Eggiwil

Die guten Zeiten sind vorbei

EggiwilImmer weniger Kundschaft, immer weniger verkaufte Artikel: Nach ­zwanzig Jahren ist die ­Uhu-Börse in Eggiwil ein letztes Mal ­geöffnet. ­Danach ist Schluss.

Das Börse-Team:?Sonja Hirsbrunner, Franziska Wüthrich, 
Christine Mader, Brigitte Bichsel und Erika Zaugg (v.l.)

Das Börse-Team:?Sonja Hirsbrunner, Franziska Wüthrich, Christine Mader, Brigitte Bichsel und Erika Zaugg (v.l.) Bild: Daniel Fuchs

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«Wir hören auf», sagt Christine Mader. Gemeinsam mit ihren sieben Kolleginnen steht sie morgen Donnerstag ein letztes Mal hinter der Verkaufstheke der Uhu-Börse. Mader hatte die Börse vor zwanzig Jahren gemeinsam mit acht anderen Frauen, von denen vier noch heute dabei sind, ins Leben gerufen. Damals hatten die Gründungsmitglieder kleine Kinder. «Wir haben überlegt, wie wir günstig zu Schlittschuhen, Kleidung und Spielsachen kommen können», erklärt Mader.

Die Initiantinnen starteten einen Aufruf im Radio, verschickten Flyer und klopften bei Kleiderbörsen an. Schon bald hatten sie genug Ware dafür ­zusammen, den Anlass erstmals durchzuführen. Und die Idee fruchtete. «Die Leute kamen teilweise mit Wäschekörben vorbei, um die ganze Familie einzukleiden», erinnert sie sich. Doch diese Zeiten sind vorbei, in den letzten Jahren fanden immer weniger Leute den Weg in den Keller des Alterszentrums in Eggiwil, wo die Frauen jeweils im Frühling und im Herbst an je zwei Tagen die Börse betrieben haben.

Die fehlende Kundschaft ist denn auch der Grund, wieso die Betreiberinnen aufhören. «Verkauften wir früher 1400 Artikel pro Mal, sind es heute knapp die Hälfte», so Mader. Dazu kommt, dass die Frauen vor jeder Börse rund 300 Stunden Vorarbeit leisten. Denn sämtliche Ware wird in Kommission genommen, und jedes Stück muss angeschrieben und in die Regale eingereiht werden. Nach dem Anlass holen die Besitzer ihre Pullis, Schuhe und Skidresse wieder ab. «Unverkaufte Sachen, die die Besitzer nicht zurückhaben wollen, werden an ein Hilfswerk in Rumänien verschickt», sagt Sonja Hirsbrunner, die seit rund fünfzehn Jahren im Börsenteam mithilft.

Der Entscheid, die Börse zu beerdigen, sei ihr nicht unbedingt schwergefallen, gibt Christine Mader offen zu. «Wenn man merkt, dass kein Bedürfnis mehr vorhanden ist, muss man aufhören.» Dennoch gebe ihr etwas zu denken: Sie könne nicht verstehen, weshalb das Angebot nicht von mehr Leuten genutzt werde, zumal sie keinen Ramsch, sondern qualitativ gute und saubere Artikel verkaufen würden. «Warum werden gut erhaltene Kleider nicht noch getragen? Wo bleibt da die Wertschöpfung?», fragt sich Christine Mader.


Die Uhu-Börse hat am Donnerstag, 22. September, zum letzten Mal von 9 bis 16 Uhr geöffnet. ­Alterszentrum, Dorf, Eggiwil.
(Berner Zeitung)

Erstellt: 21.09.2016, 11:03 Uhr

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