Krauchthal

Die fairen Kerle

KrauchthalSechs junge Emmentaler fahren an ein internationales Streetsoccer Turnier in München – weil sie besonders fair spielen.

Die Schweizer Vertreter (v.l.): Nils Gerber, Lukas Sutter, Florian Sutter, Micha Fumay, Raphael Ebner, Josua Fumay.

Die Schweizer Vertreter (v.l.): Nils Gerber, Lukas Sutter, Florian Sutter, Micha Fumay, Raphael Ebner, Josua Fumay. Bild: PD

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Sie spucken, lassen sich fallen und respektieren den Schiedsrichter nicht. Millionen von Menschen auf der ganzen Welt verehren sie, und für Abertausende von Jugendlichen sind sie Vorbilder. Die grossen Stars des Fussballs aber provozieren mit ihrem Verhalten bis in die untersten Ligen und zu den Junioren unsportliche Manieren. Sechs junge Krauchthaler zeigen, dass es auch anders geht.

Mittwochnachmittag, schulfrei in der Primarschule. Jugendarbeiter Emanuel Seitz und seine Fussballtruppe treffen sich beim Jugendraum in Krauchthal. Die jungen Fussballer haben viel Energie. Es zeigt sich am Lärmpegel im umgebauten Luftschutzkeller, der nun als Jugendraum dient. Seitz’ Team steht am Anfang des Erfolgs der Jungen.

«Wir haben von der Berner Strassenliga eine Streetsocceranlage gemietet und ein Turnier ausgeschrieben», sagt Seitz. In Krauchthal hätten sich fünf Teams in der Kategorie der unter 14-Jährigen angemeldet. Da kamen die Jungs ins Spiel. Im ersten von insgesamt drei Turnieren, die sie spielten, waren sie noch in zwei Mannschaften aufgeteilt. Beide schafften die Qualifikation für die nächste Runde.

Der Weg nach München

Das Turnier in Krauchthal war die erste Ausscheidung für das schweizweite Turnier, das von der Laureus-Stiftung organisiert wurde. Einige mögen sich vielleicht noch an die Saison 2013/14 erinnern, in der die YB-Spieler den Namen der Stiftung auf der Brust trugen. Diese hat es sich zum Ziel gesetzt, «über soziale Sportprojekte die Chancengleichheit junger Menschen zu verbessern und Präventionsarbeit zu leisten». So steht es auf ihrer Website. Eines dieser Projekte ist eben das Streetsoccerturnier, welches in Zusammenarbeit mit den regionalen offenen Jugendarbeiten der ganzen Schweiz durchgeführt wird.

Immer ein sportlicher und ein Fairnesssieger qualifizieren sich pro Alterskategorie für die nächste Runde, ein überregionales Turnier. Im Fall der Krauchthaler war es die bernische Ausscheidung im Tscharnergut. In Huttwil fand dann das Finale statt. Die Sieger reisen im Rahmen einer internationalen Kooperation nach München an den Intercity-Cup. Im Frühling 2019 geht für die sechs Jungen und ihre Eltern das Abenteuer los. Auf die Übernachtung freuten sie sich am meisten, beteuern sie unisono.

Fair gewinnt

Die Buben aus dem Emmental haben sich durch ihre Fairness den Platz am internationalen Turnier verdient. Während für das erste Team, das sich in Krauchthal aufgrund seiner sportlichen Fähigkeiten durchsetzte, die zweite Runde mit den besten Teams des Kantons zu schwer war, setzten sich die Krauchthaler Fairnesssieger wieder durch mit ihrer sportlichen Spielweise.

«Wir gingen von Anfang an auf die Fairnesswertung.»Florian Sutter

Für das nationale Turnier wurden die Mannschaften zusammengelegt, und es gab nur ein Ziel: die Fairnesskrone zu holen. «Wir gingen von Anfang an auf die Fairnesswertung», sagen die Buben, denn sie hätten gewusst, dass es mit dem Fussballerischen schwer werde. Nur einer der Gruppe spielt in einem Verein, nämlich Nils Gerber beim FC Bolligen. «Dort gibt es aber einen Leistungsdruck, und ich kann nicht so zurückhaltend spielen wie beim Steetsoccer.»

Die Kollegen intervenieren schnell, auf dem Rasen könne man halt auch grätschen. Emanuel Seitz meint zum Fairnessmodell: «Es gibt einen grossen Lerneffekt bei den Jungs, man versucht seine Emotionen zurückzunehmen.» Evaluiert wird die fairste Mannschaft folgendermassen: Zuerst bewerten sich die Teams selbst, dann gegenseitig, dann gibt der Schiedsrichter eine Wertung ab, und zusätzlich gibt es noch einen Juror an der Seitenlinie. Zu vergeben gibt es null, einen halben oder einen Punkt, wobei ein Punkt das Beste ist. «Wir gaben aber niemandem null Punkte», sagen die Jungs. (Berner Zeitung)

Erstellt: 08.11.2018, 19:35 Uhr

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