Die Zukunft liegt in der Luft

Emmental

In Burgdorf testet die Swisscom das neue 5G-Mobilfunknetz, und ein Glasfasernetz wird soeben ausgebaut. Doch was tut sich im restlichen Emmental in Sachen Internet?

In Burgdorf wird das neue 5G Mobilfunknetz getestet.

In Burgdorf wird das neue 5G Mobilfunknetz getestet.

(Bild: Keystone)

Glasfaser, Koaxialkabel oder Kupferdrähte – den Durchblick in diesem Kabelsalat zu behalten, ist eine schwere Aufgabe. Einfacher wird es in den kommenden Jahren kaum werden, denn mit dem neuen 5G-Netz wird eine zusätzliche Option für schnellen Internetzugriff auf den Markt kommen. Gerade für einige Emmentaler Gemeinden könnte dies den lang ersehnten Wunsch nach schnellem Internet erfüllen, auch ausserhalb der Zentren.

Bis 2021 in jeder Ortschaft

Die Swisscom, als mehrheitlich vom Bund besessene Telecom­firma, baut in der Schweiz das Kommunikationsnetz aus, das für alle Telecomunternehmen nutzbar sein wird. Sie wird in Kürze in Burgdorf das Glasfasernetz fertigstellen und dabei die bestehenden Kupfernetze der Liegenschaften an dieses anschliessen. Gleich weit wie Burgdorf sind diesbezüglich vier weitere Gemeinden: In Ausbau sind die Netze in Mötschwil, Rüti bei Lyssach, Oberburg und Heimiswil. In sechzehn Kommunen sind die neuen Kabel bereits verlegt.

In den restlichen Ortschaften soll, laut Swisscom, bis spätestens 2021 das Netz ausgebaut und 90 Prozent der Bevölkerung daran angeschlossen sein. Das heisst aber nicht, dass jedes Haus gleich schnell Daten herunter­laden kann. Die Kabel werden unter dem Boden verlegt, und unter wie vielen Strassen neue Kabel gezogen werden, ist in jeder Gemeinde unterschiedlich. Von den Glasfaserkabeln werden die Signale über die alten Kupferkabel weitergeleitet. Hierbei gilt: Je näher das Glasfaserkabel an das Endgerät kommt, desto schneller wird das Internet sein.

Booster soll helfen

Zu den zehn Prozent der Bevölkerung, die nicht mit der Glasfaser-Mindest-Downloadgeschwindigkeit versorgt werden, gehören hauptsächlich abgelegen wohnende Personen. Diese prozentualen Angaben der Swisscom sind aber mit Vorsicht zu geniessen, weisen die meisten Dörfer doch unterschiedliche Bevölkerungsdichten auf. Ob es nun mehr oder weniger als diese zehn Prozent sind, hängt wahrscheinlich von der Zerstreuung der Wohnungen ab.

Je näher das Glas­faserkabel an das Endgerät kommt, desto schneller wird das Internet sein.

Trotzdem gibt es auch für sie eine Lösung: Mithilfe eines so­genannten Internetboosters kann das Festnetzinternet verschnellert werden. Dieser zapft das 4G-Mobilfunknetz an und sendet Daten von dort an das Modem im Haus. Mobilfunk und Festnetz kombiniert können dann eine Downloadgeschwindigkeit von maximal 100 Megabits pro Sekunde erreichen. Für Haushalte, deren Datentransfergeschwindigkeit unterhalb der 40er-Marke liegt, steht dieser Booster zur Verfügung. Mit dem 5G-Netz würden sich sogar Türen zu neuen Geschwindigkeiten öffnen, ob über den Booster oder einfach via Hotspot vom Mobiltelefon.

Nicht alles Gold, was glänzt

Das 5G-Netz sei aber keine Alternative zum Festnetz, lässt die Swisscom verlauten, sondern eine Ergänzung. Denn das Mobilfunknetz sei ein geteiltes Medium, wobei einer unbeschränkten Anzahl Nutzern eine beschränkte Menge an Daten übertragen werden kann. Anders ist dies bei Festnetzanschlüssen. Hier steht jedem Nutzer das für ihn maximal verfügbare Datenvolumen zur Verfügung. Gerade für private Haushalte, die abge­legen liegen, kann es sich mit der neuen 5G-Technologie dennoch lohnen, auf einen Festnetzanschluss zu verzichten.

Aber Innovationen werden oft auch kritisch hinterfragt. Ein Gremium von Wissenschaftlern rund um Professor Lennart Hardell vom Universitätsspital im schwedischen Örebrö hat einen elfseitigen Appell verfasst, in dem vor möglichen Gefahren des neuen Netzes gewarnt wird. Sie verlangen ein Moratorium, bis das Thema gründlich und von unabhängigen Forschern bearbeitet worden ist.

Diese Sorge teilt auch die SP-Fraktion in Burgdorf. Sie möchte vom Gemeinderat über mögliche Gesundheitsrisiken sowie die Rechtslage dieses Tests aufgeklärt werden. Andrea Lüthi und zehn Mitunterzeichnende verlangen eine sofortige Behandlung dieser Interpellation.

Langenthaler Tagblatt

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