Dürrenroth

Die Räuber bleiben im «Safe»

DürrenrothFür den Überfall auf die Bernerlandbank und weitere Raubzüge kassiert ein Österreicher vom Regionalgericht Emmental-Oberaargau eine Freiheitsstrafe von acht Jahren.

<b>Tatort:</b> Hier erbeuteten Bankräuber 2015 fast eine halbe Million Franken.

Tatort: Hier erbeuteten Bankräuber 2015 fast eine halbe Million Franken. Bild: Marcel Bieri

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Knapp eine halbe Million Franken: So viel Geld erbeutete ein ­52-jähriger Österreicher, als er im Mai 2015 mit einem bis heute unauffindbaren Kumpan die Bernerlandbank in Dürrenroth überfiel.

Ein Jahr später beraubte er mit einem 61-jährigen Landsmann Geldinstitute in Deitingen, Kestenholz SO und Marly FR. Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, fuchtelten die Räuber mit Luftdruckpistolen herum. Die Bankangestellten gingen davon aus, dass es sich um echte Waffen handelte. Bei diesen Coups fiel der «Gewinn» mit total 45'000 Franken deutlich magerer aus.

Nun mussten sich die zwei mehrfach vorbestraften Männer vor dem Regionalgericht Emmental-Oberaargau verantworten. Beide waren weitgehend geständig. Und beteuerten, wie sehr sie ihre Taten bereuen würden. Der ältere Angeklagte sagte, er verstehe immer noch nicht, wie er sich an der Schwelle zum Pensionsalter zu einem solchen «Blödsinn» habe hinreissen lassen können. Seit Herbst 2016 sitzt das Duo im vorzeitigen Strafvollzug.

Die Verhaftung verlief korrekt

Das Leben hinter Gittern sei erträglich, bemerkten die Angeklagten in einer Verhandlungspause. Der eine vermisst seinen Sohn und seine Rolling-Stones-DVDs, doch abgesehen davon ­haben sie dem Vernehmen nach nichts zu meckern. Vor Gericht lobten sie die Arbeit der Ermittler. Ihre Verhaftung sei «korrekt» verlaufen, teilten sie dem in Fünferbesetzung tagenden Gremium unter dem Vorsitz von Nicole Fankhauser mit.

Letztlich nützte ihnen jedoch aller Charme und alles Schmeicheln nichts: Das Gericht verurteilte den jüngeren Beschuldigten für die Banküberfälle in Dürrenroth, Marly, Deitingen und Kestenholz sowie wegen ­Widerhandlungen gegen das Ausländer- und das Waffengesetz zu einer Freiheitsstrafe von acht Jahren. Glimpflicher kam sein Kumpan davon: Er war vor allem als Auskundschafter und Chauffeur aktiv und kassierte eine Freiheitsstrafe von vier Jahren.

Darüber hinaus müssen die Verurteilten – zumindest theoretisch – die Verfahrenskosten von 30'000 Franken bezahlen, dem Kanton die Anwaltskosten von 66'000 Franken entrichten und den Versicherungen der Banken fast eine halbe Million Franken zurückerstatten.

In ihrer über zweistündigen Urteilsbegründung anerkannte Gerichtspräsidentin Nicole Fankhauser, es im Verlauf dieser Woche mit «sehr freundlichen, korrekten, anständigen und bisweilen zum Schalk neigenden» Angeklagten zu tun gehabt zu haben. Nur: «Das Gericht hatte nicht die Personen zu beurteilen, sondern die Taten, die ihnen von der Staatsanwaltschaft zur Last gelegt wurden.»

Mit Blick auf die Videoaufnahmen aus den Banken, Zeugenaussagen und die Geständnisse hege das Gericht keine Zweifel an der Schuld der Angeklagten. Im Fall Dürrenroth habe die Justiz davon profitiert, dass der Beschuldigte seine Täterschaft eingeräumt habe. Die DNA-Spur des Räubers stimme jedoch mit dem genetischen Fingerabdruck von dessen eineiigem Zwillingsbruder überein. Ohne Geständnis wäre es laut Fankhauser folglich «sehr schwierig» gewesen, dem in Burgdorf vor Gericht sitzenden Mann die Tat nachzuweisen. Immerhin sei auch sein inzwischen in Süd­afrika lebender Blutsverwandter als Bankräuber aktenkundig.

Zugunsten der Beschuldigten wertete das Gericht zudem, dass die Männer auf ihren Beutezügen keine körperliche Gewalt anwendeten. Trotzdem sei ihr Vorgehen als «relativ skrupellos» zu bezeichnen, fügte Fankhauser an. Vermummt und mit täuschend echt wirkenden Pistolen bewaffnet, hätten sie auf ihre Opfer einen erheblichen psychischen Druck ausgeübt, um sie zur Geldherausgabe zu zwingen. Seelische Narben seien bei einigen Menschen geblieben.

In einem Punkt freigesprochen

In einem Punkt liess das Gericht Milde walten: Vom Vorwurf der widerrechtlichen Abfallentsorgung sprach es die Männer frei. Für das Gremium sei zwar klar, dass die Österreicher ihr Motorrad auf der Flucht am Strassenrand stehen liessen und einen Benzinkanister in einem Bach ­deponierten, sagte Fankhauser. «Angesichts der langjährigen Haftstrafen hätte es unserer Ansicht nach aber keinen Sinn ergeben, sie wegen dieser Widerhandlungen auch noch zu Geldstrafen im Hundertfrankenbereich zu verurteilen.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 13.04.2018, 15:45 Uhr

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