Oberes Emmental

Die Oberhäupter haben kein Interesse an einer Grossfusion

Oberes EmmentalGinge es nach dem Regierungsrat, würden die neun Gemeinden des einstigen Amtes Signau zu einer zusammengefasst. Aber die Gemeindepräsidenten sind nicht motiviert, das zu prüfen.

Mit Langnau als regionalem Zentrum: Aus Sicht des Regierungsrats ist das obere Emmental prädestiniert für einen Zusammenschluss aller neun Gemeinden des ehemaligen Amtes Signau.

Mit Langnau als regionalem Zentrum: Aus Sicht des Regierungsrats ist das obere Emmental prädestiniert für einen Zusammenschluss aller neun Gemeinden des ehemaligen Amtes Signau. Bild: Daniel Fuchs

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«Nichts, Eggiwil sieht überhaupt keinen Handlungsbedarf.» Das ist die trockene, fasst mürrisch anmutende Antwort von Niklaus Rüegsegger auf eine Umfrage bei allen neun Gemeindepräsidenten des ehemaligen Amtes Signau. Diese Zeitung wollte wissen, was es bei ihnen auslöste, als der Regierungsrat des Kantons Bern im Februar aufzeigte, wie er sich die Gemeindelandschaft der Zukunft vorstellt. In dem Papier werden die neun Gemeinden des oberen Emmentals mit Langnau als regionalem Zentrum als «homogene Raumeinheit» bezeichnet.

Dass diese Kommunen viel verbindet, ist keine neue Erkenntnis. Schon vor Jahren hat Alt-Regierungsstatthalter Simon Bichsel öffentlich die Vermutung geäussert, eine Grossfusion könnte hier Vorteile bringen. Nur hat bislang niemand fundierte Abklärungen an die Hand genommen. «Jeder sagt aus dem hohlen Bauch heraus, das könne nichts sein, anstatt dass endlich Entscheidungsgrundlagen geschaffen würden», stellt Bichsel fest.

Was wurde aus der Petition?

Als 2014 die Gemeindeversammlung in Trubschachen über eine Initiative abstimmte, die Fusionsverhandlungen mit Langnau verlangt hatte, warb Bichsel für ein Nein. Das Volk lehnte die Gespräche denn auch ab. Aber Bichsel hatte sein Votum mit der Bitte an den Gemeinderat verbunden, Fusionsgespräche mit allen Gemeinden des ehemaligen Amtes Signau zu prüfen.

Doch seither sei er nie über ein entsprechendes Ergebnis informiert worden. «Wir haben unter den Gemeindepräsidenten diskutiert, ob es sinnvoll wäre, das Thema weiterzuverfolgen», berichtet Trubschachens Gemeindepräsident Beat Fuhrer. Auf seine Einladung hin habe man sich im Bären Trubschachen getroffen und einem Referat des Präsidenten von Glarus-Nord gelauscht. Dessen Gemeinde besteht seit 2011 aus einem Zusammenschluss von acht Kommunen. «Wir haben interessiert zugehört», erinnert sich Fuhrer. Aber damit sei das Thema erledigt gewesen. Eine Fusion dränge sich nicht auf, man arbeite im oberen Emmental auch so schon in verschiedenen Bereichen zusammen. «Das wird mit der Zeit immer stärker zusammenwachsen», ist er überzeugt. «Aber ich bin nicht die ­treibende Kraft für eine Fusion.»

Negative Erfahrungen

Aus Lauperswil ist auch kein Impuls zu erwarten. «Das letzte Fusionsprojekt ist der Bevölkerung noch in bester Erinnerung», sagt Gemeindepräsident Hans-Ulrich Gerber. Seine Gemeinde prüfte 2009 ein Zusammengehen mit Rüderswil. Doch die Lauperswiler lehnten die Fusion ab. Gerber ist deshalb überzeugt: «Sobald Vor- und Nachteile einander gegenübergestellt werden, ist eine Fusion eher unwahrscheinlich.» Die Nachteile würden tendenziell stärker gewichtet.

