Burgdorf

Die Hand aus dem Hinterhalt

Burgdorf Ein Afrikaner vergriff sich im vergangenen Jahr an einer Schweizerin. Dafür verurteilte ihn das Regionalgericht Emmental-Oberaargau zu einer Busse von 800 Franken.

Der Mann soll die junge Frau gleich zweimal in einem Zugabteil angefasst haben.

Der Mann soll die junge Frau gleich zweimal in einem Zugabteil angefasst haben. Bild: Keystone

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13. Oktober 2017: Zur Mittagszeit sitzt eine junge Frau in einem BLS-Zweierabteil nach Bern. Plötzlich spürt sie, wie sich von hinten eine Hand auf ihre linke Brust legt. Sie schiebt sie weg, dreht sich um und erblickt einen fremden Mann. Dann wechselt sie das Abteil. Auf die Idee, die Polizei zu verständigen, kommt die perplexe Emmentalerin nicht.

24.Oktober 2017: Zur Mittagszeit sitzt eine junge Frau in einem BLS-Zweierabteil nach Bern. Plötzlich spürt sie, wie sich von hinten eine Hand auf ihre linke Brust legt. Sie schiebt sie weg, dreht sich um und erblickt einen fremden Mann, den sie vor kurzem schon einmal gesehen hat. Sie wechselt den Wagen und bittet ihre Mutter per Whatsapp, die Polizei zu verständigen.

Mann zieht Fall weiter

Nachdem der Zug in Bern eingefahren ist, zeigt die Frau den Ordnungshütern, wer sie soeben befingert hat. Unmittelbar danach legen die Uniformierten einen 45-jährigen Nordafrikaner in Handschellen. Knapp ein Jahr später büsst die Staatsanwaltschaft den Eritreer nun wegen sexueller Belästigungen mit 800 Franken. Der verheiratete und nicht vorbestrafte Mann, der primär von der Sozialhilfe lebt, zieht den Fall aber weiter ans Regionalgericht Emmental-Oberaargau.

Die Frau, die er belästigt haben solle, habe er noch nie gesehen, ­behauptete er gegenüber Einzelrichter Manuel Blaser gestern. Als der Richter ihn fragte, wieso eine ihm unbekannte Person ihn fälschlicherweise beschuldigen sollte, liess der Mann das Wort «Rassismus» fallen. Denkbar ­seien auch finanzielle Motive.

«Die Vorwürfe  treffen genau so zu, wie das Opfer sie beschrieben hat.»

Manuel Blaser, Richter

Davon könne keine Rede sein, erwiderte die Frau. Ebenso klar – und zwar «zu hundert Prozent» – sei für sie, dass es sich bei dem Angeklagten um jenen Mitreisenden handle, der sich an ihr vergriffen habe. Sie erkenne ihn «wegen seiner markanten Gesichtszüge» wieder, teilte sie mit. Gegen Leute aus anderen Kulturkreisen habe sie aber nicht das Geringste.

Geld war kein Grund

Augenzeugen gab es keine. DNA-Spuren, Videoaufzeichnungen oder andere Beweise fehlten. Aber die Frau konnte dem Richter die Nachricht zeigen, mit der sie ihre Mutter um Hilfe gebeten hatte. Und so belegen, dass die Zugfahrt durchaus nicht so frei von Besonderheiten war, wie der Angeklagte Minuten zuvor beteuert hatte.

Manuel Blaser verurteilte den Afrikaner zu einer Busse von 800 Franken und der Bezahlung der Verfahrenskosten von 2000 Franken. Dass Ausländer zu Unrecht beschuldigt würden, komme «leider» immer wieder vor, sagte der Richter. In diesem Verfahren sei dies jedoch nicht der Fall: «Die Vorwürfe treffen genau so zu, wie das Opfer sie beschrieben hat.» Wäre es der Frau darum gegangen, den Eritreer aufgrund seiner Herkunft oder wegen Geld in die Pfanne zu hauen: Sie hätte den Ermittlungs­behörden und dem Gericht eine ungleich «strübere» Geschichte aufgetischt, gab Blaser zu be­denken.

Wahrheitsfindung

Nach der Urteilseröffnung verwickelte der Mann den Vorsitzenden in eine Diskussion zum Thema «Wahrheitsfindung». Im Verlauf der zumindest seinerseits recht engagiert geführten Debatte bemängelte er – nebst vielem anderem –, dass Blaser offensichtlich nie in Erwägung gezogen habe, dass die Frau die sexuellen Belästigungen nur geträumt haben könnte. (Langenthaler Tagblatt)

Erstellt: 13.09.2018, 18:30 Uhr

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