Hindelbank

Auf die Räder, fertig, los

HindelbankIm zweiten Anlauf klappte es: Am Samstag starteten zum 40. Mal die traditionellen Frühlingsrennen. Hans-Ulrich Ramseier ist Organisator der ersten Stunde und war früher selbst Radrennfahrer.

<b>Das Ende des Winters für die Velorennfahrer:</b> 122 Teilnehmer nahmen die 16 Kilometer lange Rundstrecke unter die Räder.

Das Ende des Winters für die Velorennfahrer: 122 Teilnehmer nahmen die 16 Kilometer lange Rundstrecke unter die Räder. Bild: Andreas Marbot

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Sportler müssen leiden. Der Start der Serie der 40. Hindelbanker Frühlingsrennen am 3. März musste wegen Schnee und Eis verschoben werden. Zu gross wäre die Unfallgefahr gewesen.

«Es ist erst das 4. Mal seit Beginn der Velorennen, dass sich dieser Entscheid aufdrängte», sagt Organisator Hans-Ulrich Ramseier – unter Insidern besser bekannt als «Rämsi». Am vergangenen Samstag nun sah es besser aus. Die Bedingungen für die Fahrerinnen und Fahrer waren, wenn auch nicht ideal, so doch akzeptabel.

Klamme Finger

Es ist bei leichtem Regen 10 Grad warm. Vor der Landi beim Bahnhof Hindelbank frieren 106 Männer und 12 Frauen in ihren Sporttrikots erbärmlich. Sie befestigen mit klammen Fingern die eben ausgehändigten Startnummern. «Auf der rechten Seite und an allen vier Ecken festmachen», gibt Ramseier Anweisung. Einige machen es dann trotzdem falsch, wie sich später herausstellt.

Hastig löffelt Dominik Müller noch Milchreis mit Himbeeren – erlaubtes Doping. Er kam mit Kollegen aus Uster und ist schon eine Weile unterwegs. Ein leichtes Zittern fährt durch seine Glieder. Es ist Zeit, aufs Rad zu steigen und sich zu bewegen. «Wir sind froh um diesen Testlauf, damit wir wissen, wie unsere Form nach der Winterpause ist», sagt er.

Briefing vor dem Start: Initiator und Organisator Hans-Ulrich Ramseier gibt letzte Anweisungen. Bild: Andreas Marbot

Ein Kollege fragt, ob er ihm nicht wärmere Handschuhe habe. Dann geht es an den Start ins «Erli», das etwas ausserhalb des Dorfes liegt. Der 16 Kilometer lange Rundkurs führt über Mötschwil, Rohrmoos, Unterbergental, Krauchtal, Hettiswil und zurück – über geteerte Strassen und Flurwege, wie es sich für Rennräder geziemt. Je nach Kategorie und Alter fährt man die Strecke ein- bis fünfmal.

Der Streckenchef hat über fünfzig Hinweistafeln aufgestellt, den Verkehr unterbinden durfte man nicht. Ein Dutzend Streckenposten kontrollieren den korrekten Verlauf des Rennens. Gleichwohl sei es schon vorgekommen, dass Teilnehmer sich verirrt hätten, bemerkt Hans-Ulrich Ramseier. Auch Unfälle liessen sich nicht immer vermeiden, jeder hafte für sich selber.

Nasse Strasse

Nun ist der Pulk der Elite-Amateure am Start beim Strommast angetreten. Es sind etwa 30 Mann. «Noch zehn Sekunden», sagt Rennchef Ramseier. «Seid vorsichtig, die Strasse ist nass. Dafür sind zum Glück heute keine Bauern unterwegs.» Ein Pfiff mit der Trillerpfeife ertönt, und die Fahrer brausen los – mit etwa 40 Stundenkilometern im Durchschnitt.

Es folgen in kurzen Abschnitten Hobby A, B und C, dann Frauen A und B und zuletzt eine Handvoll Schülerinnen und Schüler – selbstverständlich mit Montur und richtigen Rennrädern en miniature. Zuschauer sucht man hier aber vergebens.

Wie alles begann

Hans-Ulrich «Rämsi» Ramseier gehörte nicht zu den Frühgeförderten. Er war schon 16 Jahre alt, als er in der Elektrikerlehre sein erstes Rennrad kaufen konnte. «Es hatte nur zehn Gänge und war über 12 Kilo schwer, kein Vergleich mit den heutigen Karbon-Rennmaschinen mit bald 30 Gängen», sagt er.

«Die Rangliste erstellte ich früher selber, fahrend mit der Stoppuhr auf dem Velo.»Hans-Ulrich «Rämsi» Ramseier

Das tat seiner Faszination fürs Velofahren keinen Abbruch, von Junior bis Elite-Amateur fuhr er zehn Jahre lang ambitioniert Velorennen, immer im Radfahrer-Verein (RV) Ersigen. So kam er auf die Idee, zusammen mit einem Dutzend Kollegen die Rundstrecke – die bis heute dieselbe geblieben ist – als Training und Formtest abzufahren. Und zwar an vier Wochenenden im März, also vor Beginn der eigentlichen Rennsaison.

«Die Rangliste erstellte ich selber, fahrend mit der Stoppuhr auf dem Velo», erinnert er sich und lacht. Heute hat man dazu einen Laptop im Bus, und Gründervater «Rämsi» wird von etwa dreissig treuen Helfern unterstützt. Zwischen 100 und 200 Rennfahrer kommen aus der ganzen Schweiz, teils sogar aus Nachbarländern. Sie nutzen die Gelegenheit, die Winterstarre aus den Beinen zu strampeln.

Weitere Infos und Resultate: fruehlingsrennen-hindelbank.ch (Berner Zeitung)

Erstellt: 11.03.2018, 21:01 Uhr

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