Zollbrück

Aussen alt, innen neu

Zollbrück Am 3. August geht das Wirtshaus zum Schütz wieder auf. Als Pächter wirken die Brüder Ergün und Mehmet Simsek, die schon die Pizzeria Bahnhof in Zäziwil und den Mohren in Willisau zum ­Erfolg geführt haben.

Im mächtigen, schützenswerten Ständerbau sind die Umbauarbeiten fast fertig. Bald werden hier wieder Gäste bewirtet.

Im mächtigen, schützenswerten Ständerbau sind die Umbauarbeiten fast fertig. Bald werden hier wieder Gäste bewirtet. Bild: Marcel Bieri

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Seit 2012 steht das behäbige Haus gegenüber dem Jakob-Markt in Zollbrück leer. Im Wirtshaus zum Schütz, das einst nicht zuletzt dank der grossen Garten­terrasse weitherum bekannt war, ging gar nichts mehr. Der neue Besitzer hatte nicht an die Erfolge der früheren Wirtefamilie anknüpfen können, als er den ­Betrieb 2008 übernahm (siehe Kasten).

Die Bauunternehmung Hans Schmid AG kaufte die Liegenschaft dann vor sechs Jahren und entwickelte ein Bauprojekt. 2016 verkaufte sie das Ganze der Q 86 AG, hinter der Elisabeth und Fritz Jakob, die Besitzer des Jakob-Markts, stehen.

Die Kastanienbäume blieben

Rechts neben der Wirtschaft, auf der einst grünen Fläche hinter dem Gartenrestaurant und dem Spielplatz, entstand zwischen ­Juni 2016 und Juni 2017 ein Mehrfamilienhaus mit sieben alters­gerechten Wohnungen. Diese sind allesamt vermietet.

In der zweiten Bauphase kam das Wirtshaus an die Reihe, das im Bauinventar des Kantons Bern als schützenswertes Objekt eingetragen ist. An seinem äusseren Erscheinungsbild hat sich nichts geändert. Auch die mächtigen, Schatten spendenden Kastanienbäume auf der Terrasse des Restaurants blieben stehen. Innen wurde das Wirtshaus aber von ortsansässigen Unternehmen total umgebaut und rollstuhlgängig gemacht.

Die neuen Pächter: Mehmet und Ergün Simsek (rechts).

Laut Michael Burkhard, Geschäftsleiter der PP Architektur AG in Langnau, wurde die Küche verlängert. An der Grösse der Gaststube ­wurde aber nichts geändert. Wie früher biete diese Platz für 45 Gäste, hinzu kommt ein Säli mit 32 Plätzen. Auf der Terrasse entlang des Hauses und unter den Kastanienbäumen können zudem insgesamt 100 Personen bewirtet werden.

Von Zäziwil nach Zollbrück

Im Obergeschoss über dem Restaurant wurden zwei Wohnungen eingebaut. Diese seien bereits vermietet, sagt der Architekt. Es sind Mehmet und Ergün Simsek, die künftig in Zollbrück wohnen. Sie sind es auch, die das Restaurant als Pächter betreiben werden. Sie haben sich in den ver­gangenen Jahren in der Gastroszene der Region einen Namen gemacht. Denn gemeinsam mit ihrem Cousin haben sie in Zäziwil die Pizzeria Bahnhof aufgebaut. Diese werde nun vom Cousin allein weitergeführt, erklärt Ergün Simsek.

Zusammen mit seinem Bruder will er sich auf den Aufbau des Schütz konzentrieren. Von Zollbrück aus, dem neuen Hauptsitz, wollen die beiden auch den anderen Betrieb leiten, den sie vor drei Jahren übernommen haben: den Gasthof zum Mohren in Willisau. Mit diesem seien sie letzthin in die 3-Sterne-Gastronomie aufgestiegen, sagt Ergün Simsek.

Mehr als Pizza

Die neuen Pächter der Wirtschaft zum Schütz bewerben ihr Angebot als Steakhouse und Pizzeria. Sie würden an sieben Tagen die Woche gutbürgerliche Küche anbieten, sagen sie.

Der Name Simsek war kürzlich auch in dieser Zeitung zu lesen, als die neuen Pächter des Gasthofs Löwen in Oberburg bekannt gegeben wurden. Ab Ende Jahr werden die Brüder auch dieses Lokal von Zollbrück aus leiten.

Am 3. August starten sie nun mit der Eröffnung des Schütz in Zollbrück. (Berner Zeitung)

Erstellt: 20.07.2018, 18:22 Uhr

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Infobox

1788 baute ein Hans Stalder aus Rüegsau an der Langnaustrasse 29 in Zollbrück ein Bauernhaus mit einer dazugehörenden Zeug- und Schlosserschmiede auf. 83 Jahre später fand es neue Besitzer, die darin eine Speisewirtschaft einrichteten. Nach sieben Jahren kam es schon wieder zu einem Handwechsel, wobei sich der neue Besitzer nicht lange an der Wirtschaft erfreuen konnte: 1899 verstarb er.

Sein Sohn Gottfried Affolter, Metzger von Beruf und Vater von elf Kindern, wurde als «Noterbe» eingesetzt, wie im historischen Abriss zu lesen ist, der zur bevorstehenden Wiedereröffnung zusammengestellt wurde. Bis 2001 blieb das Haus in der Familie. Erst übernahm es der Schwiegersohn Ernst Röthlisberger. Entlang des Bachs, wo heute ein Wohnblock steht, richtete er eine ungedeckte Kegelbahn ein. Seither heisst das Wirtshaus zum Schütz.

Nachdem Ernst ­Röthlisberger früh der Tuberkulose erlegen war, führte sein Bruder Hans den Betrieb mit der Witwe weiter. Vier Jahre später heirateten sie. Als «Schütz-Lisi», wie die Frau genannt wurde, gut 20 Jahre später wieder als Witwe dastand, hielt sie den Betrieb von 1955 bis 1962 mit Angestellten allein am Leben. Auf ihr Bitten hin kehrte einer der vier Söhne, Fritz Röthlisberger, dann nach Hause zurück. Zusammen mit Vreni Wüthrich, die er 1978 heiratete, führte er den Betrieb nach einem grossen Um- und Ausbau zu beachtlichem Erfolg.

Das Paar habe den Namen des Wirtshauses «weit in die Lande hinausgetragen», liest man. 2001 wollte es kürzertreten und verpachtete das Haus. Doch die neuen Wirtsleute konnten nicht an die alten Erfolge anknüpfen. Auch der Gastronom, der das Restaurant 2008 kaufte, scheiterte nach relativ kurzer Zeit. So kam es zur Übernahme durch das örtliche Bauunternehmen und zum nun abgeschlossenen Um- und Neubau. (sgs)

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