte. Als er im Februar 2015 den Verkehrsrichtplan präsentierte, hoffte er auf eine Inkraftsetzung Ende Jahr. Doch dann wurde der SVP-Gemeinderat überrascht von der grossen Zahl der Stellungnahmen, die während der öffentlichen Mitwirkung eingingen. 166 Eingaben mussten berücksichtigt werden, was für eine Verzögerung sorgte.

Der Gemeinderat gibt nach

Auch stiessen die Ideen des Gemeinderats zum Teil auf starken Widerstand. Insbesondere Ladeninhaber und Gewerbetreibende wollten nichts wissen von einer Begegnungszone im Dorfkern. Jetzt präsentiert der Gemeinderat den überarbeiteten Verkehrsrichtplan, der aktuell vom Kanton geprüft wird. Und darin gibt er sich damit zufrieden, die bestehende Begegnungszone am Bahnhof bis zum Hotel Emmental zu verlängern. Im Dorfkern verzichtet er darauf.

Auch den Perimeter für die Gebiete, in denen künftig statt 50 nur noch Tempo 30 gelten soll, hat er reduziert. So soll sich im unteren Teil der Bernstrasse (bis zur Bahnüberführung) am heutigen Regime nichts ändern. Das Gleiche gilt für die Gerbestrasse sowie für die Fansrütistrasse oberhalb der Abzweigungen Lindenstrasse/Haldenstrasse.

Das Einbahnsystem bleibt

Kritisiert wurde während der Mitwirkung auch die Idee, den Verkehr im innersten Dorfkern nur noch in einer Richtung fahren zu lassen. Jedoch der Engpass beim Schuhmarkt und beim ­Blumenladen an der Viehmarktstrasse wurde ebenfalls bemängelt. Der Gemeinderat hält deshalb am geplanten Einbahnsystem fest. Künftig sollen die Autos vom Hirschenplatz her Richtung Viehmarkt fahren und das Zen­trum via Kirchgasse und Marktstrasse wieder verlassen.

Auf wenig Gegenliebe stiess die Idee, unterhalb der Lindenstrasse entlang der Kniematte zur Napfstrasse hin eine neue Entlastungsstrasse zu bauen. Darauf verzichtet der überarbeitete Plan nun. «Gegebenenfalls könnte die bestehende Lindenstrasse in eine Einbahnstrasse ausgebaut werden», schreibt der Gemeinderat.

Keine Veränderungen erfuhr das Werk in Bezug auf die Einführung von Begegnungszonen in den Gebieten Bäraugässli, Moos und Kehr. Neu ist zudem eine solche Zone, in der Tempo 20 gilt, am Lenggenweg vorgesehen.

Noch in dieser Legislatur

Noch dieses Jahr möchte der Gemeinderat den alten Verkehrsrichtplan, der seit 1997 in Kraft ist, ersetzen. «Langnau hat sich in den letzten 20 Jahren stark entwickelt», gibt Gemeindepräsident Bernhard Antener (SP) im aktuellen Mitteilungsblatt der Gemeinde zu bedenken. Neue Wohnquartiere seien entstanden, und die Einkaufszentren hätten ihre Standorte verschoben. «Zusammen mit der allgemein grösseren Mobilität hat dies Auswirkungen auf den Verkehrsablauf und -fluss.» Dem trage der neue Richtplan Rechnung, schreibt der Gemeindepräsident.

In einem halben Jahr gibt er sein Amt ab, nach den Wahlen wird ein neu zusammengesetztes Gremium die Geschicke der Gemeinde leiten. Mit dem Verkehrsrichtplan will ihm der alte Gemeinderat einen Leitfaden zurücklassen, der für die Behörden verbindlich sein wird. «Er zeigt auf, wie die Gemeinde die Verkehrsfragen in den nächsten 15 Jahren angehen und aufeinander abstimmen will», steht in der Gemeinde-Info.

«Ein gangbarer Weg»

Doch erst in den einzelnen Baubewilligungsverfahren wird sich zeigen, ob die vorgeschlagenen Massnahmen umgesetzt werden können. Unliebsame Vorhaben werden mit Einsprachen bekämpft werden können. Einige Vorhaben werden auch Kreditbeschlüsse durch den Gemeinderat oder das Parlament nötig machen. Bernhard Gerber mag deshalb ob der Zugeständnisse, die der Gemeinderat gemacht hat, nicht von einer Niederlage sprechen. Vielmehr ist er überzeugt: «Was wir jetzt vorlegen, ist ein ­guter Kompromiss, der auch umsetzbar sein könnte.» Einsprachen werde es ohnehin geben. «Aber jetzt sind wir näher an einem gangbaren Weg als im ersten Entwurf.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 07.06.2017, 06:20 Uhr

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