Bernisch-Kantonales: Der letzte Test, bevor es ernst gilt

Utzenstorf

Auch die Ehrendamen müssen trainieren. Schliesslich sollen sie am Sonntag das Bernisch-Kantonale Schwingfest möglichst ohne Missgeschicke verschönern.

Besichtigung des Schwingplatzes: Schritt für Schritt gehen die Ehrendamen ihre Aufgaben beim Schwingfest durch.

Besichtigung des Schwingplatzes: Schritt für Schritt gehen die Ehrendamen ihre Aufgaben beim Schwingfest durch.

(Bild: Olaf Nörrenberg)

In Alltagskleidern haben sich 13 junge Frauen auf dem Festgelände um Rahel Berger versammelt. Sie ist ihre Betreuerin und führt Regie, was den Auftritt der Ehrendamen am Schwingfest in Utzenstorf anbelangt. Bevor es ernst gilt, werden die Einsätze der neben den Schwingern wichtigsten Akteurinnen geprobt.

Ähnlich wie Namensvetterin Karina Berger bei den Misswahlen bereitet die amtserfahrene Rahel Berger ihre Schützlinge auf den grossen Auftritt vor. Sie weiss genau, wie es geht, hatte sie 2013 doch Schwingerkönig Matthias Sempach krönen dürfen. Denn wer möchte sich schon unter den Augen von Tausenden Zuschauern, Fotografen sowie vor den Fernsehkameras blamieren und einen Fauxpas begehen.

Die Frauen begleiten Honorationen, Fahnenträger und Schwinger während des Festakts in die Gotthelf-Arena. Sie verteilen Mahlzeitenbons und Programme, erteilen Auskunft und geben dem Anlass mit ihrem schmucken Aussehen ein festliches Gepräge, wobei sie natürlich als häufige Fotosujets dienen.

«Frisch gewaschene Haare sind schwer zu frisieren.»Rahel Berger, Betreuerin der Ehrendamen

Und dann das Wichtigste: Sie krönen die besten Schwinger mit dem legendären Eichenkranz und gratulieren ihnen mit drei Wangenküsschen. Ein äusserst emotionaler Moment, wie Rahel Berger sagt.

Im Takt marschieren

Vorerst gilt es sich mit Statisten zusammen in Marschformation in Viererkolonnen aufzustellen. Dann der Einzug beim Festakt: «Eins, zwei, eins, zwei» dirigiert Otto Seeholzer, Mitglied des erweiterten OKs, «weder schlurfen noch trippeln, sondern im Takt der Blasmusik marschieren.»

Und den Mund halten, kritisiert er, denn die Frauen sind freudig aufgeregt, es wird viel gelacht. Nach vier Probeläufen ist er zufrieden und entlässt die Gruppe ins nahe Gotthelf-Schulhaus.

Keine Piercings und Tattoos

Hier hält Rahel Berger erst mal einen Vortrag zum Aussehen. Der Tag wird lang – er beginnt um 4.30 Uhr und endet gegen 20 Uhr. Passend zur Gotthelf-Arena tragen die Ehrendamen Gotthelftracht. Beim Anziehen und mit Accessoires wird die «Trachtenstube» behilflich sein.

Die Zöpfchenfrisur und das dezente, kamerataugliche Schminken werden Profis überlassen. Speziell der Lippenstift muss mit Fixierspray kussecht gemacht werden. «Frisch gewaschene Haare sind schwer zu frisieren», warnt Berger, hingegen empfiehlt sie am Vorabend ein Gesichtspeeling, damit das Make-up gut hält.

Piercings, Tattoos und rote Fingernägel sowie auffälliger Schmuck sind verboten, ebenso die Sonnenbrille. Tabu sind auch: Handybenutzung, rauchen und Alkohol trinken. Im Trachtentäschli sollten ein Heftpflaster und Traubenzucker nicht fehlen.

«Trinkt viel Wasser, legt in der Pause die Beine hoch, und passt auf beim Treppensteigen, denn der Rock ist relativ lang, sodass man sich leicht darin verfängt», gibt sie noch einige Hinweise. Das, obwohl alle Anwesenden schon einmal Ehrendame waren, aber nicht an einem Schwingfest.

Auf den Knien und das Haupt gesenkt: So wird beim «Bernisch-Kantonalen» der Eichenblattkranz übergeben. Rahel Berger (Mitte) zeigt, wie es geht. Bild: Olaf Nörrenberg

«Die Ehrendamensuche schalteten wir auf der Website auf, und hatten im Nu einen Haufen Anfragen» sagt Rahel Berger. Alle Kandidatinnen kommen aus der Umgebung, entstammen meist einem bäuerlichen Umfeld, sind am Schwingen interessiert und haben eine eigene, oft vererbte Tracht.

«Uns sind eine gewisse Bodenständigkeit und eine natürliche Ausstrahlung wichtig, wir wollen ja nicht verkleidete Modepuppen als Ehrendamen», sagt Rahel Berger. Und was ist mit dem Klischee, die Mädchen wollten sich einen toughen Schwinger angeln? Alle lachen, streiten aber nichts ab. «Das kommt schon vor» gibt Rahel Berger zu.

Die Krönung

Nun kommt man zur Hauptsache: der Krönung. Beim «Eidgenössischen» standen die Ehrendamen bei dieser Handlung, beim «Kantonalen» dürfen sie sitzen. Bevor es jede Kandidatin selber probiert, macht es Rahel Berger vor: Die Dame nimmt den Eichenblattkranz rechts aus der Schachtel und biegt ihn ein wenig zurecht, während der aufgerufene Schwinger – heute ein Statist – sich auf einem Knie vor ihr niederlässt und das Haupt senkt.

Nun platziert sie den Kranz, Bändel nach hinten, auf seinem Kopf. Beide stehen auf und reichen sich die Hand. Sie sagt: «Ich gratuliere dir» und küsst ihn rechts, links, rechts auf die Wange. Dabei komme man sich schon recht nahe, aber die Schwinger, versichert Berger, seien frisch geduscht.

Langenthaler Tagblatt

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