Das Forum ist auf Kurs

Sumiswald

Ein neuer Chef und zusätzliche Zimmer: Die ­Zukunft des Polysportzentrums sieht gut aus. Optimismus ist seit 20 Jahren der einzige Schlüssel zum Erfolg. Denn grosse Schritte sind und waren nie möglich.

Markus Bannwart ist seit Anfang Juni Geschäftsführer. Er sieht vor allem in der Gastronomie noch Potenzial.

Markus Bannwart ist seit Anfang Juni Geschäftsführer. Er sieht vor allem in der Gastronomie noch Potenzial.

(Bild: Thomas Peter)

Martin Burkhalter@M_R_Bu

Wenn eines in diesem Land heiliger ist als alles andere, dann ist es der Sport. Kaum etwas geniesst eine so unumstössliche Daseinsberechtigung wie das aktive, schweisstreibende Freizeitvergnügen. Eine der Stätten für die Bewegungshungrigen steht gleich unterhalb des Schlosses Sumiswald. Fest, gross und verschachtelt thront es zwischen Fluss, sanften Hängen und aufgeräumtem Emmentaler Wald: das Forum Sumiswald.

Die Logiernächte

Seit 1998 gibt es diesen Tempel des Sports nun bereits. Heute arbeiten dort 70 Personen. Der Stellenetat beträgt 25 Vollzeitstellen. Der jährliche Umsatz beläuft sich auf 2,4 Millionen Franken. Wie ein Hochseetanker kämpft sich das Polysportzen­trum seit seinen Anfängen durch die Jahre: stetig, aber auch etwas schwerfällig. Das weiss gerade ­Sabine Baumberger, seit fünf Jahren für die Finanzen zuständig. Sie sagt es so: «Grosse Sprünge sind nicht möglich.» Der Betrieb könne aber kostendeckend geführt werden. Vor allem das Hallenbad und die Technik kosteten sehr viel Geld.

Unterhalt und Instandhaltung der gesamten Anlage seien massiv, sagt Baumberger – sie spricht von bis zu 20 Prozent des Umsatzes. Und weil es auch keine Beiträge von Bund und Kanton gibt, müssen es mindestens 16 000 Logiernächte sein, um diese Kosten zu decken. Im vergangenen Jahr waren es ­etwa 16 800. Heuer sind es bereits 19 000. Die Kunst bestehe darin, so Baumberger, die Anlagen stets so gut wie möglich auszulasten und so den Tanker auf Kurs zu halten. Grössere Investitionen seien ohne Fremdkapital nicht möglich.

Auch wenn die Rechnung stets knapp ist, ist das Forum letztlich zur Erfolgsgeschichte geworden, gerade für die Region. Sportvereine aus der ganzen Schweiz pilgern jahrein, jahraus nach Sumiswald. Schon nur das eidgenössische Jugend-und-Sport-Förderprogramm (J + S) führt jedes Jahr im Forum bis zu 20 Lager durch. Der Nachwuchs der Young Boys kommt hier ins Trainingslager, genauso wie etwa Unihockeyteams aus der 1. Liga bis hin zur NLA, Hornusservereine, Schwinger, Kletterer, Schwimmer, Kegler, Tänzer, Bogenschützen, Volleyballspieler.

Auch der Behindertensport ist regelmässig zu Gast. Kaum eine Art von helvetischem Sportverein, der nicht für ein langes Wochenende, ein Lager oder ein Bootcamp ins mittlere Emmental kommen würde. Sumiswald ist durch das Forum zu einer Art Pilgerort der sportbegeisterten Schweiz geworden.

Die Gemeinde

Auch Gemeindepräsident Fritz Kohler ist voll des Lobes. Das Forum sei nicht nur für die Gemeinde ein wesentlicher Player im Standortmarketing. Es sei auch ein wichtiger Arbeitgeber und Leistungserbringer in den Sparten Sport, Kultur, Gesundheit, Freizeit und Gastronomie. Die Hallenschwimmanlage sei kinderfreundlich, werde auch von Familien aus der weiteren Umgebung genutzt. Das Gespräch mit den Tourismusverantwortlichen der Gemeinde über mögliche Zusammenarbeitsformen werde bereits ­geführt, so Kohler. Sumiswald ist Hauptaktionärin des Forums und leistet einen Betriebsbeitrag für das Hallenbad von 150 000 Franken pro Jahr.

Die Krise

So positiv konnte nicht immer über das Sportzentrum gesprochen werden. Der Bau des Forums kostete etwa 23 Millionen Franken. 1998 wurde es eröffnet. Bereits 2003 musste der Gründerverein Pro Forum Sumiswald jedoch ein Gesuch auf Nachlassstundung einreichen. Ein zu hoher Anteil an Fremdkapital hatte ihm das Genick gebrochen, wie es Hans Haslebacher, damaliger ­Sumiswalder Gemeindepräsident, ausdrückt.

«Die Bevölkerung hätte es aber nicht goutiert, wenn nichts unternommen worden und das Forum im schlimmsten Fall zur Bauruine verkommen wäre», sagt er. Eine Auffanggesellschaft in Form einer Aktiengesellschaft hat den Betrieb dann gekauft. Laut Haslebacher konnte das Forum für 1,4 Millionen Franken aus dem Nachlass übernommen werden.

Auch er spricht heute von einer Erfolgsgeschichte. «Als Sumiswalder wird man schweizweit öfters auf das Forum angesprochen», sagt er.

Der Neue

In den vergangenen Monaten ist im und um das Sportzentrum einiges geschehen. So wurde für etwa eine Million Franken ein Neubau realisiert. Seit Beginn der Sommersaison kann das Forum nun 24 zusätzliche Betten anbieten. Seit Anfang Juni gibt es auch einen neuen Chef. Er heisst Markus Bannwart, wohnt in Oberburg und ist 54 Jahre alt. Die vergangenen sieben Jahre leitete er die Hotellerie und Gastronomie bei der Berntor Pflegeheim AG in Thun und war Heimleiter in Seftigen. Bannwart folgt auf Cornelia Schnell, die nach acht Jahren aus gesundheitlichen Gründen gekündigt hatte.

Bannwart ist erst dabei, sich einzuleben, wie er sagt. Der Sportbereich sei bereits ziemlich ausgelastet. Viel liege dort, zumindest ohne grosse Investitionen, nicht drin. Potenzial sieht er aber in der Gastronomie. So will er etwa von 08/15-Menüs zu ­auserlesener, regionaler Küche wechseln und künftig auch Tischservice anbieten, um das Forum so auch in der lokalen Gastro­szene bekannter zu machen.

Fünf Prozent des Umsatzes macht das Zentrum im Seminarbereich. Jedes zweite Jahr findet zudem die Generalversammlung der Raiffeisenbank statt. In beiden Segmenten sieht Markus Bannwart zusätzliche Einnahmequellen. Geld, um die grosse, träge Maschine am Laufen zu ­halten.

Berner Zeitung

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