Die Tigers haben ihre Schuld getilgt

Langnau

Drei Jahre vor Ablauf der vereinbarten Frist hat die SCL Tigers AG der Gemeinde ihr Darlehen restlos zurückbezahlt. Jetzt konkretisiert der Klub seine Pläne für ein zweites Eisfeld.

Zuunterst Autos, darüber vielleicht ab und zu Kühe, dann ein Eisfeld für Trainings und zuoberst eine Aufwärmhalle. So die aktuellen Pläne.

Zuunterst Autos, darüber vielleicht ab und zu Kühe, dann ein Eisfeld für Trainings und zuoberst eine Aufwärmhalle. So die aktuellen Pläne.

(Bild: zvg/peter.mueller)

«Das ist ein starkes Zeichen», sagte Bernhard Antener. Mit diesen Worten bedankte sich der Langnauer Gemeindepräsident nach der Generalversammlung der SCL Tigers AG für 320 000 Franken, die in den letzten Tagen in die Gemeindekasse geflossen sind.

Dabei handelte es sich um den Rest des Darlehens von ursprünglich 800 000 Franken, das die Gemeinde dem Eishockeyklub 2009 gewährt hatte. Die Tigers hätten noch drei weitere Jahre Zeit gehabt, den Rest von 320 000 Franken in Tranchen zurückzuzahlen.

Die Last des «Sündenfalls»

Antener selbst hatte das Geschäft damals als «ordnungspolitischen Sündenfall» bezeichnet. Es werde das «heikelste» bleiben, das der Gemeinderat unter seiner Führung dem Parlament je be­antragt habe, sagte er gegenüber dieser Zeitung.

Tigers-Verwaltungsratspräsident Peter Jakob erinnerte die Aktionäre denn auch an die gewaltige Kritik, der sich Antener aussetzte, als er sich dafür starkmachte, den vor dem Abgrund stehenden SCL Tigers mit einem zinslosen Gemeindedarlehen unter die Arme zu greifen. «Nur die ganz Einfältigen und Dummen glauben, dass ein maroder Sportklub auch nur einen Franken zurückbezahlen wird», habe es damals im Dorf geheissen.

Ihm selber, erzählte Jakob weiter, wäre es damals auch fast lieber gewesen, das Parlament hätte das Darlehen abgelehnt. Denn sein Ja war an die Erwartung gebunden, dass Jakob im Klub das Zepter übernehmen würde. «Wären wir in Konkurs gegangen, wäre ich derjenige gewesen, der die Tigers versenkt und 800 000 Franken Steuergelder verprasst hätte.»

Jakobs Risiko war gross, doch weil sich Antener «derart hineingekniet hatte», habe er nicht mehr kneifen können. «Für mich war das mehr als ein Darlehen», sagte Peter Jakob vor den Aktionären.

Ein Zeichen für die Sporthalle

Nun verfüge der Klub wieder über eine «flotte Liquidität» (siehe auch Kasten) und sei zu einem «seriös geführten KMU im Bereich Sport avanciert», freute sich Jakob. Es muss für den Verwaltungsratspräsidenten Genugtuung und Ehrensache gleichzeitig gewesen sein, als die Tigers ihre Restschuld bei der Gemeinde auf einen Schlag und drei Jahre früher als vereinbart zurückzahlen konnten.

Jakob veranlasste dies auch aus Dankbarkeit gegenüber Bernhard Antener: «Weil er nächstes Jahr das Gemeinde­präsidium abgibt, wollte ich diese Altlast noch vorher ans Trockene bringen.» Zudem könne die vorzeitige Überweisung auch als Zeichen dafür gesehen werden, dass die SCL Tigers den Bau einer Dreifachturnhalle im Oberfeld unterstützen.

Zum nächsten Kraftakt

Trotz des wirtschaftlichen Erfolgs sind die Verantwortlichen der SCL Tigers AG weit davon entfernt, es künftig ruhiger anzugehen. Vielmehr planen sie bereits die nächste grössere Investition: Die Idee, neben dem Ilfis­stadion, wo heute die Markthalle steht, dereinst ein zweites Eisfeld zu bauen, nimmt immer konkretere Formen an.

Die Pläne, die Jakob zeigte, sehen vor, die Markthalle abzureissen, im Boden eine Tiefgarage für rund fünfzig Autos zu bauen, den ganzen Platz auf 1800 Quadratmetern zu überdachen und darüber im Hochparterre ein Eisfeld und eine Tribüne mit 300 bis 400 Plätzen einzurichten. Im oberen Stockwerk ist eine Aufwärmhalle vorgesehen.

Zudem soll von dort aus eine hängende, ins Ilfisstadion ragende Tribüne mit 220 Plätzen gebaut werden, die ein zusätzliches Catering­angebot erschliessen wird. – «Für Leute, die Annehmlichkeiten wie in der Jakob-Galerie wünschen», sagte Jakob. Denn für solche Plätze existiere eine Warteliste.

Mit oder ohne Bauern

Bei dieser Lösung könnten die Tiere des Verbands Markthalle Langnau weiterhin auf dem – künftig ganz überdachten – Platz aufgeführt werden. «Aber die Bauern sind nicht ganz sicher, ob der Standort für sie wegen der Parkplatzsituation in Langnau noch ideal ist», sagte Jakob. Sie prüfen Alternativen.

Ohne ein Eisfeld, das während des ganzen Jahres betrieben werden könne, und ein zweites für die Junioren werde ein Eishockeyklub bis in zehn Jahren nicht mehr Nationalliga-A-tauglich sein, zeigte sich Jakob überzeugt.

Doch ob sich die Pläne realisieren liessen, hänge von den Kosten ab, die bis Ende Jahr detailliert erhoben würden. Sicher sei: «In den nächsten drei Jahren müssen wir jeweils etwas in den Sparstrumpf stecken, sonst geht es nicht.»

Der Klub wird sich also nicht jeden Ausländer leisten können. «Wenn wir schlecht spielen, wird es Kritik geben», ist sich Jakob bewusst.

«Die Euphorie hält an»

Doch Ziel des Verwaltungsrates sei es, «Gästen und Sponsoren mit attraktiven Spielen Freude zu bereiten». Davon gehen die Hockeyliebhaber offenbar aus: Die Aboverkäufe hätten sich jedenfalls positiv entwickelt, sagte Geschäftsführer Peter Müller. Mit über 4600 seien aktuell bereits mehr Saisonabos verkauft als zur gleichen Zeit im Vorjahr. «Die Euphorie scheint anzuhalten», stellte er fest.

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