Die politische Gesinnung spielt beim Hornussen keine Rolle mehr

Krauchthal

Die Hornussergesellschaft Hettiswil wird 100 Jahre alt. Sie hat eine bewegte Geschichte hinter sich, die mit dem Landesstreik begann.

 Beat Küng (links) und Ulrich Zwahlen  zeigen, wie man mit den Schindeln früher spielte. Foto: Raphael Moser Beat Küng (links) und Ulrich Zwahlen zeigen, wie man mit den Schindeln früher spielte. Foto: Raphael Moser

 Beat Küng (links) und Ulrich Zwahlen  zeigen, wie man mit den Schindeln früher spielte. Foto: Raphael Moser Beat Küng (links) und Ulrich Zwahlen zeigen, wie man mit den Schindeln früher spielte. Foto: Raphael Moser

Es war das Jahr 1919, der Landesstreik war gerade erst vorüber. Der Aufstand der Arbeiterschaft machte sich auch bei den Hornussern in Hettiswil bemerkbar. Die Arbeiter wollten nicht mit den Bauern und Handwerkern in einem Verein spielen. Sie wollten sich von der Äusseren Hornussergesellschaft Hettiswil abgrenzen und gründeten ihren eigenen Verein. Es war die Geburtsstunde der Arbeiter Hornussergesellschaft Hettiswil.

Man hatte denselben Berufsstand, dieselbe linke politische Gesinnung. Und ihr Verein sollte sich durchsetzen. Jener der Handwerker und Bauern löste sich in den 50er-Jahren auf. Heute, hundert Jahre nach der Gründung, spielen Gesinnung und Beruf keine Rolle mehr, wie Beat Küng, Präsident der HG Hettiswil-Eintracht erzählt. Genauso hat sich der Namen angepasst. 

Das Spiel mit dem Knochen

In den 100 Jahren hat sich einiges an Material angesammelt. Das zeigt sich eindrücklich im Ortsmuseum Krauchthal. Dieses widmet dem 100-Jahr-Jubiläum eine Ausstellung. Es sind Ausstellungsstücke, die Geschichten über den Sport erzählen.

Etwa der knöcherne Kuhzeh: Damit spielte man im Wallis. «Das war nicht ganz ungefährlich, denn die Flugbahn des Knochens mit unregelmässiger Oberfläche war schwer berechenbar», sagt Ulrich Zwahlen, Leiter des Ortsmuseums.

Während dies eine Walliser Eigenart war, spielte man in der West- und Ostschweiz vielerorts nach Emmentaler Regeln. Es waren nämlich Emmentaler Zuzüger, die den Sport aus Gotthelfs Zeiten in die anderen Regionen brachten. An vielen Orten verschwand der Sport dann aber wieder, heute wird er vorwiegend im Kanton Bern praktiziert.

Das Material entwickelte sich 

Doch hat er sich im Lauf der Jahre stark verändert. Das zeigt sich am Material. So ist der Nouss heute nicht mehr aus Holz, sondern aus Kunststoff. Das ist um einiges sicherer. «Es konnte vorkommen, dass der hölzerne Nouss splitterte», so Zwahlen. 

Die Schutzbekleidung hingegen hat sich nicht ganz durchgesetzt. Spieler, geboren im Jahr 1984 oder später, müssen einen Helm tragen, so schreibt es der Eidgenössische Hornusserverband vor. Bei einer Fluggeschwindigkeit, die kurz vor dem Aufprall auf die Schindel bis zu 180 Kilometer pro Stunde beträgt, klingt das durchaus vernünftig. Für die Älteren sei das Tragen des Helms halt ungewohnt, sagt Küng. Unfälle gebe es leider immer wieder. «Die jüngeren Spieler tragen aber alle einen Helm.»

Und jüngere Spieler hat der Verein, der heute 63 Mitglieder zählt, seit einigen Jahren wieder mehr. Auch weil der Präsident aktiv wurde. «Als ich 2007 als Präsident angefangen habe, gab es drei Nachwuchsspieler, da musste ich etwas ändern.» Er warb an den Schulen. Das zeigte Wirkung: «Wir haben jetzt 13 Junioren.»

In der Vereinsgeschichte gab es aber schon härtere Zeiten. In den 60er-Jahren hatte man gerade noch 10 bis 12 Spieler. In der Regel besteht eine Mannschaft aus 18 Männern. «Manche mussten deshalb zweimal abschlagen, doch sie fehlten im Ries.» In den folgenden Jahren gewann die HG Hettiswil-Eintracht aber wieder mehr Mitglieder.

Hartes Training

Spätestens 1984 wurde das Spiel zum Sport. Damals wurde die B-Mannschaft gegründet, und man baute das erste Clubhaus in Schleumen. «Vorher ging man mit einem Leiterwagen, voll bepackt mit Material, von Feld zu Feld», sagt Küng. Heute spielt die A-Mannschaft des Hettiswiler Vereins in der zweithöchsten Liga. Da ist hartes Training angesagt. In der Sommersaison wird zweimal die Woche trainiert, und an den Wochenenden stehen meist die Spiele an.

Einen Erzfeind habe man nicht, so Küng. Eine Konkurrenz seien aber schon die Krauchthaler. Auf die Frage, welche der beiden Mannschaften denn besser sei, zögert er. «Früher waren die Krauchthaler stärker, jetzt spielen wir auf Augenhöhe.» Dass die Jubiläumsausstellung und mit der Vernissage das offizielle Fest auf Krauchthaler Boden stattfindet, sei aber kein Problem, findet der Präsident und schmunzelt.

Die Ausstellung im Ortsmuseum Krauchthal wird heute mit der Vernissage um 19.30 Uhr eröffnet. Danach kann sie jeweils am ersten Sonntag und am dritten Freitag im Monat besichtigt werden.

Berner Zeitung

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