Das Ende eines Hauses

Oberburg

Das ehemalige Gebäude und die Werkstatt von Kurt Schaffer mussten weichen, weil sie im Fall eines Hochwassers im See hinter dem Schutzdamm versunken wäre.

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36 Jahre hat Kurt Schaffer im Haus an der Lauterbachstrasse 19 gewohnt und gearbeitet. Die Werkstatt war zwar alt, aber sauber und zweckmässig eingerichtet, alles hat funktioniert. Für den heute 66-Jährigen hätte es keinen Grund gegeben, von diesem direkt am Lauterbach gelegenen Haus wegzuziehen.

Dass er dies in den letzten Wochen trotzdem tun und seine Wohn- und Arbeitsstätte an einen anderen Ort in Oberburg verlegen musste, hat nur einen Grund: das Hochwasserschutzprojekt. Dieses wird in den nächsten zweieinhalb Jahren im Lauterbachtal realisiert. Budgetiert sind Kosten von 14,8 Millionen Franken.

Zentrales Bauwerk ist das Hochwasserrückhaltebecken im Gebiet Sandspach. An der engsten Stelle des Tals wird ein 11,5 Meter hoher und 80 Meter breiter Damm gebaut. Dieser sorgt dafür, dass der Bach bei einem ­sogenannten Jahrhunderthochwasser nicht ungebremst talwärts fliesst und in Oberburg und Burgdorf zu Überschwemmungen führt.

Das Zurückhalten des Wassers hat allerdings zur Folge, dass sich hinter dem Damm ein See mit einem maximalen Volumen von 163'000 Kubikmeter und einer Länge von mehreren Hundert Metern bilden würde. In den Fluten dieses temporären Gewässers wäre das Haus von Kurt Schaffer versunken. Deshalb musste er umgesiedelt werden.

Wenige Hundert Meter entfernt hat der Betreiber einer Reparaturwerkstatt an der Krauchthalstrasse 104 eine von der Schwellenkorporation erworbene und umgebaute Liegenschaft beziehen können.

Keine Wehmut

Leicht gefallen ist Kurt Schaffer dieser Umzug nicht. Dass er sein ruhig gelegenes Haus abseits einer viel befahrenen Strasse sowie die lieb gewonnene Umgebung habe verlassen müssen, «reut mich», sagt er auf Anfrage. Trotzdem sei er in den letzten Tagen ab und an an seinem bisherigen Wohnort gewesen und habe die Abbrucharbeiten verfolgt. Von Wehmut mag Schaffer nicht sprechen: «Ich habe mich damit abgefunden.»

Als langjähriges Vorstandsmitglied der Schwellenkommission ist er mit dem Hochwasserschutzprojekt vertraut. Deshalb sagt er: «Der Bau des Dammes lässt sich an diesem Ort am besten realisieren.» Ende 2020 soll dieser fertiggestellt und damit das Dorf sowie das Burgdorfer Schlossmattquartier vor Überschwemmungen sicher sein.

Asbestsanierung war nötig

Jetzt ist der Abbruch des ehe­maligen Wohn- und Werkstatt­gebäudes von Kurt Schaffer im Lauterbachtal beendet. Bei den Arbeiten sei alles gut gegangen, erklärte Fritz Krähenbühl gestern auf Anfrage. Die Materialien des abgebrochenen Hauses seien separiert und entsorgt worden, ergänzte der Senior der Krähenbühl Bau GmbH in Oberburg. Das Holz werde geschreddert. Backsteine und Beton würden rezykliert und könnten danach zum Beispiel für Kofferungen wiederverwendet werden. Bevor die Baufachleute ihre Arbeit hatten aufnehmen können, fand eine Asbestsanierung statt.

Berner Zeitung

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