Auch Utzenstorf denkt darüber nach, einzusteigen

Untere Emme

Die Gemeinderäte von Bätterkinden, Wiler und Zielebach wollen die Schulsozialarbeit definitiv einführen.

In den Schulhäusern von Zielenbach (Bild), Bätterkinden und Wiler wird künftig die Schulsozialarbeit einziehen.

In den Schulhäusern von Zielenbach (Bild), Bätterkinden und Wiler wird künftig die Schulsozialarbeit einziehen.

(Bild: Thomas Peter)

Ein Kind hat auf dem Schulweg Probleme mit Kollegen. Es wird gemobbt. Oder eine Schülerin hat mit den Eltern Knatsch. Ein Jugendlicher kommt mit einem Lehrer nicht aus. Eine Lehrerin beobachtet über längere Zeit eine Verhaltensauffälligkeit eines Schülers und sucht Rat. In solchen Fällen braucht es vielleicht eine neutrale Ansprechperson ausserhalb des Schulbetriebes.

Hier kommt die Schulsozialarbeit ins Spiel. Sie ist in den Kantonen immer wieder ein Thema, wird immer populärer, ist aber nicht überall unumstritten. In Bätterkinden, Wiler und Zielebach scheint sie einem Bedürfnis zu entsprechen. Nach einer zweijährigen Testphase wollen die drei Gemeinderäte jedenfalls an den Gemeindeversammlungen die definitive Einführung der Schulsozialarbeit auf den 1. August 2019 hin beantragen.

Kosten nach Schülerzahl

«Wir haben eine positive Erfahrung gemacht», sagt die zuständige Gemeinderätin Annekäthi Walther, die selbst Lehrerin in Bätterkinden ist. Die Schulsozialarbeit bedeute eine Entlastung für Lehrkräfte und Schulleitung bei sozialen Problemen, Krisen sowie Konflikten unter Kindern und Jugendlichen. Die Sozialarbeiterin könne Fälle beurteilen, rasch eingreifen und nötigenfalls eine Klassenintervention einleiten, so Walther. Allerdings hätten die Kinder Anrecht darauf, dass ohne ihr Einverständnis keine Namen nach aussen dringen.

Das Büro befindet sich im Dorfmattschulhaus Bätterkinden. Wenn die Schulsozialarbeiterin da sei und keine Beratung abhalte, stünden die Türen offen. Die Schüler könnten reingehen und erzählen, sagt Walther. Am Donnerstagmorgen finden im Schulhaus Wiler Beratungen statt und im Kirchschulhaus Bätterkinden je nach Bedarf. Die Schulsozialarbeit wird mit einem 50-Prozent-Pensum abgedeckt. Stelleninhaberin ist Ariane Schwaar, die nach einer Babypause wieder zurückkehrt.

Die Berner Fachhochschule hat eine Evaluation durchgeführt. In den ersten neun Monaten des Schuljahres 2017/2018 liessen sich 45 von total 463 Schülerinnen und Schülern vornehmlich aus der Mittelstufe beraten, freiwillig oder auf Anraten einer Lehrperson. Zusätzlich fanden zwei Coachings von Lehrpersonen, zehn Kurz- und neun Elternberatungen statt. Weiter leistete die Sozialarbeiterin 55 Präventionsangebote, Gruppen- und Klasseninterventionen. Die Erwartungen seien bei den Interventionen übertroffen worden. «Die Schulsozialarbeit hat sich innert kürzester Zeit etabliert», ist Annekäthi Walther überzeugt.

Sagen die Gemeindeversammlungen Ja zur definitiven Einführung, ist mit jährlichen Bruttokosten von 70500 Franken zu rechnen, davon übernimmt der Kanton 10 Prozent der Lohnkosten. Der Rest wird auf die drei Gemeinden nach Schülerzahlen aufgeteilt, das heisst knapp 46800 Franken für Bätterkinden, rund 14200 für Wiler und knapp 4000 für Zielebach.

Nun tönt es anders

Ändern würde sich daran etwas, wenn Utzenstorf dazustiesse. Schliesslich gehört die grösste der vier Gemeinden auch zum Schulverband untere Emme. Doch zunächst zeigte sie kein Interesse an einer Schulsozialarbeit. Während die Gemeinderäte von Bätterkinden, Wiler und Zielebach beschlossen, ein Pilotprojekt zu starten, sagte der Utzenstorfer Rat Nein. Er sehe keine Notwendigkeit und erachte die Kosten als zu hoch, hiess es 2016.

Seit damals hat er die Haltung offenbar geändert. «Wir prüfen eine Einführung», sagt die zuständige Gemeinderätin Annekäthi Schwab auf Anfrage. Im Moment sei eine Arbeitsgruppe in Zusammenarbeit mit der Berner Fachhochschule an der Konzeptausarbeitung zuhanden des Gemeinderates. Es würden verschiedene Formen angeschaut, selbstständige Schulsozialarbeit oder Einstieg bei den anderen. Ob Utzenstorf mitmacht und wenn ja, welche Form angestrebt wird, sollte der Rat Ende Jahr entscheiden.

Berner Zeitung

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