Das Käferfest

Hübsch bunt gestreifte Kartoffelkäfer überall: Im Mittelland haben sich die Insekten sehr schnell vermehrt. Doch auch wenn sie in Massen auftreten – massig Schäden richten sie nicht an.

Krabbler auf dem Vorplatz: Hans Schmidiger sammelt die Tierchen ein.<p class='credit'>(Bild: Marcel Bieri)</p>

Krabbler auf dem Vorplatz: Hans Schmidiger sammelt die Tierchen ein.

(Bild: Marcel Bieri)

Das Gekrabbel fiel den Kindern aus der Nachbarschaft zuerst auf. Das ganze Quartier besiedelten die kleinen gelb-orange-schwarz gestreiften Insekten – gerade so, als hätten sie sich in der Nähe des Mattenwegs in Oberburg zu einer Massen­veranstaltung verabredet. Hans Schmidiger machte die Krabbler auf der Zufahrt zu seinem Haus «dutzendweise» aus.

Er erkannte sie sofort: Kartoffelkäfer, schön anzusehen. Nun ist Schmidiger kein Entomologe, also kein Kenner von Insekten. Aber er fühlte sich um die sechs Jahrzehnte in die ersten Jahre seiner Schulzeit zurückversetzt. Damals sammelte er mit seinen Kameraden auf den Äckern der Kartoffelbauern im Oberemmental diese Tierchen für einen Zustupf in die Klassenkasse ein. Was danach mit den bunten Sechsbeinern passierte, daran könne er sich nicht erinnern.

Wohl hätten sie in einem Kessel heissem Wasser ein schnelles Ende gefunden.Diese Anekdote sagt es: Kartoffelkäfer sind Schädlinge. Schmidiger suchte im Internet nach Hinweisen darauf, ob seine Dahlien und die Obstbäume in der Hostet sich in Gefahr befinden. Nein, fand er heraus: Sie halten sich an Nachtschattengewächse. An Kartoffelpflanzen, wie der Name schon sagt, und an Tomaten oder Auberginen.

Der Jahreszeit voraus

Weniger die Käfer, sondern vielmehr die Larven richten Schaden an. Seit mehr als 20 Jahren bewirtschaftet Ruedi Fischer, Präsident der Vereinigung Schweizer Kartoffelproduzenten, mit seinem Bruder in Härkingen einen Betrieb mit 15 Hektaren Kartoffelanbau. Heuer habe er festgestellt, dass überdurchschnittlich viele Kartoffelkäfer unterwegs seien.

Ein Hingucker: Die bunten Insekten aus der Familie der Blattkäfer. Foto: Marcel Bieri

Für die grosse Käferpopulation soll der warme, trockene Frühling verantwortlich sein. Für Fischer klingt das plausibel, zumal auch die Vegetation eine Woche bis zehn Tage der Jahreszeit voraus sei. Dadurch seien allerdings auch die Kartoffelkulturen «so weit fortgeschritten, dass das keinen Einfluss haben wird auf die Ertragsmengen», so Fischer. Natürlich seien punktuell Einbussen nicht ausgeschlossen, aber Engpässe seien deswegen nicht zu erwarten. «Ein professioneller Bauer hat den Pflanzenschutz im Griff und kann reagieren», ist Fischer überzeugt. Hie und da an den Rändern von Kartoffeläckern «Blattskelette» zu sehen, sei nichts Aussergewöhnliches.

Ein Bazillus hemmt sie

Die Kartoffelproduzenten setzen seit Jahrzehnten Pflanzenschutzmittel gegen die gegenwärtigen Plagegeister ein, die keine Fressfeinde haben. Auch im biologischen Pflanzenbau ist ein Kraut, nein, ein Bakterium gegen den Käfer gewachsen: Bacillus thuringiensis heisst es, ein Sporen-/Kristallpräparat, das den Darmtrakt der Larven zerstört, den Käfer im Fressen hemmt, aber die Gelege verschont.

Das Wachstum der Knollen hemmen die Larven dann, wenn sie mehr als einen Fünftel der Blattoberfläche verputzen. Um die Speisekartoffeln zu schützen, die noch im Boden bleiben, legen die Produzenten unter Umständen noch nach. Hans Erhard vom Inforama Emmental hat heuer eine einzige Sonderbewilligung für den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ausgestellt, mehr nicht. Auch er stellt fest, dass in den letzten Jahren witterungsbedingt immer mehr Kartoffelkäfer aufgetreten sind.

Ein Weibchen – 2500 Eier

Sie überwintern im Boden und besiedeln im Mai die Stauden. Etwa zwei Wochen später legt das Weibchen 20 bis 80 Eier auf der Unterseite der Kartoffelpflanzenblätter ab. Dabei bleibt es nicht: Bis zu 2500 Eier legt ein Weibchen über den ganzen Sommer. Aus ihnen schlüpfen nach fünf bis zwölf Tagen Larven.

Sie häuten sich nicht weniger als dreimal, ehe sie sich im Boden verpuppen und als Käfer wieder zum Vorschein kommen. Um dann in grosser Zahl fliegend nach Futter zu suchen – und dabei die Aufmerksamkeit von Kindern in Wohnquartieren auf sich zu ziehen.

Berner Zeitung

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