Immerhin könnten Rüderswil und Lauperswil für sich in Anspruch nehmen, schon einmal einen Fusionsversuch gewagt zu haben, gibt auch Roland Rothenbühler zu bedenken. Das Rüderswiler Oberhaupt könnte sich zwar ­vorstellen, dass eine Fusion Vorteile brächte: «Insbesondere bei der Schaffung überkommunaler Arbeitszonen.» Er würde sich nicht gegen Abklärungen wehren, findet aber, der Kanton müsste sich an den Kosten beteiligen.

Keine Euphorie spürbar

Für Walter Sutter ist es «nicht ­angebracht, zum heutigen Zeitpunkt Studien für eine Ober­emmentaler Grossgemeinde erarbeiten zu lassen». Der Gemeindepräsident von Langnau befürchtet hohe Kosten für etwas, das danach schubladisiert werde. Denn Fusionen gelängen nur, wenn die Basis solche wünsche. Bislang hätten die neun angesprochenen Gemeinden ihre Aufgaben aber stets «korrekt wahrnehmen» und die Behörden mit «geeignetem Personal besetzen» können. «Aus der Bevölkerung konnte bis anhin kein ausdrück­licher Wunsch nach einer fusionierten Grossgemeinde wahrgenommen werden», fügt Sutter hinzu.

Wenig euphorisch tönt es auch in Signau. Gemeindepräsident Martin Wyss glaubt, eine Grossfusion würde «die Oberflächlichkeit in der Führung und der Bewirtschaftung fördern». Es seien die einzelnen Gemeinden, die ihre Hausaufgaben machen müssten. Es müsse gelingen, die Dörfer zu entwickeln und eine innere Verdichtung herbeizubringen. Martin Wyss stellt die rhetorische Frage: «Wie will ein zentral gesteuertes Organ, das die Leute und Grundeigentümer vor Ort nicht kennt, eine Entwicklung herbeiführen, wenn wir es als Einheimische vor Ort heute fast nicht schaffen?»

Sommer möchte «unbedingt»

Auch Beat Gerber in Schangnau und Peter Aeschlimann in Trub werden keine Anstrengungen Richtung Fusion unternehmen. Der Einzige, der möchte, dass die Vor- und Nachteile nun geprüft werden, ist Matthias Sommer, Gemeindepräsident von Röthenbach. «Unbedingt» brauche es jetzt detaillierte Grundlagen, damit eine sachliche Diskussion geführt werden könne. «Wir werden diese Frage sicher beim nächsten Präsidententreffen aufgreifen», stellt er in Aussicht. Sommer geht davon aus, «dass es günstiger ist, mitzureden und sich einzubringen, solange die Sache in einem Bottom-up-Szenario angedacht ist, als später zu jammern, wenn sie top down verordnet wird.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 21.04.2018, 07:42 Uhr

Die Sicht der Wirtschaft

«Der Handlungsspielraum würde grösser»

Die Gemeindepräsidenten des oberen Emmentals sagen, sie spürten aus der Bevölkerung keinen Wunsch nach einer fusionierten Grossgemeinde. Doch vonseiten der Wirtschaft be­stünde durchaus Interesse an einem grösseren Gebilde. «Die heutigen Strukturen stammen aus einer Zeit, als man noch zu Fuss oder mit Pferd und Fuhrwerk unterwegs war», gibt Walter Gerber zu bedenken. Der Präsident des Handels- und Indus­trievereins Emmental ist überzeugt, dass es einfacher wäre, zweckmässige Arbeitszonen auszuscheiden, wenn nicht mehr jede Gemeinde für sich «ein bisschen Industrie- und ­Gewerbeland einzonen würde». Es könne doch nicht sein, dass in Randgebieten freies Gewerbeland brachliege, während in ­Gemeinden, wo solches gefragt wäre, nichts mehr eingezont werden könne. Zudem könnte die Verwaltung seiner Meinung nach professioneller arbeiten. Als Leiter der Genossenschaft für leistungsorientiertes Bauen weiss Gerber: «Mit einer professionellen Bauverwaltung wie ­etwa jener der Gemeinde Langnau laufen die Baubewilligungsverfahren in der Regel einfacher ab als bei kleinen Gemeinde­verwaltungen, wo das entsprechende Fachwissen oftmals fehlt und es dann heisst: ‹Da müssen wir Bern fragen.›» Walter Gerber glaubt nicht, dass eine Grossgemeinde demokratische Nachteile hätte. «Ihr Handlungsspielraum würde grösser», ist er im Gegenteil überzeugt.

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