Er geht in Pension und häufiger nach Berlin

Langnau

Über zwanzig ­Jahre lang führte Hanspeter Buholzer das Werbebüro ­Publiform in Langnau. Aber er hat auch die Fasnacht, das Kino in der Kupferschmiede und den Cartoon-Weg ins Leben gerufen. Jetzt hört der 65-Jährige auf.

Premiere als Alleindarsteller: Hanspeter Buholzer trat letzten November im Kellertheater Langnau auf.

Premiere als Alleindarsteller: Hanspeter Buholzer trat letzten November im Kellertheater Langnau auf.

(Bild: Daniel Fuchs)

«Im Emmental ist man schon ein Paradiesvogel, wenn man einen Hut trägt», sagt einer, der nie ohne Kopfbedeckung aus dem Haus geht. Im Käpt’n Holger, dem ehemaligen Caffè Elite, wurde für Hanspeter Buholzer eigens ein Huthalter an die Wand montiert. Das Restaurant hat er auch als Treffpunkt für das Gespräch mit dieser Zeitung ausgewählt.

Denn sein Büro an der Dorfstrasse 5 hat er vor einigen Tagen geräumt. Dort gründete er 1991 mit 100 Franken in der Kasse das Werbe-, Kommunikations- und Grafik­büro Publiform Text & Gestaltung. Dass er nun auf Ende 2017 sein Büro auflöste, hat einen simplen Grund: Hanspeter Buholzer feierte Mitte Dezember seinen 65. Geburtstag und hat somit das Rentenalter erreicht.

Doch trotz Pension, die Internetseite von Publiform besteht noch. Dort beschreibt er sich selbst mit diesen Worten: «Hans­peter Buholzer, geb. 1952, ab­solvierte eine Lehre als Schriftsetzer. Der gebürtige Basler ist verheiratet, Vater von zwei wohl geratenen Kindern und führt seit bald dreissig Jahren ein unauf­fälliges Leben im Emmental, wo er versucht, mit der Herstellung von Druckerzeugnissen seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Er sammelt auch Schneekugeln.»

Kein Unbekannter

Wobei die Aussage mit dem «unauffälligen Leben» für ihn wohl stimmen mag, doch es ist zweifelsohne auch eine Frage der Interpretation. Denn Hanspeter Buholzer ist kein Unbekannter. Seit vielen Jahren taucht sein Name immer wieder in den Medien auf. Dies, weil er in regelmässigen Abständen neue Projekte in Angriff genommen hat.

Sein erstes Werk war die Fasnacht in Langnau. Vor über zwanzig Jahren hat er sie aus dem Dornröschenschlaf geholt. Nicht alle seien begeistert gewesen, erinnert er sich. «Die Fasnacht gehört nicht ins Emmental», so der Tenor einiger Leute. Doch Buholzer, der als Basler mit dem närrischen Treiben aufgewachsen ist, liess sich nicht beirren. «Die Fasnacht wieder zu beleben war für mich einfach», sagt der Familienvater. Nicht etwa weil er ein Profi gewesen sei, nein, weil die Leute keine Ahnung davon gehabt hätten. «so hatte ich freie Hand».

Von guten Leuten umgeben

Ein weiteres Projekt war die Mitbegründung der Kinogenossenschaft Langnau. Damals war die Kupferschmiede noch nicht umgebaut, und die ersten Filme wurden aus dem Kohlelager in die Halle projiziert. Es war auch Buholzer, der mit anderen Gleich­gesinnten das heutige Open-Air-Kino im Trubschachener Hof 3 ins Leben gerufen hat. Das Multitalent moderierte einen Witzabend im Hirschen und legte im Elite als DJ im «Altersturnen» auf, einer Disco für Leute ab 40. Am gleichen Ort leitete er als Talkmaster den Elite-Talk mit Langnauer Persönlichkeiten und führte eine Lesung aus dem von ihm herausgegebenen Telefonbuch «Ueli» durch. Er ist Herausgeber und Autor der Bücher «Holzbrücken im Emmental» und «Immortalis – Prominenz auf Schweizer Friedhöfen». Und der 65-Jährige war Initiant des Wanderwegs «Haus und Hof», des Langnauer Liebespfades und des Cartoon-Weges. «Ich hatte immer gute Leute, die mich unterstützten und mitmachten», erklärt Buholzer seinen Erfolg.

Solokarriere ist nicht das Ziel

Als die Realitysendung «Big Brother» aufkam, stellte er einen Wohnwagen vor das Elite und machte es dem TV-Privatsender nach. Im «Pig Brother» sassen Leute und ein Meerschweinchen für einen Abend auf engstem Raum zusammen. Das Geschehen wurde im Restaurant live auf eine Leinwand übertragen. Auch als Mitglied des Theater- und Kunstvereins stand er oft als Schauspieler auf der Bühne. Im vergangenen November hatte er seine Premiere als Alleindar­steller im Kellertheater Langnau mit dem Monolog «Der Liftverweigerer».

Doch eine Solokarriere als Schauspieler strebt er nicht an. Bei Bedarf würde er aber wieder im Theaterverein mitspielen, sagt Hanspeter Buholzer. Jedoch für eine Rolle, die nur einen einzigen Satz beinhalte, wie: «Sie haben geläutet, Sir?», wäre er nicht mehr zu begeistern. Da käme die Rolle als jugendlicher Liebhaber schon eher infrage, sagt er in seinem Basler Dialekt und lacht dabei verschmitzt.

Eine glücklose Partei

Wer mit Hanspeter Buholzer spricht, merkt schnell, er hat Humor und nimmt sich selbst nicht zu ernst. Auch die Geschichte, wie er vor über dreissig Jahren als junger Linker in Langnau mit Gleichgesinnten die Partei «Kleine Liste Emmental» gründete, erzählt er mit einer Prise Witz. Sie hätten für den Grossen Rat wie auch für den Nationalrat kandidiert. Doch nach einigen Flügelkämpfen sei die Partei aufgelöst worden. Seither ist er parteilos. «Wenn es eine Partei links der SP geben würde, wäre ich dort», sagt Buholzer, der jeweils für die Langnauer Sozialdemokraten die Wahlprospekte kreierte.

«Wenn es eine  Partei links der SP geben würde, wäre ich dort.»Hanspeter Buholzer

Und beim Stichwort SP nennt er einen Wunsch, weil nach dem Rücktritt des langjährigen Gemeindeprä­sidenten die Treppe zur Kirche zur Bernhard-Antener-Treppe unbenannt wurde. «Wenn Bärnu eine Treppe erhält, will ich einen Kreisel», meint er augenzwinkernd. Doch bis es so weit ist, verfolgt Buholzer weitere Buchprojekte und wird sich häufiger als bisher mit seiner Frau Regina in Berlin aufhalten. Dort, wo er einst als junger Mann oder, wie er sagt, als «junger Linker» zwei Jahre lebte.

Berner Zeitung

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