Zum Hauptinhalt springen

Die Sammlung bleibt im Emmental

Die Werke aus dem Nachlass von Hans Ulrich Schwaar lagern künftig im ehemaligen Militärspital. Die Gemeinde stellt das Depot gratis zur Verfügung.

Ruth Wullschleger ist erleichtert. Innert zweier Monate konnte nicht nur ein neues Lager für Hans Ulrich Schwaars Kunstsammlung gefunden werden, ­sondern es kamen auch gleich neue Ideen auf, was grundsätzlich mit dem Nachlass geschehen soll.
Ruth Wullschleger ist erleichtert. Innert zweier Monate konnte nicht nur ein neues Lager für Hans Ulrich Schwaars Kunstsammlung gefunden werden, ­sondern es kamen auch gleich neue Ideen auf, was grundsätzlich mit dem Nachlass geschehen soll.
Thomas Peter
Rechts neben dem Geräteschuppen führt eine Rampe hinunter in das ­ehemalige Notspital. Dort werden die Bilder künftig eingestellt.
Rechts neben dem Geräteschuppen führt eine Rampe hinunter in das ­ehemalige Notspital. Dort werden die Bilder künftig eingestellt.
Thomas Peter
1 / 2

Letztes Mal hatte Ruth Wullschleger nur schlechte Nachrichten. Jetzt hat sie nur gute. Letztes Mal, das war im Dezember. Da musste Wullschleger mitteilen, dass sich die Hans-Ulrich-Schwaar-Stiftung, deren Vizepräsidentin sie ist, auf 2019 auflösen wird. Es fehlt an Nachfolgern.Und: Sie wusste noch nicht, was mit den Bildern, die seit Jahren im Obergeschoss der Turnhalle Oberfeld lagern, geschehen soll. Die Gemeinde will die alte Sportstätte in eine moderne Anlage umwandeln. Für die Bilder hat es dann keinen Platz mehr.

Überblick verschaffen

Jetzt, zwei Monate später, sieht alles anders aus. Denn inzwischen haben sich neue Räume aufgetan. Solche, die gleich alle Probleme lösen und zu weiteren guten Nachrichten führen: im Untergeschoss der Turnhalle des Sekundarschulhauses. Dort befindet sich ein altes Militärnotspital, das die Gemeinde kürzlich dem Bund abgekauft hat und in dem sie nun einen Raum der Stiftung kostenlos zur Verfügung stellt.

Dort unten hat es eben Platz genug, dass auch die anderen Depots in Biel, Payerne, Herzogenbuchsee aufgegeben werden können. Das ist eine Lösung, auf die die Stiftungsräte schon lange gewartet haben. Endlich scheint es möglich, einen Überblick über die rund 2500 Werke zu bekommen, sie auszusortieren und vielleicht noch einmal über die Bücher zu gehen, was die Zukunft der Stiftung angeht. Denn auch in dieser Sache hat sich etwas getan, wie Ruth Wullschleger sagt. Der Stiftungsrat hatte am Samstag eine interessante Sitzung.

Gemeinsam stark

Die Stiftung Hans Ulrich Schwaar ist nicht die einzige solche Organisation in der Region, die zu kämpfen hat. «Nachwuchsprobleme, Geldprobleme, Platzprobleme», sagt Ernst Roth. «Die haben wir auch.» Roth ist der Präsident der gleichnamigen Stiftung aus Burgdorf, die einst sein Vater ins Leben gerufen hat. Alfred G. Roth hat auch bei der Gründung der Hans-Ulrich-Schwaar-Stiftung mitgewirkt. «Ich habe schon früher laut über eine Zusammenarbeit mit der Schwaar-Stiftung nachgedacht», sagt Ernst Roth. Und als dann die Auflösung auf 2019 publik wurde, seien die Gespräche konkreter geworden.

Es ist nicht so, dass die Roth-Stiftung kurz vor dem Ende stehen würde. «Für mindestens ein halbes Dutzend Jahre haben wir noch Luft», erklärt er. Und doch müsse vorausgedacht werden, da im Stiftungsrat der Altersdurchschnitt doch eher hoch und der Nachwuchs auch hier ein Prob­lem sei.

«Die Kunst und das Emmental ­stehen bei beiden Stiftungen im Zentrum.»

Ernst Roth, PräsidentRoth-Stiftung

Ernst Roth war denn auch an der Sitzung vom Samstag zugegen und hat dem Schwaar-Stiftungsrat ausgeführt, wie er sich das vorstellt. «Die beiden Stiftungen haben viele Berührungspunkte», sagt er auf Anfrage. «Die Kunst und das Emmental stehen bei beiden im Zentrum.» Und auch der Grundsatz, Kunst in ländliche Gebiete zu holen und hier zu präsentieren, sei in beiden Stiftungen Teil des offiziellen Zwecks.

Konkret ausgearbeitet ist derweil noch nichts. Grundsätzlich stellt sich Roth aber vor, eng zusammenzuspannen, Synergien, sprich Räumlichkeiten, Personal und Know-how, gemeinsam zu nutzen. «Möglich ist auch, aus zwei schwachen kleinen eine grosse starke Stiftung zu machen und dadurch bedeutender zu werden», sagt Roth und sinniert auch gleich über einen gemeinsamen Namen nach: Emmentaler Kulturstiftung.

Die Qual der Wahl

Noch ist nichts entschieden. Die Schwaar-Stiftung hat derzeit sogar die Qual der Wahl. Denn die Gemeinde Langnau hat nicht nur entschieden, einen Teil des Militärspitals als Lager zur Verfügung zu stellen, sondern sich auch anerboten, Schwaars Nachlass zu verwalten, sollte sich die Stiftung tatsächlich auflösen. Das bestätigt Gemeinderat Niklaus Müller auf Anfrage. «Den Lagerraum ­haben wir zugesichert», sagt er. «Wie es aber weitergehen wird, wissen wir noch nicht.» Zuerst müsse das mit der Roth-Stiftung geklärt sein. «Sollten sich die ­Stiftungen zusammenschliessen, muss diskutiert werden, ob die Gemeinde das Lager noch immer gratis zur Verfügung stellt», so Müller weiter. Grundsätzlich sei die Gemeinde aber daran interessiert, dass der Nachlass erhalten bleibe.

Würde die Stiftung aufgelöst, nähme laut Müller wohl die Kulturkommission die Sammlung unter ihre Fittiche. Sie würde dann angeschaut, aussortiert und wohl katalogisiert werden. Ausstellungen im Heimatmuseum Chüechlihuus sollte es so auch weiterhin geben. «Soweit die ­Gemeinde Kapazität hat», sagt Müller. «Wir werden aber den ­ursprünglichen Zweck der Stiftung nicht eins zu eins erfüllen können.»

Noch viele offene Fragen also. Klar ist derweil, dass der Umzug der Kunstwerke voraussichtlich im März über die Bühne gehen soll. Unterstützt wird die Stiftung dabei vom Zivilschutz, vom Fachbereich Kulturgüterschutz, der dann offenbar auch beim Inventar mithelfen soll.

Wichtig ist, und das haben alle Beteiligten immer wieder betont, dass Schwaars Vermächtnis im Emmental bleibt. Danach sieht es nun aus. Wieder eine gute Nachricht.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch