Zum Hauptinhalt springen

Der Kampflustige

Er hat sich schon einmal aus der Langnauer Politik verabschiedet. Aber jetzt meldet sich der Sozialdemokrat Niklaus Müller mit viel Elan zurück – und mit dem festen Ziel, Gemeindepräsident zu werden.

Er nimmt kein Blatt vor den Mund: Niklaus Müller betreibt einen offensiven Wahlkampf.
Er nimmt kein Blatt vor den Mund: Niklaus Müller betreibt einen offensiven Wahlkampf.
Thomas Peter

Für viele ist Niklaus Müller schlicht ein rotes Tuch. Jedenfalls war er das. Damals, als er für die Gewerkschaft arbeitete und die tiefen Löhne der Oberemmentaler Lebensmittelbetriebe öffentlich anprangerte.

«Es gab Leute, die danach die Strassenseite wechselten und mich nicht mehr grüssten», erinnert sich der 52-jährige Langnauer. Das war vor 17 Jahren. Heute spricht er von «jugendlichem Übermut» und versichert, dass er «nicht mehr alles gleich machen» würde. Aber es sei ihm um die Sache gegangen.

Klare Worte

Und wenn es Niklaus Müller «um die Sache geht», nimmt er kein Blatt vor den Mund. Er findet es «skandalös», dass die Schulkommission nicht darauf besteht, die Kinder aus der Sonnenarena in Bärau einzuschulen.

Scharf kri­tisiert er auch den Entscheid des Gemeinderates, der auf eine flächendeckende Einführung von Tempo 30 im Dorf verzichtet. Aus «Angst vor gewissen Widerständen» seitens des Gewerbes sei die Exekutive von ihrem ursprünglichen Ziel im Verkehrsrichtplan abgerückt.

«Der jetzt vorliegende Plan verkennt die reale Situation: Nicht eine Tempolimite, sondern der Konsument bestimmt, welche Läden erhalten bleiben – schlicht durch das Einkaufsverhalten», sagt Müller. «Was in Burgdorf funktioniert, muss doch auch hier gehen.

Es gibt in Langnau genug innovative Betriebe, die dies beweisen.» Zu diesen gelte es Sorge zu tragen – ebenso zum Dorfbild. Ginge es nach ihm, würde sich Langnau um den Wakkerpreis bewerben.

«Ich bin loyal»

«Man soll meine Überzeugung kennen», sagt Müller, der für die SP das Gemeindepräsidium anstrebt. Aber er weiss, dass er sich als Oberhaupt des Gemeinderates nicht mehr so pointiert würde äussern können wie jetzt als ­Kandidat und einfaches Mitglied der Baukommission. Das werde ihm aber nicht schwerfallen. «Ich bin ein sehr loyaler Mensch.»

Wenn die Kollegialbehörde einmal einen Entscheid getroffen habe, werde er diesen mittragen. «Ich bin überzeugter Sozialdemokrat, aber ebenso überzeugter Demokrat.» Als Gewerkschafter sei er auf kantonaler Ebene für die Lebensmittelindustrie verantwortlich gewesen und habe auch mit nationalen Firmen Verhandlungen geführt. «Da wurde hart gefightet. Doch irgendwann fiel ein Entscheid, den ich dann vor der Gewerkschaftsbasis ­vertreten musste.»

Müller erzählt das, um zu zeigen, dass er als Gemeindepräsident durchaus unterscheiden könnte zwischen seiner eigenen Überzeugung und dem politisch Machbaren. Wenn er aktuell auch weder dem Par­lament noch dem Gemeinderat angehört, schickt die SP mit ihm trotzdem kein politisches Greenhorn in den Wahlkampf, im Gegenteil: Er hat drei Legislaturen im Grossen Gemeinderat mitgearbeitet, wirkte als Präsident der Geschäftsprüfungskommission und 2010 gar als höchster Langnauer.

Ende 2011 schied er aus dem Parlament aus. Nach der Scheidung und einem kurzen ­Abstecher in die Selbstständigkeit sei er persönlich erschöpft gewesen, erklärt der Vater zweier erwachsener Töchter.

Es war also nicht der Frust über die Tatsache, dass er den Sprung in die Exeku­tive trotz seiner Kandidaturen in den Jahren 2001, 2005 und 2009 nie geschafft hat? Nein, versichert Müller, damals sei er als ­Listenfüller angetreten. Diesmal ist es ihm und seiner Partei aber ernst. Nebst den beiden bishe­rigen SP-Gemeinderätinnen Susanne Kölbli und Renate Strahm wird auch sein Name auf der Wahlliste kumuliert.

Gelassener Wahlkämpfer

«Ich würde das Amt wirklich gerne übernehmen», sagt Niklaus Müller, der aktuell als Klassenlehrer an einer Integrationsklasse des BVS (ehemals 10. Schuljahr) Langnau arbeitet.

Die Standortleitung in Burgdorf hat er vor zwei Jahren abgegeben. Die nötige Zeit für die intensive Aufgabe könnte sich der Mann, der 2008 nach einem zehnjährigen Abstecher zur Gewerkschaft wieder in die Schulstube zurückgekehrt ist, also nehmen. «Aber ich bin völlig gelassen.»

Für ihn breche keine Welt zusammen, wenn er die Wahl nicht schaffe, versichert der Mann, der als einziger der vier Kandidaten (siehe Kasten) einen offensiven Wahlkampf betreibt. «Müller for Presidänt» steht auf einem grossen Werbebanner, das an seinem ­Balkon hängt. Ausgerechnet er, der sich an der Nominationsversammlung als «rote Socke» bezeichnet hat, wirbt mit einem ähnlichen Slogan wie Donald Trump.

«Der Slogan ist das einzig Positive an Trump, daneben ist er eine einzige Katastrophe für die Welt», sagt Müller und erklärt: «Ich war nicht bereit, ihm den Spruch zu überlassen.» Ob das den Mann im Weissen Haus beeindruckt? Sicher ist: Niklaus Müller geniesst seinen Wahlkampf und freut sich auf die Auseinandersetzung mit der Konkurrenz.

Das habe er übrigens bei seinem Vater Andreas Müller, dem ehemaligen Präsidenten des SVP-Amtsverbands Signau, gelernt. «Er zwang mich zu argumentieren, hörte zu, bot Widerstand und lehrte mich zu fighten, ohne den Respekt zu verlieren.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch