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Die Dorfdruckerei geht zu

Die Druckerei Löffler schliesst auf Ende Monat ihre Türen. Der Preiszerfall in der Branche machte ein Überleben unmöglich. Betroffen sind sechs Mitarbeitende. Damit endet eine hundertjährige Firmengeschichte.

Seit 1983 an der Eystrasse beheimatet: Mit der Schliessung der All Print Sumiswald AG verliert die Gemeinde einen traditionellen Familienbetrieb.
Seit 1983 an der Eystrasse beheimatet: Mit der Schliessung der All Print Sumiswald AG verliert die Gemeinde einen traditionellen Familienbetrieb.
Marcel Bieri

Wenn das Gemeindeblatt «Schwarzi Spinnele» zum nächsten Mal in Druck geht, wird das nicht mehr in Sumiswald geschehen. Schon eine Zeit lang hatte man es im Dorf munkeln hören, jetzt ist die Befürchtung wahr geworden: Die über 100 Jahre alte Druckerei, All Print Sumiswald AG, muss den Betrieb auf Ende Juni einstellen. Das bestätigt ­Geschäftsführer Beat Löffler auf Anfrage.

«Der Umsatz ging so stark zurück, dass es schon kriminell wurde.»

Beat Löffler, Geschäftsführer

Mit zitternder Stimme sagt er am Telefon, dass der allerletzte Druckauftrag in der ersten Juliwoche ausgeführt werde, dann sei endgültig Schluss. «Der Umsatz ging so stark zurück, dass es schon kriminell wurde», sagt Löffler. «Irgendwann mussten wir uns entscheiden, und das haben wir im April getan.»

Laut Löffler war es nicht ein Mangel an Aufträgen, sondern der Preiszerfall in der Branche, der ein Überleben der Firma unmöglich machte. Bis zu dreissig Prozent seien die Preise in den letzten drei, vier Jahren eingebrochen, sagt er (siehe Kasten).

Sech Mitarbeitende betroffen

Insgesamt sechs Personen sind von der Schliessung betroffen. Zwei Angestellte werden laut Löffler ordentlich pensioniert, für eine Mitarbeiterin konnte eine Nachfolgelösung gefunden werden, drei weitere verlieren ­ihre Stelle. Über seine eigene ­Zukunft habe er sich noch keine Gedanken machen können, sagt Löffler. Er wolle zuerst einmal alles ordentlich zu Ende bringen.

Mit der Schliessung der All Print Sumiswald AG verliert die Gemeinde einen traditionellen Familienbetrieb mit einer über hundertjährigen Geschichte. 1902 wurde die Buchdruckerei Kalchofen, die damals das Gemeindeblatt «Echo vom Emmental» für das Amt Trachselwald druckte, nach Sumiswald verlegt und unter dem Namen Buchdruckerei Sumiswald im Haus zur Alten Post beim Schulhaus neu eröffnet.

Wann genau die Druckerei an die Grünenstrasse 4 umzog, ist nicht überliefert. Bekannt ist dann wieder, dass Eduard Löffler-Engimann die Firma 1955 kaufte. 1973 wurde sie in Buch- und Offsetdruck Sumiswald umbenannt.

1979 übernahm der Sohn von Eduard, Ulrich Löffler, den Betrieb. 1983 wurde der Neubau an der Eystrasse 10 bezogen. Zuletzt führte Beat Löffler den Betrieb – in der dritten Generation. Zum 100-Jahr-Jubiläum wurde die Firma zum letzten Mal umgetauft in All Print Sumiswald AG.

Ein Verlust für die Gemeinde

Für die Gemeinde bedeutet die Schliessung einen harten Einschnitt. War die Druckerei Löffler, wie sie im Dorf auch genannt wird, doch die Hausdruckerei der Verwaltung.

Gemeindepräsident Fritz Kohler sagt es so: «Es ist einfach tragisch, dass eine Firma, die so lange so gute Arbeit geleistet hat, ein Familienbetrieb, aus wirtschaftlichen Gründen schliessen muss.» Aber der heutige Markt mache es sehr schwer für eine kleine Firma, in dieser Branche bestehen zu können.

Heute würden halt viele ihre Aufträge im Ausland aufgeben, und Vereine würden vermehrt ihre Flyer gleich selber drucken. «Wir bedauern es sehr, dass wir einen solchen traditionsreichen Betrieb verlieren.»

Die nächste «Schwarzi Spinnele» erscheint Ende Juli. Wo sie dann gedruckt wird, ist noch nicht klar. Laut Fritz Kohler werden gerade Offerten eingeholt.

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