Beim dritten Anlauf stehen die Chancen gut

Kirchberg

Die Gemeinde Kirchberg will einen neuen Werkhof bauen. 2016 lehnte das Stimmvolk das Vorhaben noch ab, jetzt scheinen die damaligen Kritiker besänftigt – auch wegen eines eingeplanten Wärmeverbunds.

So soll der von der Giraudi und Partner Architekten AG geplante Neubau aussehen. Unter dem Hauptgebäude (links) ist die Heizzentrale vorgesehen.

So soll der von der Giraudi und Partner Architekten AG geplante Neubau aussehen. Unter dem Hauptgebäude (links) ist die Heizzentrale vorgesehen.

(Bild: PD)

Tobias Granwehr

Aller guten Dinge sind drei. An dieser – zugegebenermassen etwas abgedroschenen – Redewendung hält sich Kirchbergs Gemeinderat derzeit fest. Denn er hofft, im dritten Anlauf die Zustimmung für den Neubau eines Gemeindewerkhofs zu erhalten. Am 19. Mai stimmen die Kirchbergerinnen und Kirchberger darüber ab. Und dieses Mal stehen die Chancen nicht schlecht, dass es klappen könnte. So zumindest konnte die Stimmung am Informationsabend gedeutet werden.

Zu teuer und am falschen Ort

Seit Jahren steht das Thema Werkhof weit oben auf der Prioritätenliste der Gemeinde. Gemeinderatspräsidentin Marianne Nyffenegger (SVP) blickte vor den knapp 50 Anwesenden am Dienstagabend nochmals kurz zurück. Die Gemeinde habe ein bestehendes Gebäude als Ersatz gesucht, doch nichts mit einem guten Kosten-Nutzen-Verhältnis gefunden. Erwogen wurde auch ein Projekt zusammen mit der Feuerwehr. Doch diese Variante wurde von der Gemeindeversammlung im Juni 2012 abgelehnt.

Die Mehrheit bevorzugte einen Neubau auf einer gemeindeeigenen Parzelle im Industriequartier Neuhof. 2016 legte der Gemeinderat der Stimmbevölkerung dann ein Projekt vor. Dieses stiess aber auf Widerstand: Die Gegner störten sich daran, dass der Werkhof auf Industrieland gebaut werden sollte. Zudem sei das Bauvorhaben ohne Synergien zu teuer und am falschen Ort. Schliesslich sagten 55 Prozent der Abstimmenden Nein zum neuen Werkhof.

Anschliessend nahm die Exekutive einen neuen Anlauf. Denn die Notwendigkeit eines Werkhofes sei nie bestritten worden, erklärte Ivo Mössinger (BDP),Gemeinderatmit Ressort Bau. Deshalb wurde zur Nachbearbeitung des ersten Projekts eine überparteiliche Arbeitsgruppe gebildet. Das Ziel sei, bis Ende 2020 einen bezugsbereiten Werkhof zu haben, «sonst nimmt das Thema nie ein Ende».Die Gruppe sollte gemäss Mössinger zuerst nochmals alternative Standorte prüfen. Später sei das Projekt 2016 als Grundlage weiterverfolgt worden, zudem seien Zusatznutzungen abgeklärt worden, so Mössinger.

Als solche wurde ein Wärmeverbund in die Pläne aufgenommen. Abklärungen hätten ergeben, dass sich das Industriequartier sowie Teile des Unterdorfes für eine Beheizung mittels einer Heizzentrale eignen würden. Zudem könnte so dem Energiegesetz sowie dem Energierichtplan der Gemeinde entsprochen werden. Die Nachfrage nach einem Wärmeverbund sei vorhanden, das hätten eine Umfrage sowie Gespräche mit Vertragspartnern ergeben, sagte Mössinger.

Eine Vorinvestition

Klar ist nämlich, dass die Gemeinde die geplante Schnitzelfeuerungsanlage nicht selber betreiben würde. Dafür würde sie einen sogenannten Contractor (Vertragspartner) suchen, der als Investor und Betreiber auftreten würde. «Wir stellen einzig den Platz zur Verfügung.» Zudem würde die Gemeinde die Vorinvestition tätigen, indem sie den Werkhof unterkellert. Die bauliche Infrastruktur für die Heizzentrale würde 722000 Franken kosten. «Dieses Geld fliesst wieder zurück, wenn wir einen Contractor haben», erklärte Mössinger.

«Den Keller baut die Gemeinde nur, wenn bis Ende Jahr ein Vorvertrag mit einem Contractor vorliegt.»Ivo Mössinger, Gemeinderat Ressort Bau

Er stellte klar: Den Keller für die Schnitzelfeuerungsanlage baue die Gemeinde nur, wenn bis Ende Jahr ein Vorvertrag mit einem Contractor vorliege. Und werde ein Neubau abgelehnt, brauche die Gemeinde trotzdem eine andere Lösung, denn das Provisorium erfülle die heutigen Anforderungen nicht mehr.

Schliesslich kamen auch die einstigen Projektgegner zu Wort. Peter Hügli, der in der Arbeitsgruppe mitgearbeitet hat, sagte: Die Kosten seien nun tiefer, und der Neubau bilde eine Grundlage für CO2-neutrale Energie aus der Region. Das sei ein ökologisches Signal als fortschrittliche Gemeinde. «Deshalb befürworten wir nun klar die Variante mit Heizzentrale», sagte Hügli im Namen der früheren Kritiker.

In der Fragerunde drehte sich fast alles um den Wärmeverbund. Eugen Koller, der die Gemeinde in dieser Sache berät, erklärte: Es sei zwar technisch möglich, einen grossen Teil des Dorfes anzuschliessen, aber die Gemeinde habe die Vorlage nicht überladen wollen. Zudem sei es eine Kosten- und Platzfrage.

Eine Votantin fragte, warum man dem Projekt mit Wärmeverbund zustimmen solle, wenn es den meisten Leuten im Dorf nichts bringe. Auch andere Bürger wollten wissen, weshalb nicht gleich eine grössere Heizzentrale gebaut werde? Mössinger entgegnete, die Vorinvestition wäre viel höher. «Doch die Gemeinde hat auch noch andere Aufgaben zu erfüllen.»

Berner Zeitung

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