Lyssach

Disco-Betreiber darf aufdrehen

LyssachDas Regierungsstatthalteramt hat entschieden: Der Betreiber der Disco Palma in Lyssach kann die Musik lauter stellen. Das Wummern, das die Nachbarn am Einschlafen hindert, kommt nicht vom Tanzlokal. Woher dann, ist nicht geklärt.

In der Disco Palma an der Shoppingmeile sind künftig bis zu 100 Dezibel erlaubt: Das Regierungsstatthalteramt hat das Gesuch bewilligt.

In der Disco Palma an der Shoppingmeile sind künftig bis zu 100 Dezibel erlaubt: Das Regierungsstatthalteramt hat das Gesuch bewilligt. Bild: Thomas Peter

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Während die einen am Wochenende feiern, werden die anderen ihres Schlafes beraubt. So jedenfalls scheint es im Fall der Folkoteka Palma an der Shoppingmeile in Lyssach und der Bewohner des in der Nähe gelegenen Wohnquartiers Ringstrasse zu sein. Einige fühlen sich offenbar von nächtlichen Bassgeräuschen, die bis zu ihnen dringen, gestört. Auf der Gemeindeverwaltung wurden immer wieder Reklamationen diesbezüglich deponiert.

So war es denn auch kaum verwunderlich, dass die Idee von Discobetreiber Zeljko Pajic, den ihm erlaubten Grenzwert des Musikschallpegels nach oben zu schrauben, im erwähnten Wohnviertel nicht eben Partystimmung auslöste. Pajic reichte im Sommer letzten Jahres ein entsprechendes Gesuch zur Erhöhung von 96 auf 100 Dezibel ein.

Dagegen erwuchs Widerstand: 17 Einsprachen gingen ein. Wobei die meisten in identischem Wortlaut abgefasst waren, was einer Sammeleinsprache gleichkommt. Die genervten indirekten Nachbarn befürchteten, dass sich das Wummern intensiviere, wenn die Musik noch lauter gespielt würde.

Die Disco ist es nicht

Jetzt hat das Regierungsstatthalteramt einen Entscheid gefällt: Es hat die Einsprachen abgewiesen und erlaubt damit das Aufdrehen der Boxen. Dies bestätigte Max Gerber, Abteilungsleiter Bauwesen beim Statthalteramt, auf Anfrage. Er verweist auf ein Gutachten der Lärmfachstelle der Kantonspolizei. Dieses habe ergeben, dass das Wummern, das die Bewohner im Ringstrassequartier anscheinend wach hält, nicht von der Disco Palma herrührt.

«Sie wurde mit Sicherheit als Quelle ausgeschlossen», sagt Gerber. «Deshalb stellte für uns auch die Dezibelerhöhung kein Problem dar.» Wo der Ursprung des Lärms aber sonst liegt, ist unklar. Gerber gibt zu, dass es «unbefriedigend» sei, nichts Definitives herausgefunden zu haben. «Die Suche, woher diese Geräusche kommen, war nicht Bestandteil des vorliegenden Baubewilligungsverfahrens.»

Vielmehr müsse die Lärmfachstelle der Polizei der Sache nachgehen, erklärt er. Die Anwohner seien aber aufgefordert, sich bei Wahrnehmung von übermässigen Bum-bum-Geräuschen zu melden, sodass die Spezialisten «die Quelle des unangenehmen Lärms» finden könnten.

Mit Zähneknirschen

Der Entscheid des Regierungsstatthalteramtes ist rechtskräftig, denn bei der kantonalen Baudirektion sind keine Beschwerden dagegen eingereicht worden, wie es dort heisst. Sie wäre die nächsthöhere Instanz gewesen.

Auch die Gemeinde, die einen negativen Fachbericht zuhanden des Statthalteramts verfasst ­hatte, hat auf einen Weiterzug verzichtet. «Die Bau- und Umweltkommission hat den Entscheid – wenn auch mit mässiger Begeisterung – akzeptiert», sagt Gemeindeschreiber Stefan Flückiger. «Sie hat immer gesagt, selbst wenn das Statthalteramt entgegen der Empfehlung die Bewilligung erteilt, hören wir auf. Danach ist es Sache von Privaten.»

Die Kommission hatte sich seinerzeit hinter die Einsprechenden gestellt, um «die Bürger zu schützen», wie der Gemeindeschreiber weiter sagt. Die Bassgeräusche könnten einem nachts, wenn man in aller Stille im Bett liege, schon sehr laut vorkommen. Flückiger hatte damals darauf hingewiesen, dass eine Erhöhung um 4 Dezibel bei dieser Lautstärke quasi eine Verdoppelung des Lärms bedeute.

Wegen der Livebands

Des einen Leid ist des anderen Freud. Zeljko Pajic, der die Disco Palma seit gut siebzehn Jahren betreibt, kann aufatmen. Er hält sogleich fest: «Ich habe etwas ganz Normales gesucht, nichts, was ausserhalb des Gesetzes wäre.» Er habe niemanden ärgern wollen. Den Dezibelgrenzwert will der Betreiber erhöhen, um auf der sicheren Seite zu sein: An den Samstagen, wenn Bands Konzerte geben würden, sei es oft schwierig, die Grenze von 96 Dezibel genau einzuhalten, sagt Pajic.

Er wolle «spatzig» haben, wenn die Lautstärke plötzlich höher ausfalle, und nicht gleich mit einer Busse rechnen müssen. «Aber die Bands werden nicht unbedingt mit 100 Dezibel spielen.» Und an den Freitagen, wenn vor allem DJs auflegen, werde es kaum so laut sein, versichert er. In der Folkoteka wird vor allem Balkanmusik gespielt.

Pajic ist überzeugt: Die nahe Autobahn höre man im Ringstrassequartier stark, von der Musik aus seiner Disco aber «keinen Mucks». (Berner Zeitung)

Erstellt: 08.02.2018, 17:43 Uhr

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