Die Dynastie Herrmann

Niklaus Herrmann betrieb ab 1672 eine Hafnerwerkstatt am Sonnweg 15. Seine Familie ist mit neun Generationen die grösste Hafnerdynastie der Deutschschweiz.

Die Vorderseite eines Breitrandtellers, dessen Schriftbild dem Hafner Hans Herrmann  zugeordnet wird.

Die Vorderseite eines Breitrandtellers, dessen Schriftbild dem Hafner Hans Herrmann zugeordnet wird. Bild: Sammlung Fahrländer-Müller, Thun/Andreas Heege

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In Langnau wurde zwischen 1700 und 1850 die schönste und qualitätsvollste Keramik im Kanton Bern hergestellt. Niklaus Herrmann (1649–1682/83) war ab 1672 der erste Hafner in der Werkstatt am Sonnweg 15. Johann Herrmann (1870–1916) gab 1910 als letzter Hafner dieser Familie die Werkstatt an der Wiederbergstrasse 5 auf. Zwischen 1672 und 1910 lassen sich 56 Hafner der Familie Herrmann nachweisen. Sie ist mit neun Gene­rationen die umfangreichste ­Hafnerdynastie der Deutschschweiz.

Ein kurzes Leben

Hafner starben relativ jung, im Durchschnitt mit 55 Jahren. Damit war ihre Lebenserwartung ­etwa 14 Jahre kürzer als diejenige von allen anderen Langnauer Haushaltsvorständen. Vermutlich spiegelt sich im frühen Sterben der Hafner der Umgang mit dem giftigen Staub der Bleiglasur.

Kachelöfen und Geschirr

Die Hafner Herrmann produzierten von Anfang an Kachelöfen und Gebrauchsgeschirr. 1902 wurde die Hafnerwerkstatt am Sonnweg 15 abgebrochen. Der Langnauer Lehrer Emil Aeschlimann rettete damals zahlreiche Kacheln eines Ofens aus dem Jahr 1728. Auf einer dieser Kacheln steht zu lesen: «ANO 1728 YAR HANS HERMAN WEYBEL ZV LANGNAVW HAT DER OFEN GMACHT».

Hans Herrmann (1673–1762), der Sohn von Niklaus Herrmann, war eine bedeutende Persönlichkeit im Dorf. Er erreichte als einziger Langnauer Hafner das offizielle Amt des Weibels, war also Stellver­treter des Landvogts. Die Handschrift auf der Kachel ist sehr ­charakteristisch. Gleiche Buchstaben und Zahlen finden sich auch auf schön verzierten Tellern, Kannen, Krügen und Ter­rinen. Damit ist erwiesen, dass Hans Herrmann massgeblich für die Entwicklung des Langnauer Keramikstils verantwortlich war.

In loser Folge stellt Andreas Heege Menschen und Gegenstände aus der Geschichte der Langnauer Keramik vor.
Mehr lesen? Am 20. September erscheint sein zweibändiges Buch, das er in Zusammenarbeit mit An­dreas Kistler verfasst hat.
(Berner Zeitung)

Erstellt: 27.07.2017, 10:38 Uhr

Andreas Heege.

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