Langnau

«Das schwächt die Schule und die Region»

LangnauDass die kaufmännische Abteilung nach Burgdorf verlegt werden könnte, gibt im oberen Emmental zu reden. ­Gemeinderätin Renate Strahm sieht darin vor allem Nachteile und will sich dagegen wehren.

<b>Am Bleicheweg</b> werden auch Kaufleute und Detailhandelsangestellte unterrichtet. Doch wie lange noch?

Am Bleicheweg werden auch Kaufleute und Detailhandelsangestellte unterrichtet. Doch wie lange noch? Bild: Thomas Peter

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Im oberen Emmental herrscht Aufregung wegen des Bildungszentrums (BZ) Emme. Es betreibt in Langnau einen von fünf Standorten und bietet dort Unterricht in den sogenannten Brückenangeboten an.

Zudem werden Lernende in den Berufen Milchpraktiker und -technologe, Schreiner, Zimmermann, Detailhandel und Kaufleute ausgebildet. Die Abteilung Kaufleute/­Detailhandel ist in Langnau nun aber in Gefahr.

«Keine gute Option»

Das BZ Emme muss auf Geheiss des Kantons ab dem Schuljahr 2020/2021 mittels struktureller Anpassungen 300 000 Franken pro Jahr einsparen. Die Langnauer Abteilung Kaufleute/Detailhandel nach Burgdorf zu verlegen, sei dabei eine Option, erklärte Thomas Wullimann, Direktor des Bildungszentrums (wir berichteten).

Eine solche Massnahme würde im oberen Emmental auf wenig Gegenliebe stossen. Das macht Renate Strahm klar. Sie ist Langnauer Gemeinderätin mit Ressort Bildung. Zudem sitzt sie im Schulrat des BZ Emme. Sie sei dort die Vertreterin der Standortgemeinde Langnau, sagt sie.

Nach dem Bericht dieser Zeitung über einen möglichen Wegzug der Abteilung Kaufleute/Detailhandel sei sie von verschiedenen Leuten darauf angesprochen worden. «Das gibt im Dorf zu reden», so Strahm. Die SP-Gemeinderätin selbst hat eine klare Meinung zu diesem Thema: «Das wäre für Langnau keine gute Option.»

Strahm findet, eine solche Massnahme wäre sowohl eine Schwächung der Region wie auch des BZ Emme selbst. «Unser duales Bildungssystem ist gut und wichtig.» Die Berufslehre stehe in Konkurrenz zu anderen Ausbildungsangeboten. Mit der Verlegung nach Burgdorf würde die Lehre im oberen Emmental ein Stück weit abgewertet, sagt sie.

Schulweg spielt eine Rolle

Zudem erwähnt Strahm die Thematik Schulweg. Im Kanton Bern gilt der Grundsatz, dass nicht der Wohnort des Lernenden entscheidet, wo er die Berufsschule besucht, sondern der Standort des Lehrbetriebs.

Grosse Unternehmen mit mehreren Ablegern, aber Hauptsitz in Bern könnten die Lehrverträge künftig so abschliessen, dass Lernende in Bern schulpflichtig wären, obwohl sie die Ausbildung in Langnau absolvieren.

Strahm denkt zum Beispiel an Banken oder Versicherungen. «So würde das BZ Emme Schüler verlieren und dadurch sogar selber geschwächt.» Der Schulweg könne zudem auch ein Faktor sein bei der Lehrstellensuche.

«Wenn zum Beispiel jemand aus Schangnau in Trubschachen die Lehre zur Kauffrau absolviert, aber nach Burgdorf zur Schule muss, ist das ein Nachteil», sagt Strahm.

In der Exekutive traktandiert

Sie habe von verschiedenen Lehrbetrieben im oberen Emmental Bedenken dazu gehört, die Abteilung Kaufleute/Detailhandel zu verlegen. «Und ich kann mir vorstellen, dass auch andere Gemeinden nebst Langnau nicht begeistert sein werden.» Im Langnauer Gemeinderat wurde das Thema noch nicht diskutiert, ist aber traktandiert.

«Wir wollen als politisches Gremium zeigen, dass wir damit nicht einverstanden sind. Wie und mit welchen Mitteln, wissen wir aber noch nicht», sagt Strahm.

Sie sei schon gefragt worden, ob sie als Schulrätin des BZ Emme diesbezüglich nicht ihren Einfluss geltend machen könne. Doch Strahm macht klar, dass ihr Spielraum gering ist. «Der Schulrat hat nur eine beratende Funktion, die operativen Entscheidungen trifft letztlich aber die Schulleitung.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 10.03.2018, 08:03 Uhr

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