«Die Teile lagen verstreut herum»

Trubschachen/Signau

Den 7. August 1946 wird Hans Dubach nie mehr vergessen. An diesem Tag stürzte unweit seines Schulhauses in Trubschachen ein Militärflugzeug ab. Zwei Piloten kamen ums Leben.

Er sei immer schon ein «Flüügersturm» gewesen, sagt Hans Dubach. Doch er genoss die Flugzeuge lieber vom sicheren Boden aus.

Er sei immer schon ein «Flüügersturm» gewesen, sagt Hans Dubach. Doch er genoss die Flugzeuge lieber vom sicheren Boden aus.

(Bild: Daniel Fuchs)

Hans Dubach war in der siebten Klasse. Er besuchte die Oberstufe im heute längst stillgelegten Schulhaus Ortbach auf der linken Seite der Ilfis. Es war nach der Znünipause, als ein Achtklässler ins Schulzimmer gerannt kam und aufgeregt erzählte, eben sei auf der Hasenlehnmatte ein Flugzeug abgestürzt. «Warum der in der grossen Pause im Dorf war, weiss ich nicht», sagt Dubach.

Doch der heute 82-Jährige erinnert sich, wie sich das Schulzimmer in Windeseile leerte und die ganze Klasse mitsamt dem Lehrer auf die Ortbachbrücke rannte. «Die Teile lagen verstreut auf der Matte herum, der Motor kullerte etwa 50 Meter weiter Richtung Strasse und blieb dort – noch immer rauchend – liegen.» Hans Dubach wird diesen Anblick nie vergessen.

«Der Motor kullerte etwa 50 Meter weiter Richtung Strasse und blieb dort – noch immer rauchend – liegen.»Hans Dubach

Auch nicht die Namen Ernst Hablützel und Robert Knecht. Die beiden Piloten kamen bei dem Unfall ums Leben. 70 Jahre später wurde zu ihren Ehren am Sonntag beim Bahnhof Trubschachen ein Gedenkstein installiert.

Dubach weiss, warum

Von den Leichen sahen die Ortbach-Schüler seinerzeit nichts. Sie wurden von der Unfallstelle ferngehalten. «Wir durften nicht zu den Flugzeugteilen, obwohl es uns wundergenommen hätte», erzählt Dubach. Zurück im Schulzimmer habe ihnen der Lehrer dann einen Vortrag zur Unfallursache gehalten. «Das waren ­alles bloss Vermutungen, davon stimmte ja die Hälfte nicht», weiss Dubach heute.

«Das Unglück wäre nicht passiert, wenn sich die beiden Piloten an die Vorschriften gehalten hätten.» Stattdessen hätten sie aus Jux ein bisschen über dem Schärlig gekreist, weil sie dort offenbar jemanden gekannt hätten, und seien dann im Tiefflug durchs Tal geflogen. Bloss 23 Meter über dem Boden seien sie in das Drahtseil einer Transportbahn geprallt, die damals vom Bahnhof aus auf Unterbergen hinaufführte.

Schwer beschädigt habe es die Messerschmitt Bf 108 Taifun noch über die Sägerei Rüegsegger geschafft. Doch auf der Hasenlehnmatte stürzte sie ab. «Bei einer so geringen Flughöhe hatten sie natürlich keine Möglichkeit mehr zu reagieren», sagt Dubach, der sich am Stubentisch in seinem Haus in Signau an damals erinnert.

Wenn es rochlete

Er sei immer schon ein «Flüügersturm» gewesen, sagt der pensionierte Chauffeur lachend. Hans Dubach ist als Sohn einer Bauernfamilie auf dem Blapbach, gleich neben dem Restaurant, aufgewachsen. Und er erzählt, wie er sich jeweils gefreut habe, wenn man es von weit her «rumpeln und röcheln» hörte und dann die Tante Ju aufgetaucht sei.

Oder wenn Militärflugzeuge von Eggiwil her über die Egg geflogen kamen, sich über dem Krümpelgraben fallen liessen, um gleich wieder hochzusteigen. «Uhh, das het mir aube gfaue!» Aber der Mutter nicht: «Können die nicht ein bisschen langsamer fahren!», habe sie jeweils geschimpft. Als Erwachsener wollte der «Flüügersturm» selber einmal mitfliegen.

«Das war an einem Sonntag. Mir war noch am Mittwoch schlecht.»Hans Dubach

An einem Flugtag bestieg er eine Pilatus Porter. Doch gefallen hat es ihm nicht. Nach einer Viertelstunde habe er den Papiersack benutzen müssen. «Das war an einem Sonntag. Mir war noch am Mittwoch schlecht», sagt Dubach. Unnötig zu fragen, ob er je wieder einen Fuss in ein Flugzeug gesetzt hat. Aber die Faszination für die Fliegerei ist geblieben.

Ein Schluck Benzin

Eigentlich hätte Hans Dubach ja Bauer werden sollen. Aber er habe sich weder für «das Rösselen» seines Vaters noch die Viehzucht seines Onkels erwärmen können. Sein Interesse galt den Motoren – immer schon.

Als kleiner Junge habe er einmal einen Schluck Benzin erwischt, erzählt er lachend. Vielleicht habe er deshalb so ganz andere Interessen entwickelt als sein Vater. Dieser habe jedenfalls einmal zu ihm gesagt: «Du wärst sicher kein solcher Motorensturm, wenn du nicht seinerzeit Benzin gesoffen ­hättest.»

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