Bei schönem Wetter herrscht Hoch

Sumiswald

Die Lowag ist eines der grösseren Lohnunternehmen im Emmental. Während der Erntezeit sind die Mitarbeiter mit der Dreschmaschine und den Ballenpressen unterwegs. Im Winter sind sie oft im Wald anzutreffen.

Maschinen, Maschinen, Maschinen: Die Lowag-Inhaber Beat Oberli (l.) und Markus Widmer präsentieren ihren Fuhrpark.

Maschinen, Maschinen, Maschinen: Die Lowag-Inhaber Beat Oberli (l.) und Markus Widmer präsentieren ihren Fuhrpark.

(Bild: Olaf Nörrenberg)

Die hohen Temperaturen bescheren nicht nur Bademeistern und Glaceverkäufern viel Arbeit. Auch bei Beat Oberli klingelt ständig das Handy. «Viele unserer Einsätze sind kurzfristig», erklärt er.

Der 24-Jährige hat Anfang 2015 mit seinem Kollegen Markus Widmer (36) das Lohnunternehmen der Maschinen­gemeinschaft Widmer/Steiner übernommen und die Lowag AG gegründet (siehe Infobox). Die Firma befindet sich in den Gebäuden der ehemaligen Holzmaschinenfabrik Holmag in Sumiswald.

«Unsere Kunden befinden sich in einem Umkreis von ungefähr zwanzig Kilometern.»Beat Oberli, Inhaber Lowag AG

Auf dem Vorplatz stehen Traktoren, Ballenpressen und Lastwagen. In der grossen Halle sind zwei Mähdrescher eingeparkt. Insgesamt gehören zum Inventar vier Mähdrescher, fünf Traktoren, sechs Rundballenpressen, zwei Maispressen, drei Wickler, vier Bagger und zwei Lastwagen mit fest montierten Holzhäckselmaschinen oder Schreddermaschine. Zudem beschäftigen die beiden Jungunternehmer drei Festangestellte und sechs Teilzeitmitarbeiter.

Das Lohnunternehmen sei eines der grösseren im Emmental. «Unsere Kunden befinden sich in einem Umkreis von ungefähr zwanzig Kilometern», sagt Oberli.

Viele Ersatzteile

Ausgerückt mit den Maschinen wird meist erst gegen Mittag, «der Boden muss zuerst abgetrocknet sein», erklärt Oberli, während er erneut einen Anruf entgegennimmt. «Wir kommen gegen 17 Uhr», bestätigt er den Termin und macht eine Notiz in der Agenda.

Zeit für eine Pause bleibt Oberli nicht, ein junger Mann betritt die Halle. Der Hydraulikschlauch der Kartoffelerntemaschine sei kaputt. «Hast du mir Ersatz?», fragt der Jungbauer. Gemeinsam gehen die zwei Männer ins Untergeschoss. Dort stehen Regale prall gefüllt mit Ersatzteilen.

«Wir verkaufen nicht nur Ersatzteile, wir repa­rieren auch unsere Maschinen selber», erklärt Oberli, der wie sein Geschäftspartner gelernter Landmaschinenmechaniker ist. Gerade während der Saison sei ein gut bestücktes Lager wichtig. Denn hie und da müsse schon ein Teil ausgewechselt werden.

«Wir verkaufen nicht nur Ersatzteile, wir repa­rieren auch unsere Maschinen selber»Beat Oberli

Dass auf dem Feld bei einer Maschine ein Defekt auftritt, hat auch Marco Müller schon erlebt. Bislang habe er die Reparaturen meist selber ausführen können. Und wenn grössere Schäden aufgetreten seien, habe man sich im Team ausgeholfen, sagt Müller. Er begann 1998 bei der Ma­schinen­gemeinschaft Wid­mer/Steiner als Teilzeitmitarbeiter. Seither ist er immer mit Traktor und Ballenpresse unterwegs.

Piepsen in Führerkabine

Marco Müllers erster Einsatz an diesem Tag ist in Trachselwald. Danach gehts nach Grünenmatt und weiter nach Affoltern. Nicht immer könne er die abgemachte Uhrzeit genau einhalten, gibt er offen zu. Manchmal dauere es halt etwas länger oder auch weniger lang als angenommen, «je nachdem, wie viel Mais, Gras oder Heu es hat».

Als Müller eintrifft, ist der Landwirt noch dabei, mit dem Heuwender Schwaden zu machen. Dennoch kann Müller bereits beginnen. Es dauert nicht lange, bis in der Führerkabine des Traktors ein Piepsen ertönt. Das Geräusch signalisiert, dass der erste Rundballen fertig ist.

Er drückt einen Knopf auf dem Monitor, der auf Kopfhöhe angebracht ist. Die Heckklappe der Presse öffnet sich, und ein mit einem Netz überzogener Rundballen rollt heraus. Das ist nur eine von verschiedenen Optionen, aus denen Müller auswählen kann. Er kann via Monitor einstellen, ob er Heu, Emd, Stroh oder Silogras pressen will. Zudem sind die Grösse und die Dichte der Ballen regulierbar.

In Trachselwald presst Müller Silogras. Das Wickeln der Ballen indes übernimmt ein Arbeitskollege, der kurz nach ihm mit der Wickelmaschine auf dem Feld eingetroffen ist. Obwohl die Lowag auch über eine kombinierte Ballen-Wickel-Maschine verfügt, wird oft zuerst gepresst.

Erst in einem zweiten Schritt werden die Ballen gewickelt. Denn: «So sind wir schneller.» Schliesslich müsse er heute noch Stroh und Emd pressen, und das alles gehe mit der gleichen Maschine. So spare er nicht nur Kilometer, wenn er jeweils nicht nach Sumiswald zurückfahren müsse. «Es ist auch leichter für die Chefs, die Termine zu planen.»

Und fertig ist sie: Eine Maschine der Lowag AG spuckt einen frisch gepressten Emdballen heraus. Bild: Olaf Nörrenberg

Gut zwanzig Minuten dauert der Einsatz auf der Matte in Trachselwald. Danach sind die acht festgepressten Ballen fertig. Doch nicht immer kann Marco Müller auf einem flachen Feld arbeiten. Im Emmental hat es viele steile Flächen. «Wenn das Feld nass oder auch sehr trocken ist, können die Gefährte ins Rutschen kommen.»

Bei normalen Bedingungen könne er jedoch ziemlich steil ins Gelände fahren. Dies nicht zuletzt wegen der Doppelbereifung. «Durch die Zwillingsbereifung wird die Achslast besser auf die Fahrbahn verteilt, was mehr Halt bedeutet.»

Auch im Winter ausgelastet

Bis Ende Saison im November steht Marco Müller für das Lohnunternehmen im Einsatz. Während der Winterzeit arbeitet er wieder als Betriebshelfer auf Bauernhöfen. Er wird gebucht bei Ferienabwesenheit, Unfall oder Krankheit.

In der kalten Jahreszeit warten auch auf die Festangestellten der Lowag andere Arbeiten. Sie werden vermehrt im Wald anzutreffen sein, wo sie für Landwirte und Wärmeverbunde Holzschnitzel für die Heizungen häckseln. Eigens dafür wurde ein Lastwagen mit einer Häckselmaschine ausgerüstet. «Auch nutzen wir den Winter, um unsere Maschinen zu reinigen und zu revidieren», erklärt Chef Beat Oberli. Denn zu Saisonbeginn im Mai müsse alles wieder in Schuss sein.

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