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Der Bauverwalter geht unfreiwillig

Es klang, als würde Oliver Mischler die Gemeinde Langnau von sich aus ver­lassen. In der Medienmit­teilung verschwieg der Gemeinderat, dass er dem Kadermitarbeiter gekündigt hat.

Oliver Mischler Foto: Marcel Bieri
Oliver Mischler Foto: Marcel Bieri

Der Gemeinderat hielt sich kurz: Vor einer Woche teilte er mit, dass Ronald Aeschlimann ab dem 1. April als geschäftsführender Bauverwalter amten wird. Er arbeitet bereits seit 2014 in Langnau, bisher als Bauverwalter-Stellvertreter und Bauinspektor. «Er ersetzt den bisherigen langjährigen Bauverwalter Oliver Mischler, der die Gemeinde Langnau verlassen wird», steht in der Mitteilung noch. Sonst nichts. Das erweckt den Eindruck, der Chef der Bauverwaltung habe einen neuen Job gefunden. «Das ist völlig falsch», sagt der 50-Jährige. «Der Gemeinderat hat mir aufgrund meiner gesundheitlichen Probleme gekündigt.»

«Ich bin schwer enttäuscht», sagt Oliver Mischler. Damit meint er die verschleiernde Kommunikation einerseits und die Tatsache der Kündigung andererseits. Zur Trennung kommt es nicht etwa, weil der Gemeinderat mit der Arbeit des Bauverwalters nicht mehr zufrieden wäre. Gemeindepräsident Walter Sutter betont im Gegenteil: «Oliver Mischler ist ein toller Mensch und ein fantastischer Bauver­walter mit genialen Ideen.» Das Problem seien seine krankheitsbedingten Absenzen.

Jahrelang Schmerzen

Vor bald acht Jahren erkrankte Oliver Mischler an einer Trige­minusneuralgie. Bei der seltenen Krankheit ist der Hirnnerv, der in beiden Gesichtshälften über die Stirn in Ober- und Unterkiefer strahlt, entzündet. Mit jeder Bewegung schiesse der Schmerz wie ein Blitz durch den Kopf, erklärte der Bauverwalter vergangenen Sommer gegenüber dieser Zeitung, als er seine Leidenszeit schilderte. «Aber ich wollte meinen Beruf unbedingt behalten», sagte er im August 2017 weiter.

Jahrelang schleppte er sich mit starken Kopfschmerzen ins Büro. Aber oft fiel er auch aus – natürlich. Zweimal liess er sich operieren, erst beim zweiten Versuch konnte der entzündete Punkt im betroffenen Nerv mit einem Laser definitiv zerstört werden. Das war im Dezember 2016. Seither gehe es ihm stetig besser, sagt Mischler. Die Ärzte würden eine vollständige Heilung prognostizieren, und er falle nur noch selten krankheitsbedingt aus.

«Wir mussten handeln»

Doch der Gemeinderat hat den Glauben an die Genesung ihres Bauverwalters offenbar verloren. «Wir haben lange gewartet, jetzt mussten wir einfach handeln», sagt Sutter. Der Gemeinderat sei es auch der Bevölkerung schuldig, dass der Bauverwalter zu hundert Prozent da sei. Mischler zeigt Verständnis für diese Überlegungen. Deshalb habe er auch angeboten, «einen Schritt zurück zu tun und mit Bauinspektor Ronald Aeschlimann zu tauschen oder andere Aufgaben in der Bauverwaltung zu übernehmen». Sutter sagt dazu: «Das wäre aus Sicht des Gemeinderates schwierig gewesen.»

Zum Jobtausch kam es ohnehin nicht. Per Ende Juni hat der Gemeinderat Oliver Mischler gekündigt. Wie es für ihn beruflich weitergeht, weiss er nicht. «Ich trage einen schweren Rucksack, um einen neuen Job zu finden», sagt er. Aber wehren will er sich gegen den Entscheid des Gemeinderates nicht. «Wenn das Vertrauen nicht mehr da ist, ist es nicht mehr da.»

Auf die Formulierung in der Medienmitteilung angesprochen, sagt Sutter: «Wir dachten, das sei gegenüber Oliver Mischler so korrekt. Wir wollten die ­genauen Gründe nicht breitschlagen.»

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