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Die Tochter will die Methoden des Vaters weiterführen

Seit 35 Jahren betreibt der 70-jährige Ueli Affolter im Weier eine Hausarztpraxis mit Schwerpunkt manuelle ­Medizin. Nun übernimmt die ­39-jährige Simone Affolter die Verantwortung für die Gemeinschaftspraxis.

Hausärztin Simone Affolter tritt in die Fussstapfen ihres Vaters Ueli.
Hausärztin Simone Affolter tritt in die Fussstapfen ihres Vaters Ueli.
Thomas Peter

Landauf, landab bekunden altgediente Hausärzte Schwierigkeiten mit der Nachfolgeregelung für ihre Praxen. Auch Ueli Affolter im Weier in Affoltern ist schon 70-jährig und führt seit nunmehr 35 Jahren in diesem beschaulichen Dorf eine Hausarztpraxis. Er hat nun aber eine Lösung ­gefunden: Anfang September übergibt der gebürtige Tösstaler die vor fünf Jahren renovierte Praxis seiner Tochter Simone.

Zusammen mit zwei Teilzeit arbeitenden Ärztinnen, drei medizinischen Praxisassistentinnen und einer Lernenden wird sie den Betrieb weiterführen. Das unternehmerische Risiko allerdings, erklärt die Jungärztin, trage sie allein. Ein Faktor, der die meisten jungen Ärzte heute davon abhält, eine Grundversorgerpraxis zu übernehmen.

Auf dem zweiten Bildungsweg

Die familieninterne Nachfolgeregelung ist für Simones Vater ein wahrer Glücksfall. Wusste Ueli Affolter doch noch vor ein paar Jahren keinesfalls, ob seine Tochter interessiert ist, in die väterlichen Fussstapfen zu treten. «Ich habe mich ohne Druck dafür entschieden», sagt die ­39-Jährige lächelnd. Zeit dafür hat sie genug gehabt, hat sie doch erst auf dem zweiten Bildungsweg eine medizinische Laufbahn eingeschlagen.

Zuvor hat sie, nach einem ­abgebrochenen Wirtschaftsstudium studienbegleitend, zehn Jahre im Bankgeschäft gearbeitet. «Mit dem Medizinstudium habe ich 2003 begonnen», erinnert sich die Ärztin. Daneben war sie in einer Show-Tanzgruppe und als ausgebildete Fitnessbetreuerin tätig.

Patienten von Ärztekollegen

Bei diesen sportlichen Vorlieben verwundert es kaum, dass Simone Affolter dieselbe Affinität hat wie ihr Vater, inklusive zusätzlicher Ausbildung in manueller Medizin. Zurzeit ist sie in diesem Bereich in der Weiterbildung zur Dozentin. Auch hier gibt es Parallelen zu ihrem Vater, der über viele Jahre als Dozent auf diesem Fachgebiet tätig war.

Die manuelle Medizin, in welcher der Rücken und die Gelenke im Zusammenspiel mit den Muskeln im Fokus der Behandlung stehen, sei seit den Praxisanfängen in seiner Arbeit als Grundversorger immer prioritär gewesen, sagt Ueli Affolter.

Mittlerweile ist die Hausarztpraxis im Weier, gerade wegen diesem Angebot, weitherum bekannt. «Inzwischen haben wir Patientinnen und Patienten auch aus angrenzenden Kantonen, und die umliegenden Hausärztekollegen überweisen uns ihre Patienten bei Funktionsstörungen am Bewegungsapparat», sagt der in Kürze pensionierte Arzt erfreut. Sämtliche angestellten Ärztinnen seien ebenfalls auf diesem Gebiet, das sich einer grossen Nachfrage erfreue, ausgebildet.

Erfolgsmodell Gruppenpraxis

Ueli Affolter, der sich künftig nur noch administrativen Dingen widmen und bei Bedarf beratend tätig sein wird, spricht sich grundsätzlich lobend über das Modell der Gruppenpraxis aus. Noch bis vor acht Jahren hat er ­allein praktiziert. Aber schon früh gab er Medizinstudentinnen und später auch Assistenzärztinnen die Gelegenheit, das Handwerk des Grundversorgers kennen zu lernen.

Als Folge dieses Einsatzes stiessen in den letzten Jahren weitere Ärzte zum Team. In einer Gruppe könne man sich austauschen und ergänzen und die Öffnungszeiten optimieren. Leider täten sich ältere Hausärzte teils immer noch schwer, mit Jungen an ihrer Seite zu arbeiten.

Rückblickend erinnert er sich an Situationen, in welchen Patienten bei geschlossenen Praxistüren rund ums Haus liefen, um ihren Arzt zu erreichen. Auch hat der Wahlemmentaler über Jahre bei Wind und Wetter Hausbesuche in abgelegenen Gebieten des Emmentals gemacht. Entlastung in seine langen Arbeitstage brachten später die Notfallregelungen mit den Spitälern.

Heute ist er froh, dass er seine Praxis auf eine Neuregelung vorbereitet und seine Patienten informiert hat. Mit dem Resultat, dass diese plötzlich bei den «neuen» Hausärztinnen einen Termin wollten. Überhaupt sei der heutige Trend in Sachen Hausärzte weiblich, im Anstellungsverhältnis sowie Teilzeit arbeitend in Gruppen, ergänzt Ueli Affolter. Dies erstaunt kaum, sind es heute doch knapp siebzig Prozent Frauen, die Medizin studieren.

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