Schangnau

Beerdigungen statt Goa

SchangnauDie Mühle ist bekannt für das Out in the Kraut. Aber das Open Air findet vorläufig nicht mehr statt. Die Besitzer setzen neu auf Veranstaltungen im kleineren Rahmen, wie das Mühli-Fest vom kommenden Wochenende.

Sprudelt nur so über vor Ideen: Daniel Buri wohnt seit 21 Jahren in der ehemaligen Mühle. Er hat hier noch einiges vor.

Sprudelt nur so über vor Ideen: Daniel Buri wohnt seit 21 Jahren in der ehemaligen Mühle. Er hat hier noch einiges vor. Bild: Daniel Fuchs

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Das Schangnau bietet Platz für ­alternative Lebensformen. «Die Leute hier haben mich von Anfang an akzeptiert, obwohl ich ein farbenfroher Freak bin», sagt Daniel Buri. Seit 21 Jahren wohnt er in der ehemaligen Mühle Schangnau, respektive im dazugehörenden Bauernhaus. In all den Jahren hat er grossen Aufwand betrieben, um gemeinsam mit freiwilligen Helferinnen und Helfern sowie den Mietern die sechs Wohnungen und die Allgemeinräume zu renovieren.

«Insgesamt wohnen heute sieben Erwachsene und sechs Kinder in den zwei Gebäuden», erklärt André Ruch. Der 38-Jährige verbringt jeweils seine Wochenenden zusammen mit seiner Tochter im ländlichen Schangnau. «Für die Kinder ist es ein Paradies hier», bestätigt Daniel Buri, selbst Vater zweier Kinder und seit 2010 Besitzer der beiden Liegenschaften.

Massenlager geplant

Damit auch andere Familien oder Naturliebhaber von dem abgeschiedenen Plätzchen direkt an der Emme profitieren können, bietet die Gemeinschaft Übernachtungsmöglichkeiten an. «Bei uns kann man gegen ein kleines Entgelt zelten oder auch in einer Jurte übernachten», sagt Buri.

Diesen Sommer hätten schon Pfadis oder Schulklassen ihre Zelte neben der Mühle aufgeschlagen. Ein WC-Wagen und einfache Duschen im Haus stehen für die Gäste bereit. Aber auch im Innenbereich soll Platz geschaffen werden: «Wir planen ein Massenlager für bis zu dreissig Personen», sagt der 48-Jährige. Das soll dann auch als Schlafgelegenheit nach Festen dienen.

Denn vor allem für Partys war die Mühle bislang bekannt. Mit Open Airs wie dem Out in the Kraut bescherte der Verein Weltenbaum dem Schangnau viele Besucher. «Auch Dorfbewohner und Gemeinderäte feierten mit.» Und die lokalen Geschäfte profitierten von den Auswärtigen: «Wir kaufen das Essen für die Open Airs wenn möglich im Dorf ein», erklärt Ruedi Kropf.

Der 58-Jährige lebt seit 8 Jahren in der Mühle und hat schon einige Feste miterlebt. So auch das letzte Out in the Kraut 2016. «Das war die erste Ausgabe, bei der wir nicht in die schwarzen Zahlen kamen», sagt Daniel Buri. Nach dem Rekordjahr 2010 mit bis zu 6000 Besuchern hätten sie kaum noch Werbung gemacht. «Die Sache wurde uns zu gross», erklärt er. Die Besucherzahl 2016 lag mit 2500 Personen dann doch weit unter den erwarteten 4000 Be­suchern.

Theoretisch habe Buri genügend Interessenten, um jedes Wochenende eine Goa-Party steigen zu lassen. «Aber wir sind kein Partytempel, wir wohnen hier und brauchen auch unsere Ruhe.» Und so werde es vorläufig kein Out in the Kraut mehr geben. Mit dem Feuerfest in Signau habe der Verein Weltenbaum aber einen würdigen Nachfolger geschaffen.

Buskers im Emmental

«Wir möchten jedoch in einem für uns angenehmen Rahmen weiterhin Kultur ins Schangnau bringen und dadurch auch Ar­beitsplätze schaffen», erklärt Buri. Als erster Event des neuen Konzepts findet dieses Wochenende das Mühli-Fest statt. Auf der grössten Bühne im ehemaligen Sägeraum und drei weiteren, kleineren werden acht Bands auftreten. «Es soll ein kleines Festival im Stil des Buskers Bern werden.»

So könnten sich auch weitere Musiker kurzfristig für einen Auftritt anmelden. «Jede Musikrichtung ist willkommen: von Funk über Ska bis zu Irish Folk und Ländlermusik», sagt Buri. Daneben sollen Crêpes, selbst gebrautes Bier, eine Bar und DJs bis zu 500 Gäste anlocken.

«Die Einnahmen aus der Kollekte fliessen dann in den Umbau des Sägeraums», sagt Daniel Buri. Denn im 200 Quadratmeter grossen Veranstaltungsraum sollen künftig Hochzeiten, Geburtstage, aber auch Beerdigungen und Scheidungen gefeiert werden. «Die vorhandene Küche, die WC- und Duschanlage sind noch sehr provisorisch», erklärt André Ruch. Ziel sei es, dass dort künftig Essen angerichtet und serviert werden und die Grossmutter an der Hochzeit ihres Enkels auf die Toilette gehen könne, ohne die Nase zu rümpfen.

An Projekten fehlt es nicht

Daniel Buri hat noch viele Ideen. Eine davon ist die vollständige Selbstversorgung. «Nebst Garten und Hühnern möchte ich auch eigene Energie gewinnen», erklärt er. Das Projekt, die alte Wasserturbine wieder in Betrieb zu nehmen, musste er aus gesetz­lichen Gründen wieder begraben. Doch die freie Energieszene habe bereits andere Gewinnungs­formen entwickelt: «Maschinen, von denen man nur träumen kann», erklärt er und möchte künftig Diskussionsrunden veranstalten, um solche Entwicklungen voranzutreiben.

Nebst seinen Tätigkeiten in der Mühle arbeitet er mit einem 80-Prozent-Pensum als Betreuer von schwer behinderten Menschen. «Noch ein Traum von mir wäre es, in der Mühle ein Pflegebett für solche Menschen anbieten zu können.» Damit auch sie sich eine Auszeit in seinem kleinen «Paradies» nehmen können.

Mühli-Fest:8. und 9. September, Mühle Schangnau.
www.muehle-schangnau.ch
(Berner Zeitung)

Erstellt: 06.09.2017, 08:31 Uhr

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