«Auf allen Ebenen spürbar»

Die Reaktionen auf die Schliessung der drei ­Raiffeisen-Geschäftsstellen in ­Röthenbach, Schangnau und Signau bleiben nicht aus: ­Enttäuschung und Bedauern. Und eine Kampfansage.

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Die Banken in Signau und Schangnau sind für Hans-Rudolf Mosimann und Ernst Aegerter nicht weniger als ein Lebenswerk. Mosimann wurde 1981 angefragt, ob er eine Raiffeisenbank in Signau zu eröffnen mithelfe.

Er war nicht nur bei der Gründungsversammlung dabei, er wurde auch gleich als Verwaltungsratspräsident gewählt. Dieses Amt hatte er bis zur Fusion zur Raiffeisenbank Oberes Emmental im Frühling 2015 inne.

Auch Ernst Aegerter war bis zum Zusammenschluss Verwaltungsratspräsident, jedoch in Schangnau. Er hatte 1993 die Idee, das Geldinstitut in das Dorf zu holen. Gemeinsam mit fünf weiteren Initianten gelang ihm dieses Unterfangen. «Ich bin masslos enttäuscht über die Schliessung», sagt Aegerter. Und Mosimann meint: «Für mich war die Nachricht ein Schock.»

Bedauern äussern sowohl Matthias Sommer als auch Beat Gerber. Der Gemeindepräsident von Röthenbach ist wie sein Schangnauer Kollege jedoch nicht überrascht. Gerber meint, es sei eine Tatsache, dass viele Leute elek­tronisch unterwegs seien. «Eine Zeiterscheinung.» Immerhin sei diesmal ein schneller Entscheid gefallen, während in ähnlich ge­lagerten Fällen sich das Ganze lange hingezogen habe.

Ein «Trostpflästerli»

Dass nun die kleineren Geschäftsstellen geschlossen würden, sei nichts als eine logische Konsequenz, sagt Sommer, die sich bereits bei der Fusion abgezeichnet habe. Dass noch nicht mal der Bancomat im Dorf bleibe, sei jedoch bitter. Als «Trostpflästerli» bezeichnet er die Bäckerei-Lösung: Bargeld künftig dort abzuholen, funktioniere ja nur zu Geschäftsöffnungszeiten.

Am Montag wird sich der Röthenbacher Gemeinderat beraten. Ohne der Diskussion im Rat vorgreifen zu wollen, sagt Sommer: «Wir werden versuchen, den Bancomaten zu retten.» Die Schliessungen weckten Ängste. «Wir spüren den Abbau auf allen Ebenen.»

Er sei erschrocken, als er von den bevorstehenden Schliessungen gehört habe, sagt der Signauer Gemeindepräsident Martin Wyss. «Für das Dorf ein Verlust, das ist Fakt.» Umso mehr, als auch die Post angekündigt habe, sich zurückzuziehen.

Betriebswirtschaftlich sei die Argumentation der Bank allerdings nachvollziehbar, stellt der Unternehmer fest. Weil die Valiant-Bank im Dorf einen Bancomaten betreibt, hat die Raiffeisen Oberes Emmental nicht nach einer Alternative gesucht. Wyss sagt, er habe eine Zusammenarbeit der beiden Banken zu prüfen vorgeschlagen, um so diese Bargeldquelle abzusichern.

Teurer Bezug beim Beck

Anita und Andreas Wüthrich sind Inhaber der Bäckerei Bieri und betreiben in Schangnau und in Röthenbach je ein Geschäft.

Neu können die Bankkunden an beiden Standorten mit einer Maes­tro- oder einer Kreditkarte Bargeld bis maximal 500 Franken pro Tag beziehen, jedoch werden pro Transaktion 4.50 Franken verrechnet. Die Verantwortlichen der Raiffeisenbank seien auf sie zugekommen, erklärt Anita Wüthrich.

Zugesagt hätten sie, damit die Bevölkerung im Notfall Bargeld holen könne. Andreas Wüthrich verhehlt nicht, dass im Dorf die Angst bestehe, dass durch den Wegzug der Bank die einheimischen Geschäfte leiden würden.

Berner Zeitung

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