Die schönen Emmentalerinnen

Langnau

Oft wurden Bäuerinnen auf den Tellern der Langnauer Hafner verewigt. Sie entsprechen dem heutigen Schönheitsideal nicht ganz.

Teller mit einer Spinnerin, datiert 1785. Die Herstellung von Leinen- oder Baumwollgarn war ein wichtiger Nebenerwerb.

Teller mit einer Spinnerin, datiert 1785. Die Herstellung von Leinen- oder Baumwollgarn war ein wichtiger Nebenerwerb.

(Bild: Musée Ariana, Genf/Andreas Heege)

In der Werkstatt von Daniel Herrmann (1736–1798) entstanden zahlreiche prachtvoll verzierte Wandteller mit Szenen aus dem Landleben im Emmental. Nach Jeremias Gotthelf gehörte zu einem rechten Bauernhof zwingend auch eine rechte Bäuerin, die weder durch eine Köchin noch durch eine Haushälterin ersetzt werden konnte.

Von Belang war dabei nicht etwa die äussere Erscheinung, sondern die Fähigkeit, zum Rechten zu sehen. Daher herrschten auf einem Hof strenge Gewaltentrennung und Arbeitsteilung: Die Haushaltung mit Mägden, Schweinen, Hühnern, Gärten und Pflanzplätzen unterstand dem Regiment der Bäuerin.

Pfarrer Ris aus Trachselwald schrieb 1762 über die Emmen­talerinnen: «Die Weibspersonen sind gewöhnlich von starker und etwas besetzter Leibesgestalt, solche, die mit stark roten Wangen und fetten Leibs sind, werden unter die vorzüglichen Schönheiten gerechnet.»

Die beiden Teller aus der Werkstatt von Daniel Herrmann zeigen Emmentalerinnen in der für das späte 18. Jahrhundert typischen Kleidung. Bild: BHM und Rittersaalverein Burgdorf. Klicken Sie auf das Bild, um dieses zu vergrössern.

Laut Pfarrer Ris trugen sie Winters wie Sommers einen Strohhut, dazu das Göller, das den Hals bedeckte, ein Brusttuch von Seide oder Samt, ein Hemd, einen nicht gefältelten schwarzen Rock und Schürzen von blauer oder schwarzer Farbe sowie Strümpfe aus Wolle.

Auf die Aufgaben der Bäuerin verweist der Spruch des zweiten Tellers: «Mit dem Rechen tut man walmen, den Segen Gottes in die Schüre sammlen, da kommt der Nutzen hüfig an, mit Fleisch, Milch u: Käs tun mich verstan.»

Die Herstellung von Leinengarn bot vielen Höfen im 18. Jahrhundert ein zusätzliches Einkommen. Tellerspruch: «Der Segen Gottes machet reich, wo Fleiss und Tugend glänzet, drum wurde zu seinem Lob und Preiss die Platte der Anna Boss ge­schenket.»

In loser Folge stellt Andreas Heege Menschen und Gegenstände aus der Geschichte der Langnauer Keramik vor. Mehr lesen? Am 20. September erscheint sein zweibändiges Buch, das er in Zusammenarbeit mit Andreas Kistler verfasst hat.

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