Das Ende bleibt vorderhand offen

Vor 20 Jahren fand das erste Internationale Cartoon-Festival Emmental in der Kupferschmiede in Langnau statt. Ein Blick zurück.

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Am Freitag, 28. August 1998, war in der BZ zu lesen: «Cartoons von seriösen Witzbolden».

In der Kupferschmiede in Langnau hatte das erste Internationale Cartoon-Festival Emmental seine Türen geöffnet. Initiant des Anlasses war der Verein Paragraph Cartoon, eine «Zweigstelle» des Kulturvereins Paragraph K. Von Anfang an dabei waren unter anderen Daniel Wenger und Grafiker Reto Mettler, der als künstlerischer Leiter amtete. Erster Festivaldirektor war Cartoonist Jürg Kühni. Er und Heinz «Pfuschi» Pfister, der für die «Wochen-Zeitung» zeichnete, hatten die Idee zum Happening. Nebst demjenigen in Langnau gab es damals drei regelmässig stattfindende internationale Cartoon-Festivals in Europa: eines in Frankreich, eines in Irland und eines in Deutschland.

Bei der ersten Austragung vor 20 Jahren sorgte die «Büchse der Pandora» für Aufregung. In einer extra dafür angefertigten Holzkonstruktion stellten die Cartoonisten Bilder aus, die sie nicht einfach so zeigen mochten. «Lasziver, obszöner, frecher und monströser Humor» sei dort zu sehen, hiess es in der BZ. Wer nicht ganz schockresistent war, konnte sich über den grossen Rest der insgesamt 300 Zeichnungen von 70 Künstlern freuen.

Das Cartoon-Festival war ein Erfolg: Über 6000 Personen pilgerten in die Kupferschmiede – gerechnet hatte man mit der Hälfte. Aber: Keine 10 Prozent davon seien aus Langnau gekommen, erklärte Pressesprecher Daniel Wenger. Dafür reisten sie aus Bern und sogar aus Zürich an. «Das Echo war genial», freute sich Wenger. Viele Leute hätten vorgeschlagen, den Anlass zu wiederholen.

Was dann auch geschah. Dem zweiten Festival folgten ein drittes, ein viertes, ein fünftes und ein sechstes. Alle drei Jahre wurde Langnau zum Treffpunkt der Cartoon-Freunde. Der Erfolg war weiterhin da, die Zuschauer wurden mehr und mehr. 2004, zum Beispiel, zählte man deren 18 000, im Jahr 2010 gar über 21'000. Es schien, als würde es ewig so weitergehen. Doch dann kam das Jahr 2013 und mit ihm das sechste Festival. Wenger, unterdessen zum Direktor aufgestiegen, vermeldete «etwas zwischen 18 000 und 20 000» Besucher. Sie kamen aus der ganzen Schweiz, aus dem Ausland gar, nur nicht aus der Region. «Bei den Emmentalern ist das Festival immer noch nicht ganz angekommen», meinte Wenger.

Angekommen war dafür ein Teil der langjährigen Organisatoren – am Ende ihrer Kräfte. Wegen verschiedener Austritte aus dem OK müsse das Festival 2016 ausfallen, liessen die Macher verlauten. Der Anlass hatte eine Grösse erreicht, die nach professionellen Ausstellungsmachern schrie – allein schon wegen der Sponsorensuche. Um Profis anzustellen, fehlte dem Verein aber das Geld. Und ohne Profis keine Sponsoren. «Die Katze beisst sich in den Schwanz», sagte Wenger. Trotzdem wolle man die Sache nicht einfach sterben lassen.

Das möchte man eigentlich auch heute noch nicht. Ein Wiederaufleben des Festivals ist trotzdem nicht in Sicht. «Es gab da zwar einen Lichtblick», sagt Daniel Wenger auf Anfrage. Aber vorerst sei auch der wieder verdunkelt. «Wir warten weiter.»

Ein Trost bleibt den Fans des gezeichneten Humors. 2012 wurde der Cartoon-Weg an der Ilfis eingeweiht. Seither kann man spazieren und schmunzeln, jedes Jahr mit einem anderen Künstler – momentan mit Jürg Kühni. Fast ist es, als schliesse sich ein Kreis. (Berner Zeitung)

Erstellt: 28.08.2018, 12:13 Uhr

2007 zeichnete Heinz «Pfuschi» Pfister live vor Publikum. (Bild: Thomas Peter)

Serie

Was geschah vor 20 Jahren? In loser Folge werfen wir einen Blick zurück, erinnern Geschichten, die in dieser Zeitung standen, und schauen, was aus ihnen geworden ist.

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