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Die Kunstfälschung mit einem Blick entlarvt

Im Museum Franz Gertsch in Burgdorf konnten die Besucher am Sonntag die Werke des berühmten Künstlers fälschen. Was einfach aussieht, birgt einige Tücken. Zumindest für Menschen, die feinmotorisch nicht allzu begabt sind.

Kunstfälscher am Werk: Unter der Anleitung von Florine Ott (hinten im Bild) übten sich die Museums­besucherinnen im Kopieren der Gemälde von Franz Gertsch.
Kunstfälscher am Werk: Unter der Anleitung von Florine Ott (hinten im Bild) übten sich die Museums­besucherinnen im Kopieren der Gemälde von Franz Gertsch.
Olaf Nörrenberg

Zeichnen war noch nie meine Stärke. Starke Nerven brauchten allerdings meine Zeichnungslehrer. Schüttete ich doch regelmässig das Wasserglas aus, wenn ich den Pinsel reinigte.

Oder ich bemalte statt des Papiers das ganze Pult. Was dann dazu führte, dass sich die Lehrer manchmal erbarmten und meine Zeichnung für mich fertig malten. Meine Mutter erkannte die Fälschungen jeweils schnell. «Das hast du aber nicht selbst gemacht?», fragte sie, wenn ich ihr ein allzu makelloses Gemälde schenkte.

Die Wasserfarben verstaute ich dann nach der Schulzeit zu­unterst in einer Schublade, wo sie langsam vor sich hin trock­neten. Und nun, fast zwanzig Jahre später, sitze ich also wie­der vor einem solchen Malkasten. Eine Aquarellmalerei von einem der bedeutendsten Künstler der Gegenwart zu kopieren, lautet mein Auftrag.

Im Rahmen des Internationalen Museumstags konnten Besucher nämlich im Museum Franz Gertsch in Burgdorf die Werke des Berner Künstlers nachahmen. «Kunstfälscher am Werk» lautete das Motto gestern.

Ob Kunstfälscherder passende Jobfür Menschen mit feinmotorischen – nennen wir es mal Herausforderungen – ist, sei dahingestellt. Aber zumindest probieren will ich es. Aquarelle von Landschaften in Schottland und im Wallis sind die Vorlagen. Diese hat Franz Gertsch in den 1960er-Jahren gemalt.

«Für ihn waren das Übungs­stücke.»

Florine Ott, Kunstvermittlerin

«Für ihn waren das Übungsstücke», sagt Kunstvermittlerin Florine Ott. Er habe die Malereien wohl innerhalb von wenigen Stunden gemacht. «Wir haben Werke gewählt, die relativ einfach nachzumalen sind», so Ott. Ganz so einfach ist es dann aber doch nicht. Ich probiere es mit einer schottischen Küstenlandschaft. Mit filigranen Pinselstrichen hat Gertsch die Struktur der Küste hervorgehoben.

Die braunen Hü­gel auf meinem Blatt erinnern hingegen eher an den Bau eines Maulwurfs. Ich solle noch etwas grüne und graue Farbe drüberschichten, sagt Florine Ott. Sie ist deutlich geduldiger als meine früheren Zeichnungslehrer. Ich tue also, was sie mir rät. Und tatsächlich verfliessen die Farben ineinander – mein Werk kommt dem Original ein kleines Stück näher.

Froh bin ich allerdings, dass nicht Bilder wie jenes von Johanna oder die vier Jahres­zeiten Vorlage sind. An diesen Gemälden hat Gertsch bis zu einem Jahr lang gearbeitet. Wenn man vor der porträtierten Jo­hanna steht, wird auch ersichtlich, warum. Die junge Wienerin schaut einen aus traurigen blauen Augen an.

So detailge­treu hat sie Gertsch in den 1980er-Jahren gemalt, dass man das Gefühl hat, ihr tatsächlich ge­genüberzustehen. Am unteren Augenlid glänzt die Tränenflüssigkeit, der Blick wirkt traurig und zugleich kritisch. Die blonden Locken kräuseln sich widerspenstig. Jedes einzelne Haar ist sichtbar.

Um einiges einfacherist da die Küstenlandschaft zu fälschen. Inzwischen habe ich auch das Meer und den Himmel zu Papier gebracht. Hätte ich das Original entwendet und stattdessen mein Bild an die Wand gehängt, wäre das wohl schnell aufgeflogen. Aber zumindest erkennt man, was das Motiv des Bildes ist. Was früher bei meinen bevorzugten Sujets – Delfine oder Pferde – nicht immer der Fall war.

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