Das Risiko ist zu gross

Bärau

Ein kranker Lindenbaum am Strassenrand muss gefällt werden. Schuld sind wohl Teer und Strassensalz.

<b>Die geschützte Linde</b> bei der ehemaligen Drogerie im Dreiangel in Bärau soll verschwinden.

Die geschützte Linde bei der ehemaligen Drogerie im Dreiangel in Bärau soll verschwinden.

(Bild: Daniel Fuchs)

Wir schreiben das Jahr 1927. Ein Flugzeug fliegt an einem sonnigen Frühlingstag im März über das Emmental und macht Luftaufnahmen. Auf einem dieser Bilder: Bärau. Die Strassen schimmern weiss, vermutlich noch Schotterbelag. Die Häuser sind entlang der Strasse verstreut, und die letzten Schneereste schmelzen an den Schattenhängen vor sich hin.

Vor dem Gebäude an der Bäraustrasse 45 treibt ein kleiner Lindenbaum erste Blüten und wirft etwas Schatten auf die Strasse Richtung Lüderenalp. Manchen Winter und manchen Frühling hat dieser Lindenbaum bis heuer erlebt. Doch könnte gerade der Wechsel der Jahreszeiten schuld daran sein, dass dies sein letzter Winter sein wird.

Der kranke Baum

Markus Bolliger, auf dessen Boden der Baum steht, möchte die Linde eigentlich nicht fällen. Doch: «Der Baum ist krank, und es könnte jederzeit etwas passieren», sagt er. Dies gehe aus einem Gutachten der Baumpflegefirma Mäusli/Luginbühl aus Heimiswil hervor. Dort steht, dass der Baum zu wenig Oberflächenwasser erhalte. Dies wegen seines Standorts.

Der Baum ist an einer Kreuzung gepflanzt und eingeklemmt in einem spitzen Winkel zwischen zwei Strassen und dem Haus von Markus Bolliger, so sei die Vitalität des Baumes eingeschränkt. Das bedeutet, dass er nur wenige neue Triebe macht. Der Boden ist wegen des vielen Teers versiegelt.

Das bisschen Wasser, das durchsickere, reiche nicht aus. Zudem sei das Wasser im Winter und im Frühling infolge des Winterdiensts von Gemeinde und Kanton mit Streusalz durchsetzt. Dieses habe einen negativen Einfluss auf die Qualität des Bodens. Das zeige sich auch im Erscheinungsbild des Baums.

«Die Linde verhungert und verdurstet langsam und leise.»H. Mäusli, Baumpflegespezialist

Die wenigen neuen Triebe würden für eine kleine und schmächtige Krone sorgen, atypisch für Linden. Im Idealfall entspreche das Wurzelwerk etwa der Grösse der Baumkrone. Dazu komme, dass unter der Strasse viele Leitungen seien, die das Wurzelwachstum einschränkten.

Bei Wartungsarbeiten der Leitungen seien die Wurzeln zudem teilweise stark beeinträchtigt und an kontinuierlichem Wachstum gehindert worden. Das Fazit der Firma: «Die Linde verhungert und verdurstet langsam und leise.»

Gemeinde macht die Arbeit

Die Linde sei innen faul und könne jederzeit Äste verlieren, sagt Bolliger, und er als Grundeigentümer wolle nicht mit der Verantwortung leben. «Das Risiko, dass ein Ast herabfällt und jemanden verletzt, ist mir zu gross.»

Auch Hansruedi Dreier, der Verantwortliche vom Werkhof Langnau, sieht in dem Baum ein untragbares Risiko. «Wenn sich die Krankheit entwickelt, könnte schon ein Auto, das in den Baum prallt, diesen zu Fall bringen, was grossen Schaden bei den umliegenden Gebäuden anrichten würde.»

Überhaupt herrscht Einigkeit in der Frage, ob der Baum wegsoll oder nicht. «Ich habe die Nachbarn informiert, und sie stimmen mir zu», erzählt Markus Bolliger. Zum Teil seien sie auch froh, nicht mehr Laub rechen zu müssen, wenn der Baum weg sei.

Wenn es so weit sei, komme ein Unternehmen aus Zürich, welches in der ganzen Schweiz unterwegs sei und mit bester Ausrüstung Bäume fälle, sagt Dreier. Die Gemeinde kümmere sich um die Regelung des Verkehrs. «Die Arbeiten werden aber maximal einen halben Tag dauern.»

Berner Zeitung

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