Röthenbach

Die stillen Helden an der Bande

RöthenbachDrei ambitionierte Teenager, die alle drei bei verschiedenen Vereinen Eishockey spielen: für das Elternpaar Gabi und David Maurer ein aufwendiges Hobby. Sie switchen zwischen Fahrdienst und Waschküche.

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In diesen Tagen schaut die ganze Schweiz nach Südkorea und bejubelt die Sportlerinnen und Sportler, die für ihr Heimatland eine Medaille ergattern. Der Weg bis zur Olympiateilnahme ist lang für die Athletinnen und Athleten und mit viel Schweiss verbunden. Aber auch das Umfeld muss einiges leisten, damit ein Kind sein sportliches Talent entwickeln kann. Insbesondere die Eltern.

Davon kann zum Beispiel ein Röthenbacher Ehepaar ein Lied singen. «Als die Kinder noch kleiner waren, fuhr ich sie täglich zur Eisbahn in Oberlangenegg und retour», sagt Gabi Maurer. Ihre beiden Töchter und auch der zwölfjährige Sohn spielen seit dem Kindergarten oder noch länger Eishockey. Die 16-jährige Saskia ist mittlerweile Goalie in der U-18-Nationalmannschaft.

Ein Flyer zum Anfang

Weder Mutter noch Vater David Maurer hatten früher viel mit diesem Sport am Hut. «Domenica kam einmal mit einem Flyer der Hockeyschule nach Hause», erinnert sich Gabi Maurer. Woraufhin die beiden Schwestern den Sport kennen und lieben lernten. «Wir freuen uns, dass sie diesen Weg eingeschlagen haben.»

«Als die Kinder noch kleiner waren, fuhr ich sie täglich zur Eisbahn in Oberlangenegg und retour.»Gabi Maurer

Dazu gehört aber auch, dass die Eltern manchmal auf die Bremse treten müssen, denn nur selten gibt es Abende, an denen die Familie vollzählig am Esstisch sitzt. «Die Trainer mussten Saskia an einem Tag pro Woche ein Eisfeldverbot erteilen, damit sie zur Ruhe kommen kann», sagt Vater David Maurer.

Taxi Mama

Schon von Beginn an spielten die Schwestern und später auch der Bruder altersbedingt in unterschiedlichen Kategorien, was auch unterschiedliche Trainingszeiten bedeutete – und für die Mutter noch mehr Fahrdienst. «Erst mit etwa 9 Jahren kann sich ein Kind selbst die Schlittschuhe binden», sagt die heute 46-Jährige. So verbrachte Gabi Maurer täglich mehrere Stunden an der Eisbahn in Oberlangenegg.

«Heute ist das zum Glück etwas einfacher.» Denn die 18-jährige Domenica organisiere sich nun oft selbst eine Mitfahrgelegenheit für ihre Trainings in Hasle und reise mit dem öffentlichen Verkehr an ihre Schiedsrichtereinsätze. «Wir holen sie aber immer noch rund zweimal pro Woche in Hasle oder Huttwil vom Training ab», sagt die Mutter.

«Erst mit etwa 9 Jahren kann sich ein Kind selbst die Schlittschuhe binden.»Gabi Maurer

Und auch die meisten Hin- und Rückfahrten für den Sohn, Silvano, nach Langnau oder für Saskia nach Thun oder Wichtrach übernimmt Gabi Maurer. «Den Transport nach Langnau teile ich mir aber mit vier anderen Familien, deren Kinder auch dort trai­nieren.»

Nebst den vielen Fahrten und dem organisatorischen Aufwand bescheren die sportlichen Kinder ihrer Mutter auch im Haushalt Mehrarbeit: «Bei uns läuft die Waschmaschine jede Nacht», sagt Gabi Maurer.

Ein Tag, drei Matchs

Am Wochenende und an den späten Abenden steht dann auch der Vater für Taxifahrten bereit. Der 46-Jährige ist Geschäftsführer der Energie Belp AG und arbeitet Vollzeit. Zudem präsidierte er bis Januar dieses Jahres den Hockeyclub Husky in Oberlangenegg. «Sportchef bin ich immer noch und kümmere mich dabei unter anderem um die Spiel- und Trainingspläne sowie um die Spielerlizenzen», sagt er.

Um ihrem Nachwuchs möglichst gerecht zu werden, teilen sich die Eltern meistens auf und besuchen die Matchs getrennt. «Die Kinder sind nie eifersüchtig auf die Leistungen ihrer Geschwister, aber dass wir nicht bei jedem gleich oft an der Bande ­stehen würden, haben sie uns schon vorgeworfen», sagt David Maurer. «Der Sport kostet uns vor allem Zeit», hält Gabi Maurer fest.

«Dass wir nicht bei jedem gleich oft an der Bande ­stehen würden, haben die Kinder uns schon vorgeworfen.»Gabi Maurer

Doch auch die Mitgliederbeiträge (100 bis 200 Franken pro Kind), der jährliche Sponsorenlauf und die Kosten für die Sportausrüstung könnten andere Familien vom Eishockey abhalten. «Das Ziel des HC Husky ist es, dass sich alle Nachwuchsspieler diesen Sport leisten können», sagt David Maurer.

Deshalb stellt der Club den Jüngeren die Ausrüstung (ohne Stock und Schlittschuhe) zuerst gratis und später für rund 100 bis 300 Franken Miete pro Jahr zur Verfügung. «Erst ab einem gewissen Alter kaufen die Familien eigene Ausrüstungsgegenstände», denn die Kinder wünschen sich bald einmal spezielle Modelle oder Marken, wie sie ihre Vorbilder tragen.

Hockeyfreie Zeit?

Auch die Ferienpläne richten sich nach dem Sport: «Wir fahren selten für typische Familienferien in den Süden», sagt Gabi Maurer. Die Schul- und Sportterminpläne würden das verunmöglichen, und die Kinder verbrächten ihre Zeit sowieso am liebsten auf dem Eisfeld. «Aber wir konnten unsere Kinder schon mehrmals ins Ausland an Hockeycamps oder Spiele begleiten.»

«Erst ab einem gewissen Alter kaufen die Familien eigene Ausrüstungsgegenstände.»David Maurer

So reiste David Maurer im Januar mit Saskia nach Russland an die U-18-Weltmeisterschaft. «Dort war ich natürlich nicht nur in der Eishalle, sondern habe unter anderem Moskau besichtigt.» Und auch für Gabi Maurer waren die Reisen nach Lettland oder Norwegen ein wertvolles Erlebnis: «Das sind vielleicht nicht typische Ferien, aber ich konnte mich trotzdem vollkommen vom Alltag ausklinken.»

Dass ihre Kinder diese Sportart aktiv betreiben, habe ihr Leben bereichert. David Maurer sagt: «Wir hätten sonst niemals so viele interessante Menschen aus der Hockeywelt kennen gelernt.»

(Berner Zeitung)

Erstellt: 12.02.2018, 10:10 Uhr

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