«Die Besucher wollen Neues sehen»

Langnau

Die Organisatoren scheinen ihr Ziel erreicht zu haben: Die Bänke auf dem OGA-Dorfplatz sind gut besetzt, viele Köpfe wippen im Takt der Musik. Doch statt Volksmusik hat Soul/Funk die Emmentaler mit guter Laune angesteckt.

Es muss nicht immer Volksmusik sein, damit Festhüttenstimmung aufkommt – der OGA-Abend liefert den Beweis.

Es muss nicht immer Volksmusik sein, damit Festhüttenstimmung aufkommt – der OGA-Abend liefert den Beweis.

(Bild: Marcel Bieri)

An der OGA soll wieder Fest­hüttenstimmung aufkommen. Das Organisationskomitee hat für dieses Ziel sein Konzept an­gepasst. Wenn der Besucher den Rundgang mit inzwischen ein, zwei Gläsern Wein intus schon fast durchlaufen hat, gelangt er in den landwirtschaftlichen Teil: Pferde mit ihren Fohlen, Milchkühe und Babyschweinchen.

Dazu hört man schon die volkstümliche Musik, die in der «Bure­stube» gespielt wird. Der Gastronomiebetrieb wird vom Eystübli geführt, und das Geschäft brummt, obwohl erst Dienstagabend ist. Mit etwas Glück erwischt man noch ein Plätzchen und kann sich bei gefühlten 35 Grad über regionales Bier oder auch über ein Raclette freuen.

Nur die Tiere streiten sich

Auch wenn der Handorgelspieler und der Bläser kurz eine Pause einlegen, ist der Lärmpegel hoch. Angeregte Gespräche, hier eine Begrüssung, da ein Prost und im Hintergrund das Glockengebimmel der Tiere. «Es ist schön, dass man in der Nähe der Tiere etwas essen und trinken kann», freut sich ein Milchkuhaussteller.

Seine Kuh und die Männer, die sich während einer Woche um sein wertvolles Tier kümmern, hat er stets im Blickfeld. Doch die gemütliche Stimmung wird plötzlich gestört: Zwei benachbarte Pferde sind sich nicht allzu sympathisch und geben dies mit lautem Gewieher und Ausschlagen gegen die Absperrgitter zum Ausdruck. Doch die Pfleger sind rasch zur Stelle und beruhigen die Situation mit frischem Heu.

Anders als früher

Frisch gestärkt beendet man den Rundgang und gelangt auf den «Dorfplatz». Zwischen Kühni-Treff und Eishalle stehen Festbänke, die schon vor dem angekündigten Konzert gut besetzt sind. Auch an wettertechnisch schlechtere Tage hat das Organisationskomitee gedacht und den Platz mit einem Zelt überdacht. Das nächste Getränk ist dann rasch organisiert, und man schlängelt sich durch die vielen Leute.

Während dem wird auf der Bühne «the best cover-soulband in Switzerland» angekündigt. Ein elfköpfiges Ensemble aus der Region: Soul Sign. Ein Senior bemerkt: «Ich bin zwar eher der volkstümliche Typ, aber es soll ja nicht so sein wie früher. Die Leute wollen Neues sehen.» Und so startet die Band in ihren ersten Coverhit «Soul Man», und viele Köpfe und Beine wippen mit dem Takt.

Die Band Soul Sign lässt den Funken zum Publikum überspringen. Bild: Marcel Bieri

Drei perfekt zusammen­passende Stimmen und die choreografischen Bewegungen der Musiker verbreiten gute Laune auf dem Platz. Doch nur Einzelne wagen sich auf die Tanzfläche, und drehen teils gar mit geschlossenen Augen ihre Runden. «Ich suche Musik zum Tanzen, Soul ist nicht so mein Stil», bemerkt eine regelmässige OGA-Besucherin. Die 52-Jährige sei hauptsächlich wegen der Party da.

Party trotz leerer Tanzfläche

Doch als die Band ihren zweitletzten Song anstimmt, kann auch die Kritikerin ihre Beine nicht mehr ganz stillhalten: «Uptown Funk» von Mark Ronson und Bruno Mars. Obwohl die Tanzfläche fast leer bleibt, springt der Funke zum Publikum über. Auch auf den Bänken bleibt kaum ein Kopf ruhig, und das jüngere Publikum kennt teils sogar den Text auswendig und singt laut mit.

Dass eine Zugabe fällig ist, steht da bereits fest, und die Band kommt dieser Bitte mit Freude nach. Auch ein Seniorenehepaar freut sich über die gute Unterhaltung: «Die Stimmung ist viel besser als an den letzten beiden OGA.» An diesem Abend habe es sogar mehr Leute hier als am Eröffnungstag. Die regional verankerte Band scheint die Besucher anzuziehen. Der 72-Jährige freut sich: «Jetzt läuft wieder etwas.»

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