Damit sich der Pfarrer nicht übernimmt

Rüderswil

Der Kirchgemeinderat von Rüderswil wollte in einer Umfrage herausfinden, was die Mitglieder eigentlich von der Kirche erwarten. Nun wird der Rat darüber diskutieren, ob weniger Gottesdienste, dafür neu Filmabende angeboten werden sollen.

Die reformierte Kirche Bern-Jura-Solothurn will sich reformieren. Nur weiss sie offenbar noch nicht recht in welche Richtung. Um das herauszufinden, hat sie Vision Kirche 21 lanciert, einen Prozess, der von 2015 bis 2017 dauern soll. Im Zuge dieses Projekts war auch der Kirchgemeinderat von Rüderswil eingeladen, den Verantwortlichen der Kan­tonalkirche «die richtigen Fragen zu stellen», damit sie sich auf die Suche nach Antworten machen könne.

Doch die Rüderswiler beschlossen, ihre Energie für anderes zu investieren. «Wir wollten lieber wissen, was unsere Mitglieder über unsere Kirchgemeinde denken», sagt Ratspräsidentin Ruth Blaser. Also startete der Kirchgemeinderat eine Umfrage.

Die Mitglieder staunten

1625 Fragebogen hat er verschickt – und freudig zur Kenntnis genommen, dass 18 Prozent beantwortet wurden. Noch bevor diese Eingaben ausgewertet sind, weiss der Kirchgemeinderat von Rüderswil, dass seine Umfrage bei den Mitgliedern bereits etwas bewirkt hat: Erst als sie sich zu den einzelnen bisherigen Angeboten äussern sollten, hätten ­viele überhaupt realisiert, was die Kirchgemeinde alles anbiete, sagt Ruth Blaser.

Nebst den Gottesdiensten, kirchlicher Unterweisung, Anlässen für die Senioren, einem Jugendtreff und «Fyre mit de Chlyne» sind es etwa das Waldwerk und ein Mittagstisch. Einen Samstag pro Monat können Schüler mit Geschichten, Kochen, Essen, Basteln und Spielen im Wald verbringen. Und einmal monatlich lädt die Kirchgemeinde alle Interessierten «vom Kleinkind bis zum Senioren», so Ruth Blaser, zum Mittagstisch in die Pfrundscheune ein.

Während die Mitglieder über die Fülle der Angebote staunten, freute sich der Kirchgemeinderat über die vielen ausgefüllten Fragebögen, die eingingen. Knapp 300 Mitglieder der Kirchgemeinde äusserten ihre Meinung. 61 Prozent der Antwortenden waren Frauen, die Hälfte der Fragebogen wurden von 55-Jährigen und Älteren ausgefüllt. Immerhin aber haben sich auch knapp 60 Personen zwischen 16 und 35 Jahren Gedanken gemacht zur Kirche Rüderswil.

Der Rat will prüfen

Noch hat der Kirchgemeinderat die Antworten nicht gründlich ausgewertet. Ruth Blaser stellt aber fest, dass Gottesdienste, spezielle besinnliche Anlässe in der Advents- und Osterzeit, und seelsorgerische Gespräche als wichtig beurteilt worden seien. Allerdings hätten viele Mitglieder zum Ausdruck gebracht, es müsse nicht jeden Sonntag Gottesdienst gefeiert werden, eine Predigt alle zwei Wochen würde auch genügen. Zudem seien etwa Filmabende oder ein offenes Singen gewünscht worden.

An einer Retraite will der Kirchgemeinderat seine Schlüsse aus der Umfrage ziehen «und schauen, was wir eventuell ändern können», sagt Ruth Blaser.

Aus Sorge um den Pfarrer

Dass eine mögliche Reduktion der bisherigen Gottesdienste nicht grundsätzlich auf Widerstand stiess, dürfte der Rat erleichtert zur Kenntnis genommen haben. Denn er sei sowieso daran, den Stellenbeschrieb für das Pfarramt zu überarbeiten. «Wir müssen dafür sorgen, dass sich unser Pfarrer nicht übernimmt», sagt Ruth Blaser. Marcel Schneiter ist zu 100 Prozent angestellt und betreut die Kirchgemeinde Rüderswil alleine.

Aufgrund ihrer Mitgliederzahl hätte diese aber 120 Pfarrstellenprozente zugut, wie die Berechnungen des Kantons zeigten, auf der die neue Pfarrstellenzuteilung basiert. Doch da der Kanton den Auftrag hat, zu sparen, gibt es bloss Anpassungen in Kirchgemeinden, die reduzieren müssen. Aufstockungen gibt es keine. Deshalb sucht der Kirchgemeinderat von Rüderswil nach Möglichkeiten, wie der Pfarrer entlastet ­werden kann.

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