Das politische Schwergewicht

Langnau

Zusammen mit seinem Grossratsmandat ist die Politik für den Landwirt Walter Sutter bereits jetzt ein ­70-Prozent-Job. Nun will der SVP-Gemeinderat das ­arbeitsintensive Bauressort gegen das Präsidium tauschen.

«Ich bin ein geselliger Typ», sagt Walter Sutter. Da muss schon eine Kuh kalben, dass er nach einer Sitzung auf die «Nachbesprechung» verzichtet.

«Ich bin ein geselliger Typ», sagt Walter Sutter. Da muss schon eine Kuh kalben, dass er nach einer Sitzung auf die «Nachbesprechung» verzichtet.

(Bild: Thomas Peter)

Susanne Graf

Es vergeht kaum eine Sitzung im Langnauer Parlament, an der Walter Sutter nicht irgendwann aufstehen und das Wort ergreifen würde. Der Gemeinderat tut das nicht, weil er so gern redet. Wobei festzuhalten ist, dass seine Voten meistens mit einer kräftigen Prise Humor gespickt sind.

Der Grund für seine vielen Auftritte ist sein Amt: Der SVP-Mann ist Präsident der Baukommission und hat als solcher immer wieder über Bachverbauungen, Strassensanierungen, Kreditabrechnungen oder Neuanschaffungen von Kommunalfahrzeugen zu ­berichten.

In Sutters Ressort tut sich viel. Auch das Baugesuch für das zweite Eisfeld ging über seinen Tisch. Dabei hat sich die Baukommission in einer Stellungnahme bei den Langnauer Hockeyfans ziemlich in die Nesseln gesetzt. In Onlineforen hagelte es Kritik, die Sutter ungern auf sich sitzen lässt (siehe Kasten).

«Idealismus gehört dazu»

So bodenständig und unverkrampft Walter Sutter jeweils auch auftritt: Kalt lässt es ihn nicht, wenn er kritisiert wird. Trotzdem will er Gemeindepräsident von Langnau werden. Viel stärker als bisher bereits würde er sich nach der Wahl wohl kaum in die Politik hineinknien. «Schon jetzt ist es schätzungsweise ein 70-Prozent-Job, wenn ich allen Aufgaben gerecht werden will», sagt er.

«Zu einem solchen Amt gehört auch ein Stück weit ­Idealismus.»Walter Sutter

Sutter ist nicht nur in der Gemeinde engagiert, sondern schaffte kurz nach der Wahl in die Exekutive im Frühling 2014 auch den Sprung ins Kantonsparlament. Das zwang den Landwirt, einen Teilzeitmitarbeiter anzustellen. Mit den Entschädigungen für seine politischen Ämter decke er knapp dessen Lohn. «Wäre er älter, ginge die Rechnung nicht auf», sagt Sutter. Trotzdem war er dagegen, als die Mitteparteien in Langnau das Amt des Gemeindepräsidenten finanziell aufwerten wollten. «Zu einem solchen Amt gehört auch ein Stück weit Idealismus», sagt Sutter.

Kurze Nächte

Er habe sich allerdings lange überlegt, ob er wirklich zur Wahl für das Präsidium antreten wolle. Denn das Bauressort passe ihm. Durch den krankheitsbedingten Ausfall des Bauverwalters (wir berichteten) wurde Sutters Part allerdings noch etwas anspruchsvoller. Das gab dann zuweilen kurze Nächte für den Bauern, dessen Wecker jeden Morgen kurz nach 5 Uhr klingelt – egal, wie lange die Sitzung und die «Nachbesprechung» beim Bier am Vorabend gedauert haben.

«Ich bin ein geselliger Typ», sagt Sutter. Erst einmal sei er nach einer GGR-Sitzung direkt nach Hause gegangen, «als eine Kuh kalben wollte». Er komme mit relativ wenig Schlaf aus. «Und sonst sagt man es mir dann schon, wenn die Zündschnur etwas kurz geworden ist», witzelt Walter Sutter mit einem Lächeln in Richtung seiner mit der Bohnenernte beschäftigten Frau Ursula.

Diskussionen mit Ingenieuren

Wenn die Mitarbeiter in den kantonalen Ämtern ab 8 Uhr wieder erreichbar sind, hat Sutter jeweils schon zweieinhalb Stunden gearbeitet. Beim Melken hat er Zeit, sich zu überlegen, wie er denen in Bern sagen will, was geht und was nicht geht. Ein Debakel wie an der Gewässerverbauung Gohl etwa will der Bauvorsteher nicht noch einmal erleben.

Fünf Jahre nach Abschluss eines umfangreichen Hochwasserschutzprojektes musste dort bereits wieder saniert werden, weil Bund und Kanton eine Verbauungsart verlangt hatten, die sich in der Praxis nicht bewährte. Sutter übte öffentlich Kritik und forderte mehr Gehör für die Stimme der Gemeinde.

«Das haben sie irgendwann respektieren gelernt», freut er sich. Mit «sie» meint er die jungen Ingenieure beim Kanton, mit denen er «in x Diskussionen einen Weg gefunden habe, wie wir miteinander umgehen können». Jedenfalls wertet es Sutter als Erfolg seiner Politik, dass bei der Verbauung am Ilfisgraben eine Lösung zum Zug kam, «die auch für die Betroffenen stimmt».

Themen kommen von allein

Und wo will Walter Sutter als Gemeindepräsident seine Stimme erheben? «Ich will mich dafür einsetzen, dass wir mindestens den heutigen Standard erhalten können.» Sutter erklärt: «Die Gemeinde kommt nicht nur vorwärts, indem die Bevölkerung stetig wächst, wir brauchen auch Arbeitsplätze für die Leute, die in die neuen Wohnungen ziehen.»

Das Gewerbe müsse unbedingt stärker werden, neue Firmen müssten sich ansiedeln, findet Sutter – und weiss gleichzeitig, dass kaum Land zur Verfügung steht. Die Infrastruktur für die Schule, die Kostensteigerung im Sozialwesen, die demografische Entwicklung, die Migration «und das Geld, das sich nicht mehren wird». All dies werde den künftigen Gemeindepräsidenten fordern. Aber nicht nur ihn.

«Wenn wir Langnau weiterbringen wollen, braucht es alle», sagt Walter Sutter. Und er erklärt, warum er nach den Parlamentssitzungen gern vom Kirchgemeindehaus in den Bären wechselt: weil ihm der Austausch mit Vertretern aller Parteien wichtig sei. «Wir sind hier in Langnau. Hier wollen alle für alles eine gute Lösung.»

Berner Zeitung

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