Langnau

Das Bahnhof-Stübli geht bald wieder auf

LangnauNächste Woche geht es weiter. Der neue Besitzer des Restaurants im Langnauer Bahnhofgebäude verfügt nun über eine befristete Betriebsbewilligung. Bisher haben die SBB bei der Vermietung des Lokals keine glückliche Hand gehabt.

Noch steht an der geschlossenen Tür, das Bahnhof-Stübli sei wegen Renovationsarbeiten geschlossen. Das dürfte sich nächste Woche ändern.

Noch steht an der geschlossenen Tür, das Bahnhof-Stübli sei wegen Renovationsarbeiten geschlossen. Das dürfte sich nächste Woche ändern. Bild: Thomas Peter

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«Voraussichtlich am Montag», sagt Özgür Aram auf die Frage, wann er das Bahnhof-Stübli in Langnau wieder eröffnen werde. Was die Betriebsbewilligung anbelangt, steht der Wiederaufnahme des Betriebs jetzt nichts mehr im Weg. Regierungsstatthalterin Claudia Rindlisbacher hat Ozgür Aram bereits Anfang Woche eine befristete Bewilligung A ausgestellt.

Die Bewilligung sei ab sofort bis 31. Oktober 2017 gültig, schiebt sie nach und erklärt: «Die Befristung besteht, weil Özgür Aram keinen Fähigkeitsausweis besitzt.» Diesen müsse er in der gesetzten Frist nun erwerben, erklärt die Statthalterin.Er habe bereits mit der Ausbildung begonnen, sagt Aram. Den Mietvertrag für das Gastgewerbelokal habe er am 4. Januar 2017 unterschrieben. Starten werde er mit vier Mitarbeitenden, wovon zwei schon vorher als Angestellte der Bahnhof-Bar GmbH in dem Lokal gearbeitet hätten.

Er selber und sein Stellvertreter würden das Team komplettieren. Zu den Unstimmigkeiten, die die Geschäftsübergabe begleiteten und sogar die Polizei auf den Plan rief, sagt Amar lediglich: «Die frühere Wirtin hat uns nicht akzeptiert und respektiert, deshalb haben sich unsere Wege getrennt.»

Viele Wechsel

In den letzten Jahren machten die Restaurants im Langnauer Bahnhofgebäude immer wieder in negativem Zusammenhang Schlagzeilen. Zuerst wurde im Februar 2012 über der Treff-Point GmbH der Konkurs eröffnet. Diese hatte vor dem grossen Umbau des Bahnhofgebäudes das Buffet geführt.

Damals wirkte der türkische Staatsangehörige Nesimi Alver aus Zürich als Gesellschafter und Geschäftsführer. Dessen Name tauchte dann aber auch wieder auf, als die Bahnhof-Bar nach dem Umbau ihren Betrieb aufnahm.

In diesem Lokal kam es Ende September 2012 zu einem grossen Verwirrspiel. Die Bahnhof-Bar GmbH engagierte eine neue Betriebsleiterin, die das Lokal fortan unter dem Namen Bahnhof-Stübli führen sollte – und dies bis vor wenigen Wochen auch tat.

Als sie im Oktober 2012 eröffnete – notabene mit einem selber zusammengestellten neuen Team –, verlangten Mitarbeitende der vorherigen Crew, von ihr weiterbeschäftigt zu werden. Denn Kündigungen lagen keine vor, und lange war unklar, wem das Lokal nun eigentlich gehört. Dem Namen nach hätte es ein Verwandter von Nesimi Alver sein müssen, Auskünfte erteilte allerdings nach wir vor der gescheiterte Unternehmer.

SBB geben sich wortkarg

Aktuell macht stutzig, dass die Bahnhof-Bar GmbH in jüngster Zeit gleich zweimal den Besitzer gewechselt hat. Erst gehörte sie einem Hüseyin Cinar. Im Handelsregister ist seit dem 7. Februar 2017 aber ein Rolf Paul Welter aus Basel als Gesellschafter und Geschäftsführer eingetragen.

Seit dem 9. November 2016 existiert im gleichen Register unter der Adresse Bahnhofstrasse 4, Langnau, eine Ozara GmbH. Deren Zweck ist der «Betrieb eines Restaurant, die Führung einer Café-Bar, eines Bistros und eines Take-away sowie die Erbringung von Dienstleistungen und Handel im Bereich Catering und Party Service». Als Geschäftsführer fungiert Özgür Aram.

Die häufigen Besitzerwechsel und die jeweils intransparenten und mit Streitigkeiten begleiteten Übergänge erwecken ein ungutes Gefühl in der Bevölkerung. Manch einer fragt sich, nach welchen Kriterien die SBB, die das Lokal im Rohbau vermieten, Bonität und Seriosität ihrer Mieter jeweils prüfen. «Nach allen Regeln der Kunst», lautet die lapidare Antwort der SBB-Pressestelle auf eine entsprechende Frage dieser Zeitung. Bei der Vermietung ihrer Lokale gehe es dem Bahnunternehmen «um den richtigen Angebotsmix».

Weiter nehmen die SBB zu den diffusen Vorgängen im Langnauer Bahnhof-Stübli nicht Stellung.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 17.02.2017, 06:10 Uhr

Kommentar

Ein Bahnhof ist kein Hinterhof

Eigentlich müssten sich die SBB der Bedeutung eines Bahnhofgebäudes für ein regionales Zentrum wie Langnau bewusst sein. Doch bislang haben sie keine besondere Sensibilität bewiesen. So schien es den Bundesbetrieb überhaupt nicht zu kümmern, welches Bild das abgab, als jahrelang ein Lokal leer stand – bis endlich jemand kam, der bereit war, die wahrscheinlich ziemlich hohe Miete zu bezahlen, und ein Fitnessstudio eröffnete.

Auf der anderen Seite des Gebäudes, wo den Reisenden ein Restaurant zur Verfügung stehen sollte, machen aktuell nicht zum ersten Mal intransparente Geschäftsübergaben Schlagzeilen. Diese nähren Spekulationen um unsaubere Machenschaften der involvierten Geschäftsherren. Würde es sich um eine schummrige Hinterhofbeiz handeln, würde der Volksmund wohl rasch auch den Vermieter in die Verdächtigungen einbeziehen.

Bleibt zu hoffen, dass die SBB mit Özgür Aram mehr Glück haben werden als mit den Firmen der Herren Alver. Von einem Bundesbetrieb dürfte man überhaupt erwarten, dass er bei der Suche nach Mietern eine besondere Sorgfalt walten lassen würde. In Langnau war das in den letzten Jahren nicht der Fall.

Susanne Graf, Redaktorin
susanne.graf@bernerzeitung.ch

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