«Das Heim ist ein Nischenprodukt»

Ranflüh

Viel wurde in den letzten Jahren in die Modernisierung des Dändlikerhauses investiert. Kürzlich ist das Angebot um einem Rundweg ergänzt worden. Trotzdem: Das Altersheim habe das Privileg, klein bleiben zu dürfen, sagen die Verantwortlichen.

Unterwegs auf dem Rundweg in der Hoschtet des Dändlikerhauses in Ranflüh: Die Heimbewohner Käthi und Fritz Krähenbühl sowie Hedwig Strasser (links).

Unterwegs auf dem Rundweg in der Hoschtet des Dändlikerhauses in Ranflüh: Die Heimbewohner Käthi und Fritz Krähenbühl sowie Hedwig Strasser (links).

(Bild: Thomas Peter)

Das Dändlikerhaus in Ranflüh wächst und wächst. Diesen Eindruck erweckt zumindest die rege Bautätigkeit der letzten Jahre. 2002 wurde ein moderner, einstöckiger Holzpavillon an die schmucke Liegenschaft aus dem Jahr 1908 angebaut.

Separiert wurden die beiden Gebäudeteile durch einen auffälligen, roten Treppenhausturm. Zehn Jahre später, 2012, nahm das Alters- und Pflegeheim den nächsten grossen Umbau an die Hand: Der Pavillon wurde um eine Etage aufgestockt. Zwei Millionen Franken waren dafür vorgesehen. 2013 war die Erweiterung abgeschlossen.

Rollstuhlgängiger Weg

Und damit nicht genug: Letzten Sonntag gab es wieder eine Einweihung. Die Hoschtet ist mit einem Rundweg für die Bewohnerinnen und Bewohner erschlossen worden. Ein asphaltierter, darum rollstuhlgängiger Weg führt an Apfelbäumen, Sitzbänken und Gärten vorbei und soll Bewohner und Gäste gleichermassen zum Spaziergang animieren.

Das sei ein Gewinn für die Pflegebedürftigen, sagt Heimleiter Erich Hurni: «Unsere Bewohner sind in der Emmentaler Umgebung aufgewachsen. Sie sollen in der Hoschtet den Wechsel der Jahreszeiten miterleben können.» Spaziergänge im Dorf seien wegen des Landwirtschaftsverkehrs und der fehlenden Trottoirs manchmal eine Herausforderung.

Am Dändlikerhaus soll auch in Zukunft gebaut werden. Als Nächstes stehen laut Erich Hurni die Sanierung der Fassade sowie des in die Jahre gekommenen Lifts am Hauptgebäude an. «Die Planungen haben schon begonnen», sagt Verwaltungsratspräsident Peter Merz.

Kein Luxus

All die Pläne und Investitionen lassen die Frage aufkommen, ob das Dändlikerhaus auf Wachstumskurs ist. Soll in Ranflüh etwa eine grosse Institution wie zum Beispiel Dahlia in Langnau entstehen? Hurni und Merz winken ab. «Wir dürfen klein bleiben. Das ist ein Privileg.» Denn trotz aller Umbauarbeiten: Das Dändlikerhaus gehört mit seinen 21 Bewohnern sowie rund 35 Angestellten zu den kleineren Heimen. Mit den Erweiterungen sind keine zusätzlichen Zimmer geschaffen worden, vielmehr erhielten die Bewohner mehr Platz.

Die Zimmer entsprechen nun den kantonalen Richtlinien – luxuriös seien sie aber nicht: «Wir wollen in die Betreuung, nicht in Beton investieren», so der 53-jährige Erich Hurni. Die Bewohner würden die meiste Zeit des Tages ausserhalb der Zimmer bringen und einer Aktivität nachgehen.

«Auf den Zimmern sind sie eigentlich nur zum Schlafen.» Beispielsweise sei eine Person eigens damit beauftragt, nachmittags das Wohnzimmer zu betreuen, wo sich viele Bewohner und deren Gäste jeweils aufhalten.

Mit diesem Fokus auf die Aktivierung unterscheide sich das Dändlikerhaus von vielen anderen Institutionen, ist Heimleiter Hurni überzeugt. Auch wenn die Bewohner nicht mehr so stark eingebunden werden könnten wie etwa in den 1980er-Jahren, als das Haus vom Charakter her ein Dienstbotenheim gewesen sei. «Sie treten heute, wie in anderen Institutionen auch, tendenziell in einer späteren Lebensphase ins Heim ein», führt er aus.

Dieses Konzept mache das Dändlikerhaus zum «Nischenprodukt», ist sich Verwaltungsratspräsident Peter Merz sicher. Es gehe familiär zu und her. «Haben Sie zum Beispiel bemerkt, dass wir gar keinen Empfang haben?» Und Erich Hurni ergänzt: «Es gibt hier niemanden, der sich nur administrativ mit dem Heim beschäftigt – alle Angestellten pflegen einen engen Kontakt zu den Bewohnern.»

Finanziell geht das Konzept auf. Das Heim, das sich weitgehend über Taxen finanziert, stehe gut da, sagt Peter Merz. «Die Hoschtet zum Beispiel haben wir nur zwei Jahre nach dem grösseren Umbau hergerichtet.» Und das Angebot in Ranflüh scheint auf Zuspruch zu stossen. Die Warteliste jedenfalls ist lang. «Für die braucht es einen dicken Ordner», verrät Heimleiter Hurni.

Berner Zeitung

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