«Die Schaukäsi ist wie ein Kind für mich»

Affoltern

Kurt Nüesch wurde zum neuen Verwaltungsratspräsidenten der Emmentaler Schaukäserei AG gewählt. Er stand dem Gremium bereits von 2002 bis 2013 vor. Er spricht über seine Motivation – und nimmt die Sorten­organisation in die Pflicht.

Kurt Nüesch geht in den «Unruhestand»:?Kurz vor seiner Pensionierung hat er sich (wieder) zum Präsidenten der Schaukäserei wählen lassen.

Kurt Nüesch geht in den «Unruhestand»:?Kurz vor seiner Pensionierung hat er sich (wieder) zum Präsidenten der Schaukäserei wählen lassen.

(Bild: Thomas Peter)

Es kommt selten vor, dass sich ein ehemaliger Verwaltungsratspräsident nochmals ins Amt wählen lässt. Hatten Sie mit Widerstand gegen Ihre Wahl gerechnet?
Kurt Nüesch: Der Schritt ist in der Tat sehr ungewöhnlich. Ich verstehe auch, dass das Fragen hervorruft und Vorbehalte ausgelöst hat. Die Emmentaler Schaukäserei AG (ESK) hatte in der Vergangenheit einige Auseinandersetzungen hier in der Region mit den Milchproduzenten. Diese vertrete ich ja sonst eigentlich als Direktor der Schweizer Milchproduzenten (SMP). Aber ich hoffe, dass man das hinter sich lassen, vorwärtsschauen und die grossen Herausforderungen gemeinsam angehen kann.

Am Ende wurden sie von den Aktionären der ESK jedoch deutlich mit nur einer Gegenstimme gewählt. Weshalb tun Sie sich das überhaupt nochmals an? Geistig und körperlich fühle ich mich noch ziemlich fit (schmunzelt). Doch ich bin nur noch relativ kurze Zeit SMP-Direktor. Danach gehe ich ordentlich in Pension. Eigentlich hätte ich mir nach 39 Jahren ununterbrochener Berufstätigkeit ein «année sabbatique» gewünscht...

...und nun ist es anders ge­kommen.
Durch meine Tätigkeit bei der SMP war ich nie ganz weg von der ESK. Als klar wurde, dass Markus Aebi als Verwaltungsrats­präsident abtritt, machten wir uns auf die Suche nach einem Nachfolger. Viele fühlten sich zwar geehrt, dass sie angefragt wurden, sagten aber dankend ab. Es ist kein einfaches Amt: Man muss sich Zeit nehmen können und über ein gutes Netzwerk verfügen. Da war am Ende die Auswahl ziemlich klein. Durch meine anstehende Pensionierung stand ich dann plötzlich den Fokus.

Eine Herzensangelegenheit?
Ja, die ESK ist auch ein bisschen wie ein Kind für mich. Ich bin hier seit 1984 involviert und habe das Gefühl, dass die Arbeit noch nicht getan und das Werk noch nicht vollendet ist.

Sind Sie enttäuscht von Markus Aebi? Sie standen 11 Jahre an der Spitze der ESK, er gibt nach 3 Jahren auf.
Nein, ich habe Verständnis für ihn. Er wollte hier etwas Grösseres bewegen. Doch dann kam ihm Anfang 2015 der Währungsschock in die Quere. Die Sortenorganisation Emmentaler Switzerland (ES) ist dadurch stark ­gefordert worden. Sie musste grosse Summen in den Markt investieren, um noch grössere Einbussen zu verhindern. Unter diesen Voraussetzungen war es praktisch unmöglich, grosse Beiträge für Investitionen in die Schaukäsi zu beschliessen.

Wäre es nicht an Heinz Wälti gewesen, das Präsidium der ESK zu übernehmen? Schliesslich hat er als Präsident der ES das grösste Interesse am Bestehen der Schaukäsi.
Er hat ja bereits Einsitz im Verwaltungsrat. Momentan vertritt er da einen noch relativ kleinen Aktionär. Aber die ES soll künftig zu einem der drei Hauptträger werden. Ich hingegen sehe meine Rolle eher als die des Unabhängigen, da ich bald nicht mehr bei der SMP sein werde.

Wie hoch sind Ihrer Ansicht nach die Chancen, dass die ES die dringend benötigten Investitionen spricht?
Das wird ein überzeugendes Projekt und noch viel Überzeugungsarbeit brauchen. In der ES sitzen die Milchproduzenten, die Käser und die Händler. Einzelne Käser haben Vorbehalte gegenüber der ESK. Das kommt aus der Vergangenheit. Die ESK war seinerzeit kein Wunschprojekt der Käser. Sie waren schliesslich auch nur am Rande einbezogen. Wir müssen vor allem auch sie überzeugen. Da war es letztes Jahr auch nicht hilfreich, dass aus der Region signalisiert worden ist, dass man die ES eigentlich gar nicht in Affoltern haben möchte. Das war nicht vertrauensbildend.

In den letzten Jahren wurden ein Spielplatz und eine Sportarena gebaut. Aber der Wintergarten fehlt nach wie vor, vom angekündigten grossen Wurf ganz zu schweigen. Wie lange kann die Schaukäsi noch durchhalten?
Ohne grössere Investitionen wird sie nicht mehr viele Jahre funktionieren. Wir müssen jetzt das Projekt «Schaufenster Emmentaler» möglichst bald zur Entscheidungsreife bringen.

Suchen Sie Investoren?
Als Erstes braucht es die Zustimmung durch die ES. Dann schauen wir weiter.

Gibt es für Sie einen Plan B?
Nein, eigentlich nicht. Es wäre höchstens denkbar, dass Emmi und SMP ihre Drittelbeteiligungen verkaufen würden, wenn die ES nicht einsteigt. Nur: Der neue Investor hätte dann eine Zweidrittelmehrheit und könnte über die ESK verfügen. Mein Ziel ist es, das Projekt «Schaufenster Emmentaler» zu realisieren und ein solches Szenario zu ver­hindern.

Die Zukunft der ESK hängt also vom Trio SMP, Emmi und ES ab.
Das ist so. Aber wir werden auch mit weiteren möglichen Geldgebern Gespräche führen. Diese werden aber eher nicht Hauptbeteiligte sein.

Wie gross ist die Gefahr einer Liquidation?
(Lacht) Im Moment denke ich keine Minute an eine Liquidation. Das zeichnet sich auch überhaupt nicht ab. Ich spüre einen grossen Willen, zusammen vorwärtszu­gehen.

Berner Zeitung

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