Die Herren der Schöpfung

Langnau

Arbeitswillig, häuslich, ehrbar und fromm: So sollte der Bauer laut Gotthelf sein. Doch waren sie nicht immer so brav.

Teller der Hafner Herrmann mit Abbildungen von Emmentalern.<p class='credit'>(Bild: Musée Ariana Genf und Sammlung Fahrländer-Müller)</p>

Teller der Hafner Herrmann mit Abbildungen von Emmentalern.

(Bild: Musée Ariana Genf und Sammlung Fahrländer-Müller)

Auch die Männerwelt des Emmentals durfte auf den Wandtellern aus der Werkstatt von Daniel Herrmann (1736–1798) nicht fehlen. Nach Gotthelf galten als Kardinaltugenden des Bauern Arbeitswille, Häuslichkeit, Ehrbarkeit und Frömmigkeit: Wie der Bauer, so der Hof.

«Währschaft» musste alles sein, und für nichts wurde ein Kreuzer zu viel ausgegeben. Die Einfachheit der Lebensführung, das hohe Ar­beitsethos, die Auffassung von Pflicht und Verantwortung prägten den Bauern. Jede Arbeit musste zur rechten Zeit und richtig ausgeführt werden.

Dafür stand der Bauer als «Meister» ein, immer der Erste und der Letzte bei der Arbeit. Pfarrer Ris aus Trachselwald schrieb 1764: «Der Mannspersonen Leibesgestalt ist gewöhnlich ziemlich gross, die Glieder stark, die Gesichtszüge männlich und grob. Die Bewohner der Berge sind ansehnlicher als die Einwohner der Täler und der Schachen. Die verheirateten Männer tragen beinahe alle Bärte, sind stolz darüber, wenn selbige breit und gross, also wohlgewachsen sind.»

Andreas Heege. Bild: zvg

Die Kleidung des Emmentalers bestand aus Woll- oder Strohhut, einem Hemd, einem Überrock bis zu den Knien und einem kürzeren Unterrock aus Wolle. Er trug Hosen aus Wolle oder Zwilch «...weit und mit sehr dichten Falten, sodass zu einem solchen paar Hosen 7 bis 8 Ellen Tuch erfordert wird». Die Schuhe schliesslich waren «von starkem Leder und die Sohlen mit Eisen oder mit Nägeln beschlagen».

Reiche Langnauer wurden gelegentlich als Karikatur dargestellt, und die begleitenden Sprüche warnten vor übertriebenem Hochmut: «Auch die Grossen pflegt der Tod in die Gruben hinzuführen, nichts als Jammer, Angst und Not folget auf das Jubilieren.»

In loser Folge stellt Andreas Heege Menschen und Gegenstände aus der Geschichte der Langnauer Keramik vor. Mehr lesen? Am 20. September erscheint sein zweibändiges Buch, das er in Zusammenarbeit mit Andreas Kistler verfasst hat.

Berner Zeitung

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