Röthenbach

Der Pfad zum Wanderweg ist steinig

RöthenbachIn Röthenbach gibt ein Wanderweg zu reden, der nie einer war und jetzt auch als Trampelpfad nicht mehr geduldet wird. Ein Plan des Kantons hat den Grundeigentümer aufgeschreckt – unnötigerweise.

Die Hornusser haben den Pfad jeweils auf Geheiss der Gemeinde gemäht.

Die Hornusser haben den Pfad jeweils auf Geheiss der Gemeinde gemäht. Bild: PD

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Da wandert man entspannt von Schüpbach nach Eggiwil. Der Pfad führt mehrheitlich die Emme entlang. Ein Wanderweg ist ausgeschildert, die Welt ist in Ordnung. Möchte man die Reise auf Schusters Rappen Richtung Röthenbach fortsetzen, ist nach dem Dorf Eggiwil aber fertig lustig.

Die Eggiwiler wollen zwar demnächst einen Gehweg bauen, der bis in die Zihlmatt führt, wo die Strasse nach Siehen abzweigt. Doch wer im Talgrund nach Röthenbach wandern will, kommt auch in Zukunft nicht umhin, gut zwei Kilometer auf der Kantonsstrasse zu gehen.

Da ist kein Wanderweg, der die beiden Dörfer den Bach entlang verbinden würde. Bis vor kurzem existierte aber auf Röthenbacher Boden eine für Schulkinder sichere Fussverbindung: Vom Dorf bis nach Mettlen steht Fussgängern und Radfahrern ein betonierter Streifen zur Verfügung. Auf den letzten paar Hundert Metern bis zur Gemeindegrenze, beim Hof Wässerig, existierte dann noch ein einfacher Fussweg. Und dieser gibt nun zu reden.

Als Versuch gedacht

Der Trampelpfad war 2015 eingerichtet worden – als unkompliziertes Resultat bilateraler Gespräche zwischen Vertretern des Gemeinderates und dem Grundeigentümer Bernhard Wyss. Seither mähten Mitglieder der Hornussergesellschaft im Auftrag der Gemeinde jeweils ein paar Meter vom Ufer entfernt einen schmalen Streifen durch die Matte.

Von Beginn an wehrten sich Wyss und sein Pächter jedoch gegen einen befestigten Wanderweg. Dies hätten sie den Gemeindevertretern auch ausdrücklich mitgeteilt, sagt Wyss. Denn ein befestigter Wanderweg würde deutlich weiter vom Ufer entfernt zu liegen kommen als ein Trampelpfad.

Wyss sieht nicht ein, warum sein Pächter wegen eines Fusswegs in der Nutzung des flachen, ideal zu bewirtschaftenden Kulturlandes eingeschränkt werden soll, zumal seiner Meinung nach die Möglichkeit bestünde, den Pfad auf der anderen Seite des Röthenbachs auf weniger wertvollem Agrarland anzulegen. Aber im Sinne einer Übergangslösung und eines Versuchs habe er der Trampelpfadvariante seinerzeit zugestimmt, sagt er.

Plötzlich im Sachplan

Seit kurzem duldet der Grundbesitzer, der selber in Murten lebt, keine Wanderer mehr auf seinem Land in Röthenbach. Der Grund dafür liegt laut Wyss bei der Gemeinde und dem Kanton respektive beim Sachplan Wanderroutennetz des Kantons Bern. Dessen neuste Fassung lag im August zur Mitwirkung öffentlich auf.

Durch Zeitungsartikel stiess Wyss darauf, inspizierte das Werk und stellte fest: Über sein Feld führt eine gestrichelte Linie. «Da läuteten bei mir die Alarmglocken», sagt er. Dem Gemeinderat teilte er schriftlich mit: «Damit sichergestellt ist, dass aufgrund des Versuchs mit dem Trampelpfad kein Präjudiz betreffend Linienführung eines geplanten Wanderwegs geschaffen wird, sehe ich mich gezwungen, den Versuch per sofort abzubrechen.»

Dass er als Grundeigentümer vor der Publikation des Sachplans nicht kontaktiert worden sei, empfand er als «äusserst fragwürdig». Wyss sah darin einen «Vertrauensbruch».

Nichts ist definitiv

Doch ganz so einfach, wie Bernhard Wyss befürchtet, können es sich die Behörden mit dem Anlegen neuer Wanderwege nicht machen. Der Sachplan ist nur für die Behörden verbindlich. «Er ist eine Absichtserklärung der Behörden», umschreibt Röthenbachs Gemeindeverwalter Christian Bichsel dessen Bedeutung.

Würde die Gemeinde dereinst Ernst machen und den Plan in die Tat umsetzen wollen, käme sie laut Bichsel nicht umhin, eine öffentliche Mitwirkung durchzuführen, im Zuge derer sich die Bürger zum Vorhaben äussern könnten. Danach käme das Baubewilligungsverfahren, wo sich der Grundeigentümer mit einer Einsprache wehren könnte.

«Ohne Zustimmung der Grundeigentümer wird in der Regel kein Wanderweg erstellt», sagt Kreisoberingenieur Roger Schibler. Ein Landbesitzer könnte zwar auch gezwungen werden, die Linienführung zuzulassen. «Unter der Bedingung, dass die Umsetzung des öffentlichen Interesses verhältnismässig ist», schränkt Schibler ein und betont: «Eine Enteignung kommt jedoch praktisch nie vor.»

Das Ufer muss frei bleiben

Könnte der Wanderweg direkt entlang des Bachufers gebaut werden, stünde der Realisierung wohl nicht viel im Weg. Aber das Gesetz lässt das nicht zu. Die Volkswirtschaftsdirektion des Kantons Bern bezieht sich auf das Natur- und Heimatschutzgesetz und macht klar: Zum Schutz der Ufervegetation müsse beim Bau eines Wanderweges ein Abstand von sechs Metern «gemessen ab den Stämmen der äussersten Bäume und Sträucher der Ufergehölze» gewahrt werden.

Daran können die Röthenbacher nichts ändern. «Der Gemeinderat möchte auch nicht, dass Kulturland verschnitten wird», sagt Christian Bichsel.

Unter Zugzwang sei Röthenbach sowieso nicht, sagt der ­Gemeindeschreiber. Jedenfalls nicht, solange die Nachbargemeinde Eggiwil den Fussgängern keinen Pfad eingerichtet hat, der bis an die Gemeindegrenze führen würde. Also werden Wanderer in absehbarer Zeit auch weiterhin nach anderen Lösungen suchen müssen – Sachplan hin oder her.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 04.10.2018, 16:23 Uhr

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