Dürrenroth

Broglis Traum von einer heilen Welt

DürrenrothDer Landgasthof Bären in Dürrenroth ist eine Erfolgs­geschichte, die viel mit René Brogli zu tun hat. Ein ehemaliger Gemeinderat möchte ihn deshalb zum ­Ehrenbürger machen.

Vielleicht bald Ehrenbürger von Dürrenroth: Immobilienhändler René Brogli.

Vielleicht bald Ehrenbürger von Dürrenroth: Immobilienhändler René Brogli. Bild: Thomas Peter (Archiv)

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Dort, wo heute zahlreiche Paare in einer Emmentaler Idylle ihre Vermählung feiern, stünde nichts anderes als eine Ruine – wenn es René Brogli nicht gegeben hätte.

Dieser Meinung ist Hans König. Seit 1997 in Dürrenroth wohnhaft, Gemeinderat von 2009 bis 2015 und heute 74 Jahre alt. «René Brogli hat das Dorf erst bekannt gemacht. Seinetwegen sind die Geschäfte noch da. Er hat für Arbeitsplätze gesorgt. Ohne ihn wäre Dürrenroth nicht, was es heute ist.» Aus all diesen Gründen findet Hans König, dass die Gemeinde den Aargauer Immobilienhändler und Geschäftsmann zum Ehrenbürger machen sollte. Er hat dies bereits vor drei Jahren in seiner Funktion als ­Gemeinderat vorgeschlagen – jedoch keine Mehrheit gefunden.

René Brogli, Jahrgang 1957, fühlt sich zwar geschmeichelt, findet es aber nicht nötig, dass er zu solchen Ehren kommen sollte. «Ich habe das vor allem für mich getan. Es war ein Traum, den ich mir ­erfüllen wollte.» Der Self-Made-Millionär sitzt auf der Terrasse im Schatten der Bäume «seiner» Kaltenherberge an der Landstrasse in Roggwil. Hört man ihm zu, wird schnell klar: Viel hat er getan in seinem Leben. Aber Dürrenroth hat Spuren hinterlassen. «Eigentlich war das der blanke Wahnsinn. Betriebswirtschaftlich gesehen ein absoluter Nonsens.» Brogli sagt das mit einem eigentümlichen Lächeln auf den Lippen.

Die schwarze Null

Rund 15 Millionen Franken hat er zwischen Ende der 1990er-Jahre bis 2009 in die beiden Gasthöfe Kreuz und Bären investiert. Der als Romantikhotel Bären bekannte Landgasthof ist heute einer der umsatzstärksten der Region. Viel war von Broglis Wüten und Walten in Dürrenroth in dieser Zeitung zu lesen. Immer war da aber auch dieser Unterton, dass er es nicht leicht hatte mit der Gastrobranche.

Mehr als eine schwarze Null lag laut Brogli nie drin. Das Gastrozentrum, wie es damals genannt wurde, war fast immer defizitär. In seinen Worten: «Eigentlich hatten wir nur grosse bis etwas weniger grosse Probleme.» Einen Tiefpunkt erlangte die Geschichte, als er mit seinem damaligen Geschäfts­führer auch noch vor den Richter treten musste. Die beiden konnten sich dann aber auf einen Vergleich einigen.

Schutz unter Giebeldächern

Ziemlich genau vor zehn Jahren zog sich Brogli aus der Gastrobranche zurück. Seither kümmern sich Volker Beduhn und seine Frau Chantal um den Betrieb, der in diesem Jahr zur besten Hochzeitslokalität der Schweiz erkoren wurde (wir berichteten). René Brogli sitzt heute noch im Verwaltungsrat der Bären Dürrenroth AG. Nur wenn es um grössere Umbauten geht, bestimmt er noch mit. Sonst hält er sich raus.

«Eigentlich war es eine Bruchbude ohne Zukunft»René Brogli über den Gasthof Kreuz

«Beduhns haben es wirklich geschafft, aus dem Landgasthof eine heile Welt zu machen, eine Idylle», sagt Brogli. «Keine Wunder, dass sich dort die Menschen gerne das Jawort geben. Die Zusammenarbeit innerhalb des Dorfes ist harmonisch. Das schafft Vertrauen.»

Heile Welt. Das war der Traum, den er sich erfüllen wollte. Und das Emmental gab den Anstoss. Mit dem Militär hatte es ihn in den 1970er-Jahren in die Region verschlagen. Er erinnert sich noch gut daran, wie er in der einen oder anderen regnerischen Nacht unter den weiten Giebeldächern der Bauernhäuser Schutz fand und dachte: Das fühle sich wie Heimat an.

Das Inserat in der «Tierwelt»

Jahre später, der gelernte Möbelschreiner hatte bereits im Aargau einen Gasthof gekauft, sah er im Magazin «Tierwelt» ein Inserat: «ein Rohdiamant von einem Landgasthof im Emmental zu verkaufen». Gemeint war der Gasthof Kreuz. «Eigentlich war es eine Bruchbude ohne Zukunft», erinnert sich Brogli. «Ein Ort, wo die Menschen die Getränke nur in Flaschen kauften, weil es der damalige Wirt mit der Hygiene nicht so genau nahm.» Aber er sah im Gebäude eben auch die traumhafte neubarocke Grundstruktur, wie er sagt.

Er kaufte den Gasthof für eine halbe Million Franken. Später kam auch noch der Bären dazu, der sich damals in Konkurs befand. Über die Jahre und gemeinsam mit der Denkmalpflege baute ­René Brogli die beiden Gasthöfe nach und nach um, mithilfe von Handwerkern aus der Umgebung, wie er betont.

Auch einige der Schmuckstücke für die Inneneinrichtung fand er in der Region. Den Leuchter des Belle-Epoque-Saals etwa fand er in den Katakomben des Langenthaler Friedhofs. Der Kachelofen stammt aus dem Schloss Thunstetten. Das Buffet gehörte einst zum Bahnhofrestaurant in Herzogenbuchsee.

«Mir ging es um die Verwirklichung von Schönheit. Das war meine Utopie.»René Brogli

«Es gibt drei Gruppen in dieser Branche», sagt Brogli. Familien, die einen traditionellen Betrieb über Generationen hinweg führten. Dann gebe es die Neureichen, die solche Hotels nur als Statussymbol kaufen würden. Zuletzt gebe es solche wie er, aus weniger begüterten Familien, die Träume und Utopien und ein Gespür dafür hätten, aus nichts Geld zu machen. «Mir ging es um die Verwirklichung von Schönheit. Das war meine Utopie», sagt er.

Bleibt die Frage, ob er denn zufrieden sei. Wenn man den Anspruch, die Investitionen jemals decken zu wollen, weglasse, dann ja. «Wenn ich durch Dürrenroth gehe, bin ich schon stolz», sagt Brogli. «So etwas kann dir dann niemand mehr nehmen.»

Prüfen auf Antrag hin

Auch Gemeindepräsident Andreas Minder anerkennt Broglis Vermächtnis. «Meiner persön­lichen Meinung nach hat René Brogli in der Tat viel für die Gemeinde und das Dorfbild getan. Da gibt es nichts zu diskutieren», sagt er. Aber dahinter stünden ja auch immer wirtschaftliche Interessen, weshalb die Frage offenbleiben müsse, ob das für eine Ehrenbürgerschaft genüge. «Wenn jemand aber einen offiziellen Antrag stellt, werden wir das sicher prüfen.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 05.08.2018, 14:17 Uhr

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