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Die Hüter der Verkehrsordnung

Der Verein Verkehrssecurity sorgt dafür, dass bei Baustellen oder Anlässen kein Chaos ausbricht. Wir haben den Mitgliedern über die Schultern geschaut – vor einem Match der SCL Tigers.

Bernhard Engel (Mitte) instruiert die Mitglieder vor dem Tigers-Match, links neben ihm Vereinspräsident Jonathan Tschanz. Fotos: Christian Pfander
Bernhard Engel (Mitte) instruiert die Mitglieder vor dem Tigers-Match, links neben ihm Vereinspräsident Jonathan Tschanz. Fotos: Christian Pfander

Um die Ilfishalle ist es ruhig. Schliesslich dauert es noch fast vier Stunden, bis das Heimspiel der SCL Tigers gegen Davos beginnt. Nur zwei Männer in knallgelben Kleidern mit Leuchtstreifen sind schon da. Jonathan Tschanz und Bernhard Engel, der Präsident und der Vizepräsident des Vereins Verkehrssecurity.

Der Verein hat seinen Hauptsitz in Schüpbach, im Haus, in dem Präsident Tschanz aufgewachsen ist. Insgesamt zählt er 36 aktive Mitglieder. Sie regeln den Verkehr bei Baustellen, machen Parkdienst bei Ausstellungen, bei grossen Anlässen – und bei jedem Heimspiel der Langnauer Eishockeyaner. 13 Personen stehen an diesem Abend im Einsatz; bei der Ilfishalle und auf den öffentlichen Parkplätzen in der Umgebung.

Die Polizei kontrolliert

«Bei uns», sagt Jonathan Tschanz, «hat jeder die Chance mitzumachen.» Auch Stellensuchende, die wieder in den Arbeitsalltag eingegliedert werden, oder Pensionierte, die aus Altersgründen nicht mehr bei einer privaten Sicherheitsfirma arbeiten dürfen. Andere sind einfach aus Freude an der Sache dabei. Die Mitglieder werden intern ausgebildet und legen dann bei einer externen Stelle eine Prüfung ab. Die Polizei kontrolliere regelmässig, ob tatsächlich ausschliesslich ausgebildetes Personal auf den Strassen im Einsatz stehe, sagt Tschanz. «Das ist auch gut so.»

Der Verein versichert seine Mitglieder, stellt ihnen Arbeitskleider zur Verfügung und zahlt ihnen einen Sold. Das ist der Unterschied zu einer Firma, die Löhne bezahlen muss, von denen die Angestellten leben können. So müssen Firmen ihren Auftraggebern zum Teil Stundenansätze von 70 Franken berechnen, der Verein Verkehrssecurity verlangt im Normalfall um die 30 Franken.

Das Geld, das nach Abzug der Fixkosten übrig bleibe, werde als Sold an die Mitglieder weitergegeben, sagt Jonathan Tschanz. «Wir als Verein verdienen nichts.» Sämtliche Bürobüetz – zum Beispiel Einsatzpläne, Offerten und Rechnungen schreiben – würden die Vorstandsmitglieder ehrenamtlich leisten.

Seit drei Jahren

Drei Stunden vor dem Hockeymatch sind alle 13 Männer und Frauen eingetroffen, alle in gelben T-Shirts und Hosen. Besammlung ist in der alten Landi vor der Iflishalle. Bernhard Engel leitet das Briefing. «Merci viu Mau, dass ihr alle da seid.» Davos sei ein angenehmer Gästeclub, erklärt er seinen Leuten, die Fans würden in der Regel keine Probleme machen. Sie seien im ganzen Land verteilt und würden daher nicht in Fancars anreisen, sondern mit Privatautos. Man rechne mit insgesamt rund 5700 Zuschauern, «die Parkplätze bei der Emmi werden also rasch voll sein», sagt Engel. Und erklärt, was danach zu tun sei.

«Der Verkehr, das Auf-der-Kreuzung-Stehen – das war schon immer mein Leben.»

Jonathan Tschanz Präsident Verein Verkehrssecurity

All das wird sich im Laufe des Abends bestätigen – friedliche Gästefans, kein Fancar, dafür viele Privatautos. Und die offizielle Zuschauerzahl: 5696.

Nach zehn Minuten ist das Briefing vorbei. Die Mitglieder verschieben zu ihrem jeweiligen Einsatzort. Jonathan Tschanz stellt noch ein paar Fahrverbotstafeln auf, schaut nach, ob alles klappt – und hat zwischendurch Zeit zurückzublicken. Er erzählt, wie er früher bei den Verkehrskadetten Bern mitgemacht hat. «Der Verkehr, das Auf-der-Kreuzung-Stehen – das war schon immer mein Leben», sagt der heute 29-Jährige. Also gründete er vor drei Jahren, nachdem er aus Altersgründen aus den Verkehrskadetten austreten musste, den Verein Verkehrssecurity.

Kurze Nächte

Das Konzept geht auf. Die Zahl der Einsätze sei in letzter Zeit stark gestiegen, erklärt Tschanz. Allein in den vergangenen drei Monaten habe der Verein seinen Mitgliedern über 18'000 Franken Sold ausbezahlt – die wöchentlichen Einsätze für die SCL Tigers nicht einmal mitgezählt. In sechs Kantonen sind die Mitglieder im Einsatz, auch in der Ostschweiz.

Trotz der guten Auftragslage soll der Verein gemeinnützig bleiben, und die Vorstandsmitglieder wollen das Organisatorische weiterhin ehrenamtlich erledigen. Jonathan Tschanz zum Beispiel arbeitet hauptberuflich zu 80 Prozent als Logistiker. Auch wenn der Verkehrseinsatz beim Tigers-Match bis nach 23 Uhr dauern wird; am nächsten Morgen steht Tschanz pünktlich um 6 Uhr «in der Bude».

Ausreden

Bis zum Spielbeginn dauert es noch zwei Stunden. Nach und nach treffen die Tigers-Spieler ein. Zu Fuss oder auf dem Velo biegen sie bei der Metzgerei Horisberger auf den Schlachthausweg ein. Hier kommen sie bei Christian Gäumann und Pascal Schär vorbei, den beiden Männern von der Verkehrssecurity. «Salü zäme!» Man kennt sich. Auch die ersten Matchbesucher treffen ein, zum Beispiel die VIP's, die vor dem Match zum Znacht eingeladen sind. Sie halten bei den Männern vom Verkehrsdienst an, zeigen ihre Parkkarte und werden zum Stadion durchgelassen. «Guete Mätsch!»

Christian Gäumann erklärt einem Autofahrer, wo er parkieren darf.
Christian Gäumann erklärt einem Autofahrer, wo er parkieren darf.

Immer wieder begehren aber auch Leute ohne Parkkarte Einlass. «Ich muss beim Stadion nur rasch meinen Sohn abholen.» – «Ich fahre grad wieder weg.» – «Ich muss hurti jemandem helfen, der eine Panne hat.» Der Reigen an Begründungen ist lang. Die Männer vom Verkehrsdienst erklären den Autofahrern freundlich, aber bestimmt, dass ohne Parkkarte keine Zufahrt zum Stadion möglich ist. «Würden wir Ausnahmen machen, hätten wir sofort ein Puff», sagt Bernhard Engel. Und ein Puff – das ist das Letzte, was die Verkehrssecurity will.

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