Der Neuanfang der Schaukäserei ist beschlossen

Affoltern

Die Zukunft der Schaukäserei ist aufgegleist. Die Aktionäre haben der Rekapitalisierung zugestimmt. Die Sortenorganisation Emmentaler Switzerland übernimmt defi­nitiv die Betriebsleitung.

Blick in die Schaukäserei Affoltern: Bald dürfte das Geld da sein, um in die teils über dreissig Jahre alten Produktionsanlagen und den Besucherbereich zu investieren.

Blick in die Schaukäserei Affoltern: Bald dürfte das Geld da sein, um in die teils über dreissig Jahre alten Produktionsanlagen und den Besucherbereich zu investieren.

(Bild: Walter Pfäffli)

Martin Burkhalter@M_R_Bu

Nein, der hiesigen Käsebranche geht es nicht sonderlich gut. Das sagte auch Verwaltungsratspräsident Kurt Nüesch an der gestrigen 32. Generalversammlung der Emmentaler Schaukäserei AG in Affoltern. Die Zahlen sprechen deutliche Worte: Während der Import von «Billigkäse», wie Nüesch es ausdrückte, kontinuierlich ansteigt, ist der Export von «qualitativ hochstehenden Produkten» auch 2016 wieder um drei Prozent zurückgegangen.

Und wenn es dem Produkt nicht gut geht, kann es einem Ort wie der Schaukäserei auch nicht besser gehen. Auch hier sagen die Zahlen mehr als tausend Worte: Obwohl sich die Besucherzahlen und dadurch auch die Umsätze in den Verkaufsläden und der Gas­tronomie erhöht haben, schliesst die Jahresrechnung 2016 mit einem Bilanzverlust von über 2 Millionen Franken. Schon ­wieder.

Bei solchen Verhältnissen ist es klar, dass Mittel und Wege gefunden werden müssen, aus der Misere herauszukommen. Nur ist es bekanntlich so, dass es der Schaukäserei nicht erst seit gestern finanziell schlecht geht. Ein Rettungsplan ist in den letzten fünf Jahren herangereift, der nun durch die grossmehrheitliche Zustimmung der Aktionäre endgültig zu seiner Umsetzung kommt.

Frisches Geld

Zwei Massnahmen sollen die Schaukäserei längerfristig aus ihrem Loch holen. Erstens: Die Sortenorganisation Emmentaler Switzerland (ES) wird neue Hauptaktionärin. Dieses Kind ist bereits geschaukelt. Fast einstimmig haben die Delegierten an ihrer Generalversammlung Mitte April zugestimmt, in das Ausflugsziel in Affoltern investieren zu wollen.

Und auch die zweite Massnahme, die Rekapitalisierung, ist seit gestern beschlossene Sache. Zuerst wird das heutige Aktienkapital von rund fünf Millionen um rund drei Millionen Franken herabgesetzt. Mit einem Teil des frei werdenden Geldes wird der Bilanzverlust aufgefangen, der Rest fliesst in die Reserven. In einem zweiten Schritt soll das Aktienkapital durch die Herausgabe von mindestens 10 000 und maximal 15 000 Namenaktien wieder erhöht werden. Ziel ist es, so wieder mindestens rund 2 Millionen Franken an frischem Geld zu erhalten.

Als neue Hauptaktionärin wird sich die Sortenorganisation mit 1,5 Millionen Franken an der Kapitalerhöhung beteiligen. Der Rest soll von bisherigen oder auch neuen Aktionären kommen. Ob das möglich ist, wird sich ­zeigen. Verwaltungsratspräsident Kurt Nüesch jedenfalls gab sich gestern optimistisch. Er habe schon viel Goodwill von den jetzigen Grossaktionären vernommen, sagte er. Es gebe einige, die gerne bereit seien, ihre Anteile aufzustocken.

Neue Ära

Nun geht es in Affoltern ans Eingemachte: Nachdem die Finanzen zumindest theoretisch ins Reine gebracht worden sind, geht es darum, den Betrieb grundsätzlich neu aufzustellen. Denn die Sortenorganisation wird eben nicht nur Hauptaktionärin, sondern übernimmt auch gleich die Federführung. Dafür wird extra eine Betriebsgesellschaft gegründet mit einem Aktienkapital von rund 300'000 Franken.

Die ES wird dabei rund sechzig Prozent der Beteiligung halten, die Emmentaler Schaukäserei AG (ESK) wohl zehn bis zwanzig Prozent, und der Rest wird auf Firmen aus der Region, vor allem aus der Tourismusbranche, aufgeteilt. Konkretes konnte Kurt Nüesch darüber aber noch nicht sagen. Die ESK selber wird künftig vor allem als Trägergesellschaft des Standorts und als Immobilienvermieterin fungieren.

Eine neue Ära ist somit in Affoltern angebrochen. Die Chancen stehen gut, dass Verwaltungsratspräsident Nüesch in einem Jahr eine weniger deprimierende Rechnung präsentieren kann. Und vielleicht können schon in diesem Jahr endlich die nötigen Sanierungen angegangen werden. Sind doch die Produktionsanlagen in Affoltern teils über dreissig Jahre alt, und der Besucherbereich, man muss es sagen, lässt schon lange zu wünschen übrig.

Berner Zeitung

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