Sumiswald

«Die junge Loosli»

SumiswaldCorinne Loosli ist mit ihren 28 Jahren die wohl jüngste ­Präsidentin eines Gewerbevereins überhaupt. Sie ist eine bodenständige Frau, für die es selbstverständlich ist, dass man sich für seine Heimat engagiert.

Hat ihren Platz in der Welt und im Leben gefunden: Corinne Loosli mag ihren «normalen» Alltag.

Hat ihren Platz in der Welt und im Leben gefunden: Corinne Loosli mag ihren «normalen» Alltag. Bild: Thomas Peter

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Gewerbevereine wirken in der heutigen so eng vernetzten und digitalisierten Hochgeschwindigkeitsgesellschaft wie Relikte von anno dazumal. Und auch deren Mitglieder, gerade jene des Vorstands, stellt man sich mindestens grau meliert, wenn nicht gar altväterisch vor.

Alles unhaltbare Vorurteile, blickt man nach Sumiswald: Corinne Loosli ist 28 Jahre alt und Präsidentin des dortigen Gewerbevereins. Niemand habe das je komisch gefunden oder infrage gestellt, sagt sie. Nur Zuspruch und Dankbarkeit habe sie erfahren. «Bis heute bin ich von niemandem nach meinem Jahrgang gefragt worden.»

Das kann mit althergebrachter Höflichkeit zu tun haben oder aber damit, dass sie in Sumiswald bekannt ist. Corinne Loosli ist hier aufgewachsen und die Tochter von Roland und Katrin Loosli, Geschäftsinhaber der sechsten Generation der Albiro AG, des schweizweit bekannten Anbieters von Arbeitsbekleidung.

«Es ist wunderbar hier»

Hier im ersten Stock der Firma Albiro empfängt Corinne Loosli zum Gespräch. Hinter ihrem Schreibtisch geht der Blick aus einem breiten Fenster hinaus in eine verschneite Idylle. «In Sumiswald», sagt Corinne Loosli, «ist mein Herz. Es ist wunderbar hier.»

Dass sie zwar hier arbeitet, aber dann doch in Langnau wohnt, hat wiederum etwas mit dem traditionsreichen Familienbetrieb zu tun. Denn oben an der Ilfis ist sie mehr oder weniger anonym. Hier in Sumiswald aber heisse es immer mal wieder: «Eh, das ist ja die junge Loosli.» Sie bevorzuge, das Private vom Geschäftlichen zu trennen, sagt sie. «Aber eines Tages komme ich vielleicht doch wieder zurück.»

Um das Jahr 2011 ist Corinne Loosli in den Familienbetrieb eingetreten. Heute leitet sie die Abteilung Beschaffung und hat direkt und indirekt etwa zwanzig Mitarbeitende unter sich. Angefangen hatte sie im Einkauf und arbeitete sich nach und nach hoch. Die kaufmännische Ausbildung machte sie auf der Stadtverwaltung in Burgdorf. Danach folgten längere Reisen mit Anstellungen dazwischen. Und irgendwann fing sie dann «übergangsmässig», wie sie sagt, bei der Albiro AG an.

Aus «übergangsmässig» sind nun sieben Jahre und ein Studium zur Textilwirtschafterin geworden. Und das war kein Versehen. Denn Corinne Loosli wirkt wie jemand, der seinen Platz ge­funden hat, angekommen ist. Das merkt man auch an Sätzen wie: «Ich bin schon zu alt für grosse Ausbrüche.» Oder: «Ich mag meinen normalen Alltag.»

Normal – dieses Wort fällt oft im Gespräch mit der jüngsten Gewerbevereinspräsidentin des Emmentals, wenn nicht des ganzen Landes. Es ist normal für Corinne Loosli, dass man sich für seine Heimat einsetzt, sich für den Ort, wo man arbeitet oder lebt, interessiert, engagiert und einbringt. Sie hat dann auch nicht lange überlegen müssen, als die Anfrage kam, Gewerbevereinspräsidentin zu werden. Das war vor zwei Jahren, als der Verein in Sumiswald komplett erneuert wurde.

Heute sind die Mitglieder des Vorstands alle unter vierzig Jahre alt. «An den Anlässen sind wir die Jüngsten, ja», sagt sie. Aber an Akzeptanz habe es nie gefehlt. So erhöhte Loosli gleich an der ersten Hauptversammlung die Mitgliederbeiträge, erneuerte die Statuten – und alles ging ohne Widerstand über die Bühne. «Ein bisschen nervös war ich anfangs schon», sagt sie. «Aber inzwischen fühle ich mich wohl in der Rolle.»

«Zentral abgelegen»

Nein, am Sinn eines Gewerbevereins gezweifelt hat Loosli noch nie. Trotz ihres Alters. «Für das Gewerbe ist er sehr wichtig», sagt sie. Es brauche ihn, um den Zusammenhalt zu stärken, um Netzwerke aufzubauen und zu erhalten. Letztlich gehe es vor allem darum, einander zu helfen, um in diesem «zentral abgelegenen» Sumiswald, wie sie es nennt, auch überleben und erfolgreich bleiben zu können.

Etwa 80 Mitglieder hat der 1895 gegründete Verein heute und besteht aus einem kunterbunten Mix aus Kleinst- und Mittelbetrieben, aus Industrie und international tätigen Unternehmen. «Wichtig ist, dass wir füreinander da sind», sagt Loosli. «Dass wir voneinander lernen und dass die Betriebe auch untereinander Aufträge erteilen.»

Zwei Jahre ist Corinne Loosli nun in ihrem Amt, und ein Ende muss vorläufig nicht befürchtet werden. Denn anders, als man das bei unter Dreissigjährigen annehmen könnte, mag Corinne Loosli Beständigkeit. Und sowieso hat sie viel zu tun. Denn bald geht es darum, die Organisation einer Gewerbeausstellung in Angriff zu nehmen. Sie soll wohl 2020 stattfinden.

Wieder so ein antiquiertes Etwas, das noch kaum an Beliebtheit und Bedeutung eingebüsst hat, trotz Turbogesellschaft und Internet. (Berner Zeitung)

Erstellt: 08.02.2018, 06:12 Uhr

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