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«Bei Fukushima musste ich weinen»

Der Klimaschutz ist in aller Munde. Junge gehen auf die Strasse, um ihre Zukunft zu sichern. Am Montagnachmittag wurde vor Gymnasiasten darüber diskutiert – mit kontroversen Aussagen.

Gebannt: Die Zuhörer blieben tatsächlich bis zum Ende der Diskussion ruhig. Ein Indiz für die Qualität der Votanten?
Gebannt: Die Zuhörer blieben tatsächlich bis zum Ende der Diskussion ruhig. Ein Indiz für die Qualität der Votanten?
Beat Mathys

«Liebe...», setzte Christian Joos an, und die Menge verstummt. Der Saal war gut gefüllt, und der Rektor des Gymnasiums Burgdorf schien überrascht, dass es so einfach ging. Es sollte den ganzen Nachmittag so bleiben.

Der Schülerrat hatte Jungpolitiker aller grossen Parteien zu einem Klimagipfel eingeladen, bei dem die Energiestrategie 2050 diskutiert wurde. Im Geografieunterricht hatte die Schülerschaft Fragen ausgearbeitet, zu denen die sechs Parteivertreter Stellung beziehen sollten.

Etwas ins Rollen gebracht

Wie bei der nationalen Strategie stand auch bei der Podiumsdiskussion die AKW-Katastrophe von Fukushima am Anfang. Als Einstiegsfrage wollte Moderator Stefan Schmid wissen, wie die Teilnehmer den Unfall damals erlebten. Alle zeigten sich geschockt. Simon Reusser von den Jungen Grünen sprach von einem «Meilenstein der Klimapolitik», Marcel Erhard (Junge BDP) hielt fest, Fukushima habe in der Klimadiskussion etwas ins Rollen gebracht. Übertroffen wurden die verhaltenen und mehrheitsfähigen Meinungen von den Emotionen der Jungfreisinnigen Saambavi Poopalapillai: «Bei der ‹Tagesschau› über den AKW-Unfall in Fukushima musste ich vor dem Fernseher weinen.» Zu nah sei ihr die Nachricht gegangen, dass Tausende Menschen ihr Dach über dem Kopf verloren hätten. Es sollte nicht die letzte Aussage von Poopalapillai bleiben, die für Aufsehen sorgte.

Dann ging es um den Atomausstieg. Fünf der sechs Anwesenden stimmten überein, dass der geplante Ausstieg eine gute Sache sei. Nur SVP-Vertreter Dominik Dummermuth vertrat die Ansicht, dass der Ausstieg überstürzt sei. Zwar sei ein solcher auf lange Sicht positiv, aber Kernkraft aus der Schweiz sei immer noch besser als AKW- oder Kohlestrom aus Frankreich oder Deutschland.

SVPler outet sich als ÖV-Fan

Nach der Kernkraft streifte die Runde bald einmal das kantonale Energiegesetz und landete bei der persönlichen Energiebilanz der Diskutierenden. Bis zur Pause sollte sich vor allem Marcel Erhard (Junge BDP) profilieren. Ganz im Gegenteil zu Lea Schmid (Junge Grünliberale) und Simon Reusser (Junge Grüne), die zu Beginn eher blass blieben. Letzterer etwa warf Dummermuth (Junge SVP) vor, er wolle neue Kernkraftwerke bauen, was dieser vehement abstritt.

Beim Verkehr dann der erste Konsens. Weniger fliegen fanden alle gut. Reusser ging gar so weit, dass man es sich nicht leisten dürfe zu fliegen. Mit dieser Einstellung scheint er an der richtigen Schule zu sprechen. Laut einer Frage aus dem Publikum benutzen Klassen des Gymnasiums Burgdorf im Vergleich zu den anderen Maturitätsschulen des Kantons am häufigsten das Flugzeug.

Während sich der SVPler als ÖV-Fan outete, kreidete die Jungfreisinnige Saambavi Poopalapillai bei ihren bürgerlichen Diskussionspartnern an, immer nur von Bürgern und nicht auch von Bürgerinnen zu sprechen. Für die Einforderung der Quotenmajuskel erntete sie ungläubige Blicke. Die Diskussion blieb aber flott. Mehrere Teilnehmer und auch Zuschauer betonten im Anschluss unabhängig voneinander, dass es Spass gemacht habe.

Mehr Junge im Parlament

Bei der Frage, wie stark der Staat eingreifen dürfe, schieden sich die Geister erneut. Während Dummermuth auf die Eigenverantwortung pochte, war die Vertreterin der Grünliberalen Lea Schmid überzeugt, dass es jetzt Massnahmen und Eingriffe brauche. Tanja Blume von der Juso appellierte vor allem daran, den grossen Unternehmen auf die Finger zu schauen, denn die verursachten zwei Drittel der Emissionen.

Und wie sehen die jungen Politiker die Zukunft? Die meisten Votanten begrüssten, dass sich die Jugendlichen mit den Freitagsdemonstrationen Gehör verschaffen wollen, und sprachen sich dafür aus, dass in der nächsten Legislatur mehr jüngere Personen im Parlament Einsitz nehmen.

Auch die eigene Mutterpartei ist dabei nicht vor Kritik gefeit, wie Poopalapillai beweist: «Wir sind nicht die falsche Partei für Klimafragen, sondern haben nur die falschen Vertreter in Bern.» Die Klimadiskussion wird nach diesem Gespräch nicht beigelegt sein, aber vielleicht half sie den Gymnasiasten, sich ihre Meinung zu bilden, denn sie werden von der Energiestrategie bestimmt betroffen sein.

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