Die Datenautobahn steckt im Keller

Burgdorf

Immer schneller, immer breiter: Das ist die ­digitale Zukunft der Netze, die Telefonie, Internet und Fernsehen ins Haus bringen. Ein Besuch in der Telefonzentrale der Swisscom in Burgdorf.

Hinter dicken Betonmauern befinden sich Tausende von Glasfaser- (links) und Kupferkabeln.

Hinter dicken Betonmauern befinden sich Tausende von Glasfaser- (links) und Kupferkabeln.

(Bild: Thomas Peter)

Der Weg zum Zentrum der digitalen Datennetze geht vorerst in den Untergrund: Graufarbene Treppe, standhafte Betonmauern, feste, mit Eisen beschlagene Türen erinnern an eine kühle ­Zivilschutzanlage. Doch kühl ist es nicht im Untergeschoss, vielmehr sommerwarm. Wie eine Horde Schlangen winden sich die zahlreichen Kabel durch den Raum.

«Die dicken sind Kupferkabel und bringen je rund ein­tausend Telefonanschlüsse in die Zentrale», erklärt Urs Indermühle, Gemeindebetreuer der Swisscom. Die schlanken sind Glasfaserkabel und führen eine ultraschnelle Breitband-Datenautobahn ins Zentrum der Burgdorfer Telefonzentrale an der Bahnhofstrasse.

Wie eine Haarnadel

Ein Stockwerk höher durchzieht ein dumpfes Surren den Raum. Die computergesteuerten Rechner arbeiten. Die Mauern sind immer noch dick, aber die nun gelben Kabel deutlich dünner. Etwa so schlank wie eine Haarnadel, sorgen sie in einem organisierten Durcheinander in grosser Zahl für Kommunikation. «Gut 15 000 Verbindungen laufen hier zusammen», sagt Servicetechniker Philippe Schwab und nimmt eines dieser filigranen Kabel in die Hand: «Jedes ist mit einem Code ausgestattet.»

Damit können per Computerprogramm ­innert kurzer Zeit einzelne Telefon- und Internetanschlüsse, zum Beispiel bei einem Wohnungswechsel, mit ein paar Klicks angepasst werden.

Aus der Zeit der PTT

Die Telefonzentrale an der Bahnhofstrasse in der Emmestadt stammt noch aus der Zeit, als sich die Post und die Telefonie PTT nannten und Telefonate in der Zentrale von einem freundlichen Fräulein mittels Stöpsel verbunden wurden. Das ist längst Schnee von gestern.

Und doch: Noch ein Stockwerk höher steht tatsächlich ein solches Stöpselpult mit Wählscheibe aus dem vorangegangenen Jahrtausend. Sozusagen als Museumsstück. Der Raum ist zwar noch mit zahlreichen farbigen Kabeln durchzogen, aber grossmehrheitlich leer. «Mit der Digitalisierung ist ­deutlich weniger Platz für die In­frastruktur nötig», erläutert Urs Indermühle.

Die digitale Technologie in der Telefonzentrale Burgdorf, die von modernen Rechnern gesteuert wird, ist Teil des regionalen Netzausbaus in Burgdorf und der weiteren Umgebung. Diesen hat die Swisscom in der Region im Jahr 2013 an die Hand genommen, und er wird bis Ende dieses Jahres abgeschlossen sein.

«Damit wird es möglich, bis zu 90 Prozent aller Anschlüsse im Gebiet mit ultraschnellen und digitalen Verbindungen zu versorgen», so Indermühle weiter. Was heissen will, dass pro Anschluss bis zu 500 Megabit pro Sekunde zur Verfügung stehen werden. Was bislang nur im Zentrum von Burgdorf der Fall war.

Von Mötschwil bis Heimiswil

Mit dem gegenwärtig laufenden Ausbau können auch grosse Teile von Mötschwil, Rüti bei Lyssach, Oberburg und Heimiswil von der schnellen Datenautobahn profitieren. Wer als Nutzer dann wirklich profitieren will, muss je nach Bedürfnis das Angebot des Anbieters mit möglicher Kosten­folge neu definieren. Zugang zu den digitalen Technologien haben auch andere, etwas Sunrise oder UPC. «Sie können die Swisscom-Leitungen gegen Entschädigung mitbenutzen und so ihre eigenen Kunden erschliessen», sagt Indermühle.

Wie viel sich die Swisscom das Modernisieren der bestehenden Infrastruktur in der Region Burgdorf kosten lässt, bleibt offen. Genaue Zahlen gibt das Unternehmen nicht bekannt. «Schweizweit investieren wir jährlich über 1,6 Milliarden Franken in die In­frastruktur», sagt Indermühle. Oder rund 200 Franken pro Einwohner.

Berner Zeitung

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